Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers

Über Landwirtschaft und Funktionärsarbeit

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Landwirt Jörn Ehlers im heimischen Stall mit neuen Ferkeln, die gerade am Vortag eingezogen sind.

Holtum (Geest) - Seit einem halben Jahr ist der Holtumer Jörn Ehlers nun der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks. Grund genug für unsere Zeitung, ihn über seine ersten Erfahrungen und Eindrücke zu befragen. Mit dem Landwirt sprach unser Mitarbeiter Henning Leeske.

Herr Ehlers, was macht ein Landvolkvize eigentlich außer Kaffeetrinken?

Jörn Ehlers: Kaffee trinke ich in der Tat gerne und wahrscheinlich auch viel zu viel. Ist aber ja ein landwirtschaftliches Produkt, so dass der intensive Konsum meinen Berufskollegen zu Gute kommt. Des Weiteren nehme ich mit meinen Präsidiumskollegen Termine wahr, bei denen es im Wesentlichen um die Interessenvertretung der Landwirtschaft Niedersachsens geht. Das sind oftmals Treffen mit politischen Vertretern, Ministerien oder aber anderen Verbänden, mit denen wir Gemeinsamkeiten oder Interessenkonflikte haben.

Welches Thema war für Sie am wichtigsten nach einem halben Jahr in Amt und Würden?

Ehlers: Große Sorge hat unseren Landwirten das geplante Wassergesetz gemacht. In der ursprünglichen Fassung wären uns 80 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, in etwa so groß wie der Landkreis Verden, durch zusätzliche Randstreifen genommen worden. Glücklicherweise konnte dies, sicherlich auch Dank der massiven Proteste, verhindert werden.

Konnten Sie da auch etwas bewegen?

Ehlers: Innerhalb des Präsidiums haben wir uns einige Themen aufgeteilt. Ich bin unter anderem für den Wolf zuständig sowie seit zwei Jahren Vorsitzender des Bildungsausschusses. Beim Thema Wolf hat das Landvolk die betroffenen Gruppen im ländlichen Raum an einen Tisch geholt und ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet. Das kann man unter www.aktives-wolfsmanagement.de finden. 

Vizepräsident Jörn Ehlers auf der Delegiertenversammlung des Landvolks in Hannover.

Das war ein wichtiger Schritt. Die landwirtschaftliche Berufsausbildung funktioniert sehr gut, das belegen die immer noch steigenden Ausbildungszahlen eindrucksvoll. Wir hatten hier im vergangenen Jahr einige rechtliche Grundlagen mit Gewerkschaften und Kultusministerium zu diskutieren, die zu überarbeiteten Ausbildungsverträgen geführt haben. Außerdem ist die angemessene Integration des Ökolandbaus in die Ausbildung ein aktuelles Thema.

Was können Sie für sich persönlich aus dem neuen Amt mitnehmen?

Ehlers: Es gibt viele Gelegenheiten, mit sehr interessanten Menschen zusammenzutreffen und von diesen zu lernen. Durch den Blick über den Tellerrand, habe ich einiges mehr wertschätzen gelernt: die Familie, den eigenen Betrieb, Freunde, Nachbarn, Dorfgemeinschaft unsere Region. Wenn ich einmal einige Tage irgendwo hin musste, freut es mich umso mehr, wieder zu Hause in Holtum zu sein.

Kommt der eigene Betrieb bei den vielen Sitzungen und Tagungen nicht zu kurz?

Ehlers: Die Gefahr besteht sicherlich und es ist ein wichtiger Ratschlag meiner Vorgänger an mich gewesen, immer den eigenen Betrieb und die Familie an erster Stelle zu haben. Sehr hilfreich sind auch die Unterstützung und das Verständnis meiner Berufskollegen, mit denen ich zusammen arbeite.

Bedeutet Landvolk auch gleich Bauernverband?

Ehlers: Der Bauernverband wird in Niedersachsen Landvolk genannt und betreut mit 31 Kreisverbänden sowie etwa 1 100 Mitarbeitern unsere 79 000 Mitglieder. 18 Landesverbände (Anmerkung: einige Bundesländer haben zwei) bilden den Deutschen Bauernverband.

Macht Interessenvertretung Ihnen Spaß?

Ehlers: Natürlich, anders geht es nicht. Sicherlich gibt es immer auch mal weniger erfreuliche Tage und Themen, aber unterm Strich überwiegt deutlich das Positive. Lernen musste ich, Kritik an der Landwirtschaft weniger persönlich zu nehmen und darauf angemessen zu reagieren.

Was ist für den ländlichen Raum neben dem demografischen Wandel die größte Herausforderung?

Ehlers: Für sehr wichtig halte ich die Anbindung der ländlichen Räume an die digitalisierte Welt. Davon hängt zunehmend für viele Menschen die Lebensqualität und für Unternehmen deren Ertragskraft ab. Wollen wir beides auf dem Lande halten und somit auch das Leben im Dorf, ist der weitere Breitbandausbau Voraussetzung. Auch in der Landwirtschaft schreitet die Digitalisierung immer weiter voran. Hier nenne ich nur die zunehmende Online-Dokumentation und die GPS- Überwachung unserer Fahrzeuge.

Welchen Stellenwert hat die Landwirtschaft im ländlichen Raum?

Ehlers: Landwirtschaft und ländlicher Raum gehören für mich untrennbar zusammen. Es gibt leider Regionen und Dörfer, auch bei uns in Niedersachsen, da ist die Landwirtschaft auf dem Rückzug oder nicht mehr vorhanden. Das sind Entwicklungen, die praktisch unumkehrbar sind und in meinen Augen dann nach der Schließung von Bäckerei und Feuerwehr den Schlusspunkt für eine Ortschaft setzen. Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, solchen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Wo sehen Sie sich persönlich in einem Jahr?

Ehlers: Ich würde gerne auf Landesebene weiter mitwirken, weil ich damit direkt etwas Positives für unsere Region bewirken kann.

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