Anrainer eines Bebauungsplans an der Luttumer Sophienstraße sind besorgt bis empört

Bebauung ja, aber bitte nicht so

Zwei Männer und zwei Frauen stehen am Rand einer Wiese.
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Wollen den Bebauungsplan so nicht durchgehen lassen: Claus-Hermann Hoops, Renate Schomaker, Udo und Mariele Papenheim.

In der Ortschaft Luttum formiert sich Widerstand gegen ein Projekt, das ein Bauinvestor am Rande der Ortschaft zwischen Sophienstraße und Bgm.-Hogrefe-Straße plant. Zu viele Häuser auf kleiner Fläche kritisieren die Anrainer. Außerdem passe die Art der Bebauung nicht ins Dorf.

Luttum – Zu groß, zu verdichtet, zu städtisch. Als der Bebauungsplan „Westlich Bgm.-Hogrefe-Straße in Luttum im Bauausschuss der Gemeinde Kirchlinteln beraten wurde, dachte so mancher Zuhörer wohl an einen Scherz. Inzwischen ist den Anwohnern klar geworden, dass der Bebauungsplan weit gediehen ist, eigentlich nur noch Details abgeändert werden können.

Mariele Papenheim: „Dass hier irgendwann mal gebaut werden würde, war uns allen klar. Dass es aber ein völlig neues Viertel mit Mehrfamilien-, Doppel-, Reihen- und Einzelhäusern werden würde, damit haben wir nicht gerechnet.

Knapp 50 Wohneinheiten sollen hier nach dem Willen des Investors entstehen (wir berichteten). Eine Größenordnung, die in ein ländliches Gebiet nach Ansicht von Papenheim überhaupt nicht hineinpasst. Damit steht sie nicht alleine da, und hatte keine Mühe, Nachbarn zu mobilisieren, um sich vor Ort mit Ortsvorsteher Claus-Hermann Hoops zu treffen. Der teilt nicht die Ansicht des Bürgermeisters, Luttum hätte ja bereits städtischen Charakter. „Luttum ist nach wie vor ein Dorf, wir haben noch drei Vollerwerbs- und einige Nebenerwerbsbetriebe.“ Und Anwohner Udo Papenheim empört sich: „Es ist noch nicht lange her, da hatten wir hier Dorferneuerung. Da ist viel Geld geflossen. Doch jetzt soll der dörfliche Charakter zerstört werden.“

Sein Nachbar Hermann Mahlmann stört sich vor allem an der erlaubten Firsthöhe der Gebäude. Während es im laufenden Baugebiet am Allerweg in Luttum erlaubte 9,50 Meter sind, kritisiert er die hier vorgesehene Höhe von 11,50 Meter. Die Mehrfamilienhäuser am Hang zur Landesstraße 160 hinunter sollen laut Plan auf die zweigeschossige Bauweise noch ein so genanntes Staffelgeschoss obendrauf bekommen. Schließlich fürchten die Nachbarn des künftigen Baugebietes, dass eineinhalb Parkplätze pro Wohneinheit nicht ausreichen werden, um alle Autos unterbringen zu können. Renate Schomaker stellt sich gedanklich auf den steigenden Verkehr ein: „Die Sophienstraße ist schon jetzt stark befahren, weil es hier keine Verkehrsberuhigung gibt.“ Allen Beteiligten ist klar, viel werden sie nicht ausrichten können, aber sie wollen ihre Anregungen und Bedenken loswerden, wenn der Plan demnächst öffentlich ausgelegt wird.

Bürgermeister Wolfgang Rodewald versteht die Kritik an der Art der Bebauung, sieht aber auch die Notwendigkeit, jungen und älteren Menschen Wohnraum anzubieten. „Der Bedarf ist da. Wir müssen in diesem Bereich mehr tun. Auch, was zum Beispiel die Barrierefreiheit betrifft.“ Die Ortschaft Luttum sei für diese Art der Bebauung mit Mehrfamilienhäusern, Reihenhäusern oder auch Doppelhäusern gut geeignet. Zum einen seien in diesem Bereich bereits Mehrfamilienhäuser entstanden, zum anderen sei Luttum die zweitgrößte Ortschaft neben Kirchlinteln, wachse immer mehr mit Hohenaverbergen zusammen und habe eine gute Anbindung an die Kreisstadt Verden. Aber er gibt zu: „Ich hätte mir auch eine weniger starke Verdichtung gewünscht.“ Er sieht auch die Vorteile: „Die Bebauung mit Einfamilienhäusern führt am Ende zu noch mehr Flächenversiegelung.“

Im Übrigen sei man mit dem Investor im Gespräch, um nachzuarbeiten. Dabei ginge es darum, an einigen Stellen die Anzahl der Wohneinheiten zu verringern. Die Art der Bebauung mit sogenannten Stadtvillen möge so mancher an dieser Stelle unpassend finden, aber die Wohnungen darin seien sehr beliebt. Für den Bürgermeister hat Vorrang, Wohnraum zu schaffen. Ob der bezahlbar für jene sein wird, die in der Gemeinde aufgewachsen oder alt geworden sind, darauf hat Rodewald keinen Einfluss. Er problematisiert: „Dass Grundstückseigentümer ihre Flächen so teuer wie möglich an Investoren verkaufen.“

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