Bürger befürchten Belastungen

Bauland: Politik macht den nächsten Schritt

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Auf dem Acker soll ein Wohngebiet entstehen. Erste Arbeiten könnten bereits im März erfolgen.

Kirchlinteln – Die Kirchlintler Gemeindepolitik hat den nächsten Schritt zur Entwicklung des geplanten Baugebietes „Westlich Speckener Straße“ getan. Schon im März könnte die Erschließung der 60 bis 70 Grundstücke beginnen.

Vor großem Publikum diskutierte der Ausschuss für Gemeindeentwicklung und Bauen das Thema am Montagabend. Wobei – viel zu diskutieren gab es eigentlich nicht mehr. Auf der Tagesordnung standen nur noch Abwägungs- und Satzungsbeschluss. Der Entwurf für die 5,92 Hektar große Ackerfläche am Heidberg hatte in den vergangenen Wochen ausgelegen und nun galt es lediglich, die eingegangenen Einwendungen auszuwerten. Susanne Janzen, Mitarbeiterin der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG), stellte diese vor.

Die größte Problematik scheint sich aus dem zu erwartenden zusätzlichen Verkehr zu ergeben. So meldete sich eine Anwohnerin der Kükenmoorer Straße zu Wort. Dort bestehe bereits jetzt eine besondere Lärmbelastung. Das liege zum einen am Kopfsteinpflaster der Kreisstraße, die zur Speckener Straße führt, zum anderen an der Gestaltung der Kreuzung zur Hauptstraße, die es Autofahrern ermögliche, hier mit hohem Tempo einzufahren. Hier machte Bürgermeister Wolfgang Rodewald deutlich, dass die Verwaltung nach einer Verbesserung der Lage strebt: „Wir sehen schon jetzt die Situation als kritisch an und haben deshalb mehrere Lärmmessungen beauftragt. Wir sind verwaltungsseitig der Auffassung, dass die Belastung so hoch ist, dass weitere Verkehre zu einer Unzumutbarkeit führen würden. Erfreulicherweise hat der Landkreis signalisiert, dass er sich eine Reduzierung auf Tempo 30 vorstellen könnte. Wir betrachten den Einmündungsbereich darüber hinaus als ganz kritischen Punkt. Die Pflasterbauweise dort ist, ich will es diplomatisch ausdrücken, unglücklich. Wir wollen unbedingt eine Änderung erreichen“, versprach er den Bürgern, am Ball zu bleiben.

Aber auch Anwohner der Speckener Straße waren am Montagabend vor Ort, die ihre Bedenken äußerten. So sei die Straße derzeit in einem schlechten Ausbauzustand, die Seitenränder seien abgefahren, Begegnungsverkehre schon jetzt schwierig. Außerhalb der Ortschaft seien hier 100 km/h erlaubt. Ein schnelles Runterbremsen kurz vor dem Ortsschild führe oft dazu, dass die Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit ins Wohngebiet „bretterten“. Auch in Hinblick auf den benachbarten Waldkindergarten solle hier über eine generelle Reduzierung auf 70 km/h außerhalb der Ortschaft nachgedacht werden, regte ein Anwohner an. Innerhalb der Ortschaft strebt die Verwaltung hier eine Tempo-30-Zone an.

Der Gibbach ist normalerweise nicht mehr als ein Rinnsal. Doch nach Starkregenereignissen sieht das ganz anders aus, wie diese Fotos eines Anwohners belegen. Der Weitzmühlener befürchtet, dass das neue Baugebiet die Lage noch verschärfen könnte.

Sorge vor vermehrtem Hochwasser im Gibbach trieb einen Bewohner der angrenzenden Ortschaft Weitzmühlen um. Der Entwurf sieht zwar ein komplexes Entwässerungssystem im neuen Baugebiet vor, aber schon heute trete der kleine Wasserlauf regelmäßig über die Ufer. Dies bestätigte Ausschussmitglied Fred Martens (CDU), der Ortsvorsteher von Weitzmühlen ist. Hier hieß es seitens der Verwaltung, dass das geplante System mit Gräben und Regenrückhaltebecken von Fachleuten geprüft worden sei, die auch Starkregenereignisse in ihre Berechnungen mit einbezogen hätten.

Kirchlintelns Ortsvorsteher Henning Leeske brachte seine Gedanken zur Pflege des Entwässerungssystems, das möglichst naturnah angelegt werden soll, in den Entwurf mit ein. So soll die Zuständigkeit des Mähens klar durch den Bauhof geregelt sein, damit die natürliche Vegetationsentwicklung nicht zulasten des Ortsbildes gehe. Leeskes Vorschlag, im neuen Baugebiet sogenannte Steingärten zu verhindern, findet sich bereits in den örtlichen Bauvorschriften wieder.

Dass die Anwohner der Kükenmoorer Straße dringend entlastet werden müssten, bestätigte Leeske, der in seinen Einwendungen von einer „Rennstrecke zum Kindergarten“ sprach. „Generell ist die Ausweisung des Baugebietes zu begrüßen, weil viele junge Familien aus Kirchlinteln dringend Bauland benötigen“, so Leeske abschließend.

Lediglich Frank-Peter Seemann (Fraktionsvorsitzender Grüne) votierte gegen den Beschluss. Er hielt an seiner Einschätzung fest, dass es andere, weniger konfliktbeladene Möglichkeiten gebe, Bauland zu entwickeln, wie etwa beim Sonderkamp. Er halte das Plangebiet darüber hinaus für eine sehr hochwertige landwirtschaftliche Fläche. Vor allem aber sei er nach wie vor der Ansicht, dass es gar keine so große Nachfrage nach Baugebieten in Kirchlinteln gebe.

Torsten Hoins, NLG-Geschäftsstellenleiter Verden, teilte diese Bedenken nicht. Er sagte, es gebe derzeit 180 Interessenten. „Da sind viele Kirchlintler dabei.“ Rodewald ergänzte: „Ich glaube nicht, dass dieses Baugebiet ausreichen wird, um die Nachfrage zu befriedigen. Die ist schon jetzt sehr hoch und wird wohl noch weiter zunehmen, sobald wir in die Vermarktung gehen.“

Den finalen Beschluss fällt der Gemeinderat am 12. Dezember.  rei

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