Künstler halten Menschen und Häuser mit Pinsel und Feder fest

Neddenaverbergen: Bilder erzählen Dorf-Geschichte

Neddenaverbergen – Noch immer zeugen etliche Federzeichnungen, Ölbilder und Aquarelle, die in Neddener Häusern hängen, vom Leben in dem Dorf in den 1920er- bis 1940er-Jahren. Und sie dokumentieren die Vielseitigkeit von Künstlern, die damals mal kürzer, mal längere Zeit im Ort wohnten und wirkten. Vor allem in der 2003 herausgegebenen Dorfchronik wird an diese Künstler erinnert.

So übernahm der in Grünendeich bei Hamburg geborenen Jonny Holste 1919 die Stelle als Dorfschullehrer. Für ihn war der Beruf des Lehrers auch Berufung, die er er mit einem seiner liebsten Hobbys verband. Er legte großen Wert auf den Zeichenunterricht, der meistens im Freien stattfand. Hier gab er Instruktionen, wie man Gebäude und Speicher skizzierte. Holste selber fand vor Ort genügend Material für seine Malerei. Auch mit seinem Fotoapparat hielt er interessante Motive fest. Im November 1933 zog er mit seiner Familie nach Stade, um dort eine Lehrerstelle anzunehmen.

Dorfschullehrer Jonny Holste von Nedden nach Stade

In den ersten Kriegsjahren richtete sich die 1889 in Zeitz geborene Marie Freiwald im damaligen Armenhaus von Nedden eine „Künstlerklause“ ein. Sie hatte früh privaten Zeichenunterricht und wurde 1910 als Lehrerin für technische Fächer an der Höheren Mädchenschule in Vegesack eingestellt. 1927 wechselte sie zur dortigen Volksschule und bildete sich an der Staatlichen Kunstgewerbeschule im Zeichnen weiter.

Freiwald bekam schnell Kontakt zu den Nachbarn. Die Malerin fand und skizzierte viele Motive, die ihr bei Spaziergängen in der Natur rund ums Dorf ins Auge fielen, zeichnete aber auch Portraits von Einwohnern und deren Häusern. Von ihrem weiteren künstlerischen Wirken ist aber nur wenig bekannt. Tagebuchaufzeichnungen über die letzten Kriegstage in Nedden sind in der ersten Dorfchronik finden. Nach Kriegsende unterrichtete sie kurz an der Neddener Schule und trat Ende 1945 ihren Schuldienst in Bremen wieder an. Pensioniert wurde sie 1954, im Oktober 1987 starb sie.

Schutz vor Luftangriffen: Von Bremen nach Neddenaverbergen

Eine 1927 begonnene lebenslange Freundschaft verband Marie Freiwald mit dem dritten Künstler, Professor Willy Menz, der mit seiner Frau einige Jahre in Nedden lebte. Die bereits Mitte Mai 1940 spürbar werdenden Luftangriffe der Alliierten waren damals für viele Bremer und damit auch für Marie Freiwald und Menz ein Grund gewesen, sich in der Region nach einem Unterschlupf umzuschauen. Beide hatten sich bei der von Menz geleiteten Weiterbildung an der Kunstgewerbeschule kennen gelernt. Es kann vermutet werden, dass zwischen dem Aufenthalt von Willy Menz und Marie Freiwald ein Zusammenhang besteht.

Der Professor bezeichnete es als Zufall, dass er in den Kriegsjahren den Ort Nedden als Wohn- und Arbeitsplatz wählte. Die Ruhe in der Region und die fleißige Arbeit der Einwohner faszinierten ihn. Gewisse Schwierigkeiten gab es, Modelle für Portraits zu finden. Die Männer, Frauen und Kinder waren immer irgendwie beschäftigt. Menz malte die Menschen dann einfach bei der Arbeit. So tragen seine Werke Titel wie „Der Dengler“ oder „Wi kriegt Swiene“. Er malte aber auch Bauernhäuser und fand reichlich Motive im Ort, darunter einen Scheunenbrand.

Professor Willy Menz malte die Menschen, wo sie arbeiteten

Geboren wurde Willy Menz als Sohn einer Bremer Kaufmannsfamilie 1890 in Guatemala, zwei Jahre später siedelte die Familie wieder nach Bremen um. Nach der Schul- und Fachschulausbildung in Bremen und dem Studium an der Kunstakademie in Leipzig erhielt er 1915 seinen ersten Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule. 1930 wurde ihm der Professorentitel verliehen. 1934 musste er aus politischen Gründen in den Ruhestand gehen. Danach war er als freischaffender Künstler tätig.

Menz musste 1934 aus politischen Gründen in den Ruhestand

Reisen führten Menz in den 1920er- und 1930er-Jahren nach Spanien, Österreich, in die Schweiz, USA und nach Indien sowie in die Heimat seiner Frau, nach Norwegen. Unmittelbar nach Kriegsende wurde er zum Leiter der Bremer Kunstschule berufen. Bis 1952 hatte Menz diesen Posten inne. Zahlreiche Bremer Kirchenfenster zeugen von seiner großen Schaffenskraft.

Bis ins hohe Alter war er aktiv und hinterließ nach seinem Tod im Februar 1969 zahlreiche Ölbilder, Aquarelle und Graphiken. Seine Neddener Freunde hat er aber nicht vergessen. Bis zuletzt pflegte er freundschaftlichen Kontakt.

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