Viertes Stress-Jahr für den Forst / 127 betroffene Fichten werden gefällt

Borkenkäfer lässt den Lindhoop nicht in Ruhe

Ein Wald. Auf einem Baum ist mit oranger Farbe ein trauriger Smiley aufgesprüht. Darunter das Wort „Käfer“.
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Ein trauriges Gesicht und dazu die Erklärung, warum derzeit mitten im Lindhoop Kahlschlag gemacht wird: Der Borkenkäfer hat sich erschreckend ausgebreitet.

Da, ein orangeroter Kringel. Das bedeutet, dass dieser Baum hier gefällt werden soll. Alles klar. Und gleich daneben, da ist noch einer mit so einer Markierung. Und noch einer. Und noch einer. Tatsächlich: Hier auf einer dicht bewachsenen Fläche mitten im Lindhoop scheint kaum noch ein Baum ohne Kringel zu stehen. Was ist denn bitte hier los? Auf eine der großen, markierten Fichten ist ein trauriges Gesicht gemalt worden. „Käfer“, steht da als Erklärung.

Kirchlinteln –Revierförster Michael Müller zuckt die Schultern. „Natürlich macht mich das betroffen. Aber, ganz ehrlich, man stumpft auch langsam ab.“ Im vierten Jahr in Folge stehe der Wald unter Dauerstress. Die Trockenheit der vergangenen Jahre habe die Bäume geschwächt und damit den Borkenkäfer in einem bisher nie da gewesenen Ausmaß angelockt. Und auch die Fällmaßnahmen zur Eindämmung der Parasitenpopulation hätten bisher keinen Erfolg gebracht. „Hier, auf genau dieser der Fläche, habe ich im Frühjahr 50 Festmeter Holz entnehmen lassen“, sagt Müller und zeigt auf einige Stümpfe. Die Bäume seien vom Käfer besetzt gewesen. Die Hoffnung, mit den befallenen Bäumen auch den Parasiten loszuwerden, habe sich leider nicht erfüllt. „Als ich jetzt erneut kontrolliert habe, war das schon ein Schock.“ 127 weitere Fichten, circa 250 Festmeter, seien betroffen. Alle werden in diesen Tagen gefällt.

Bohrmehl, Harz und herabfallende Borke

„Sehen Sie“, sagt der Waldexperte und zeigt auf den Boden. „Das ist Bohrmehl.“ Überall sind diese Spuren des Käfers zu finden. Müller weist auf den Stamm eines markierten Baumes hin. An manchen Stellen glitzert es hübsch. „Das ist Harz. Der Baum versucht, sich gegen den Käfer zu wehren. Aber er schafft es nicht.“ Die glitzernden Harztropfen seien so etwas wie blutende Wunden. „Und hier kann man erkennen, woher der Käfer seinen Namen hat.“ Müller zeigt auf große Borkenstücke, die hier überall herumliegen. Das Insekt hat diesen Teil des Waldes für sich eingenommen, das ist ganz offensichtlich. „Wir haben hier eine unfassbar hohe Populationsdichte“, sagt Müller.

„Zum Teil sind es alte, stattliche Bäume, die betroffen sind – die würde ich normalerweise unbedingt stehen lassen“, sagt Müller. Er erklärt, dass die Landesforsten den Lindhoop bewirtschaften würden. Das heißt, hier würden ohnehin regelmäßig Bäume gefällt, um das Holz zu veräußern. Allerdings kann der Förster schon lange nicht mehr sinnvoll entscheiden, welche Bäume in welchem Teil des Waldes entnommen werden. „Wir wirtschaften nachhaltig, da ist klar, dass wir jetzt zuerst die kranken Bäume wegnehmen.“

Befallene Bäume könnten zum Sicherheitsproblem werden

Die befallenen Fichten würden ansonsten über kurz oder lang ein echtes Sicherheitsproblem in dem von Spaziergängern und Radfahrern stark frequentierten Lindhoop darstellen: „Zuerst würden wohl irgendwann die Kronen herausbrechen, dann fallen irgendwann ganze Bäume um.“

Der Fahrer des Harvesters sei im Lintler Wald schon von Spaziergängern angesprochen worden. „Da glauben jetzt natürlich einige, wir würden hier Kahlschlag machen, um uns eine goldene Nase zu verdienen“, so Müller, der darauf hinweist, dass trotz steigender Holzpreise die Waldbesitzer bis heute nur wenig davon profitieren würde. Er sei schon froh, dass die betroffenen Fichten überhaupt in einem Zustand seien, wo sie noch Erlöse bringen.

Große Lichtung entsteht

Auf der Fläche wird in diesen Tagen also eine große Lichtung entstehen. „Klar, dass wir diese langfristig wieder aufforsten.“ Sicherlich nicht erneut mit Fichten, dem bevorzugten „Opfer“ des Borkenkäfers. „Wir werden uns sehr genau überlegen, welche Mischung von Bäumen hier mit Blick auf den Klimawandel sinnvoll sein wird“, so Müller. Ihm selbst schwebten an dieser Stelle vor allem Buchen vor.

Klar mache er sich als Förster Gedanken darum, wie es weitergehen soll, wenn sich die Käferpopulation in den kommenden Jahren nicht von alleine reguliert. „Wir wissen zum Beispiel nicht, was der Käfer macht, wenn hier gar keine Fichten mehr stehen. Wo geht er dann hin?“

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