Ausstellung „Wider das Vergessen“ zum Kriegsende in der Gemeinde Kirchlinteln

SPD hat sich das Erinnern auf die Fahnen geschrieben

Ein Tanzsaal an der Wehrstraße in Kirchlinteln diente als Unterkunft für die Zwangsarbeiter, bewacht von einem Wehrmachtssoldaten.

Kirchlinteln - „Wider das Vergessen“ heißt die Ausstellung der Kirchlintler SPD, die am Sonnabend und Sonntag, 29. und 30. April, jeweils von 11 bis 16 Uhr, in der Kulturdiele des Lintler Krugs präsentiert wird. Sie zeigt auf acht großen Stelltafeln das Kriegsende in der Gemeinde Kirchlinteln. „Es wird von mutigen Menschen berichtet, die furchtlos mit der weißen Fahne den britischen Soldaten entgegengingen und somit großen Schaden von ihrem Dorf abwendeten; von toten Säuglingen in Armsen in einem ehemaligen Schweinestall sowie von verlogenen Durchhalteparolen der Nazipropaganda“, schreibt die SPD Kirchlinteln in einer Pressemitteilung.

In einer Audiostation sind mehrere Original-Tondokumente und ein Interview zu hören. Zusätzliche Informationsmaterialien werden ausgelegt, und viele großformatige Fotos zeigen Kirchlinteln zu der damaligen Zeit. Eine Zusammenfassung in einer Broschüre gibt einen Überblick über die Kriegsereignisse im April 1945 in der Gemeinde. An beiden Tagen wird außerdem jeweils um 14.30 Uhr der Zeitzeugenfilm aus dem Jahr 2015 zum Kriegsende in Kirchlinteln gezeigt. Zeitzeugen, die im April 1945 acht bis elf Jahre alt waren, erzählen darin ihre Erlebnisse.

„Das ständige Erinnern an die schreckliche Zeit der Naziherrschaft hat sich der SPD-Ortsverein auf seine Fahnen geschrieben“, wird Hermann Meyer, Kirchlintelns SPD-Chef, in der Pressemitteilung zitiert. Von den Sonntagsspaziergängen zum Heisenhof über die Verlegung von Stolpersteinen bis zu regelmäßigen Besuchen von Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, um nur einiges zu nennen, reiche das Spektrum der Kirchlintler SPD-Aktivitäten gegen rechts, ergänzt er.

2014 wurde auf Initiative der SPD der Hinrich-Heitmann-Weg in Kirchlinteln eingeweiht. Der Mitbegründer des SPD-Ortsvereins 1925 wurde Ende 1944 auf seiner Arbeitsstelle, dem Bremer Hauptbahnhof, von der Gestapo verhaftet und ins „Arbeitserziehungslager“ Bremen-Farge verschleppt. Heitmann hatte hungernden Zwangsarbeitern heimlich Brot zugesteckt und wurde denunziert. Fast drei Monate wussten seine Frau und fünf Kinder nicht, wo er war, bis er wieder freikam.

Diese Luftaufnahme zeigt Kirchlinteln vor 1945, hinten rechts steht noch der Turm der alten Mühle (heute Sparkasse).

Über die Partnerschaft Kirchlintelns mit dem tschechischen Letovice entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis zur SPD-Schwesterorganisation CSSD. Vertreter beider sozialdemokratischer Parteien legen seit 2015 zum Tag der Befreiung am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus' in Letovice einen Kranz nieder. In diesem Jahr wird auf den Kranzschleifen in Tschechisch und Deutsch stehen: „Die Erinnerung darf nicht enden“. „Die SPD Kirchlinteln leistet damit einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung und zum friedlichen Miteinander in einem Europa ohne Grenzen“, so Hermann Meyer.

Mit ihren vergangenen und aktuellen Aktivitäten bewarb sich der Ortsverein für das Projekt „Vergangenheit und Zukunft“ auf dem SPD-Bundesparteitag 2015 in Berlin im Rahmen des Wilhelm-Dröscher-Preises und landete auf dem dritten Platz. Das Preisgeld wurde jetzt in die aktuelle Ausstellung investiert, die kommenden Sonnabend um 11 Uhr eröffnet wird. Besucher sind herzlich willkommen.

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