75-jähriges Jubiläum der Ortsfeuerwehr Hohenaverbergen

Brandschutz zu Zeiten, als es nur ein Telefon im Dorf gab

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Nachdem der Tragkraftspritzenanhänger zunächst von Hand, dann von einem Traktor gezogen wurde, konnten die Hohener seit etwa 1948 auf einen feuerroten Jeep als Zugmaschine zurückgreifen, der sich im Privatbesitz von Schlachter Heinrich Hogrefe befand.

Hohenaverbergen - Die Feuerwehr Hohenaverbergen feiert am Wochenende 75-jähriges Bestehen. Grund genug, einen Blick zurückzuwerfen: Bereits 55 Jahre vor der offiziellen Gründung der Freiwilligen Feuerwehr in Hohenaverbergen im Jahre 1942, entwickelte sich dort, wie fast überall im Kaiserreich aus einer zumeist unorganisierten Nächsten- und Nachbarschaftshilfe ein straff organisiertes Feuerlöschwesen. In den Landgemeinden waren Eimer, Haken, Leitern sowie Laternen und Wasserfässer vorzuhalten. Außerdem waren in jeder Wohnung mit Wasser gefüllte Eimer aufzustellen.

Durch Feuerlöschordnungen bestärkt, beschafften sich immer mehr Gemeinden Feuerlöschgeräte, und um 1887 entschied sich der aus den vier Gemeinden Hohenaverbergen, Neddenaverbergen, Armsen und Luttum bestehende Löschverband dafür, eine in Armsen stationierte Handdruckspritze zu kaufen. Neue Verordnungen zur Regelung des Feuerlöschwesens veranlassten den Verband 1902 zur Auflösung, die Spritze wurde für 350 Mark veräußert und Hohen beschaffte sich 1903 eine eigene Handdruckspritze. Diese wurde wohl auch bei zwei Großbränden auf Bauernhöfen im Juli 1927 eingesetzt, die durch Blitzschlag verursacht wurden.

Einer „Erhebung zur Beschaffenheit der Feuerlöscheinrichtungen“ der Gemeinde Hohenaverbergen von Ende Dezember 1931 ist zu entnehmen, dass damals 60 Männer der Feuerwehr angehörten. Die Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren waren verpflichtet, Dienste zu leisten. Diese Wehr bestand aus einer Abteilung zur Rettung von Menschen, Vieh und Habe sowie einer Abteilung zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Bewachung der geretteten Sachen. Eine Sanitätsabteilung fehlte, eine Löschabteilung wurde nicht ausdrücklich erwähnt.

Löschhilfe unter Nachbarn

Alarmiert wurden die Mitglieder durch Feuerhörner, die bei einigen Männern zu Hause vorgehalten wurden. Nachbarliche Löschhilfe war ebenfalls zu leisten, die Alarmierung zu auswärtigen Einsätzen erfolgte durch Anruf bei der Poststelle Rosebrock. Hier war seinerzeit das einzige Telefon im Dorf installiert. Die Information wurde persönlich an den Brandmeister weitergegeben, der dann die Alarmierung der Feuerwehr per Feuerhorn veranlasste.

Mangels eines eindeutigen Nachweises wird der 24. Juli 1942 als Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Hohenaverbergen angenommen, als Brandmeister Fritz Dreyer ein Mitgliederverzeichnis erstellte.

Ab dem 1. April 1943 wurden die „Frauen im Rahmen des kurzfristigen Notdienstes für den Feuerwehrdienst“ verpflichtet. Zehn junge Hohenerinnen wurden ausgebildet. Diese Gruppe war während der Kriegsjahre bis 1945 aktiv und übte sogar den Einsatz mit Gasmasken. Ab 1942 verfügte die Feuerwehr über einen Tragkraftspritzenanhänger (TSA), der zunächst mit Eisenrädern ausgestattet war.

Ein Jeep zog ab Ende der 40er-Jahre den TSA. Diese Kombination wurde Ende 1962 durch ein neues LF 8 ersetzt. Dieses Fahrzeug war bis September 1990 im Einsatz. Die Löschwasserversorgung wurde in den 70er-Jahren wesentlich verbessert und das Feuerwehrhaus wurde 1976 mit erheblichem Arbeitseinsatz umgebaut und zehn Jahre später erweitert. Das neue Feuerwehrhaus am Scheperdrift wurde 1999 und 2000 mit sehr viel Eigenleistung gebaut.

Auch nicht mehr das jüngste, aber gut gepflegt: Das aktuelle Einsatzfahrzeug wurde im September 1990 übergeben.

Das aktuelle Einsatzfahrzeug wurde im September 1990 übergeben. Die Schutzausrüstung für die Aktiven wird bis heute laufend modernisiert.

Insgesamt hat sich das Aufgabengebiet seit Gründung stark erweitert, neben der Brandbekämpfung ist die Hohener Feuerwehr bei technischen Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen und sonstigen Unglücken gefordert, ehrenamtlich und rund um die Uhr. Von diesem Wandel spürte Fritz Dreyer kaum was, der bis 1960 als Gemeindebrandmeister amtierte. Bis 1970 stand Rudolf Dreyer an der Spitze und 1970 trat Gottfried Baumann seine Nachfolge an. 1985 übernahm Harald Ahlden als damals jüngster Ortsbrandmeister das Amt, das 2010 der aktuelle Ortsbrandmeister Olaf Zitelmann übernahm.

Die Feierlichkeiten

Am Freitag und Samstag, 16. und 17. Juni, feiert die Ortsfeuerwehr Hohenaverbergen ihr 75-jähriges Jubiläum. Am 16. Juni findet ab 19 Uhr ein Festkommers auf dem Festplatz im Dalsch statt. Danach sind alle zur Mitsommernacht mit Musik, Cocktails und Wasserorgel eingeladen. Am 17. Juni, ab 13 Uhr, wird der Gemeindefeuerwehrtag von der Ortsfeuerwehr Hohenaverbergen ausgerichtet. Es gibt kühle Getränke, Bratwurst, Pommes, Kaffee und Kuchen. Gegen 17.30 Uhr ist die Siegerehrung der Wettbewerbe.

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