Assistenzhund in Ausbildung Ole zu Besuch beim künftigen Frauchen

Vierbeinige Hilfe im Alltag

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Stefanie Eckhoff (sitzend) ist ganz begeistert, was Ole bei Vivien Grätsch bereits gelernt hat.

Kirchlinteln - Telefon statt Stöckchen holen, Schnürsenkel aufziehen oder Gegenstände aufheben: in wenigen Monaten soll Golden Retriever Ole seinem künftigen Frauchen, Stefanie Eckhoff aus Kirchlinteln, den Alltag erleichtern. Denn Ole ist kein gewöhnlicher Hund und hat nicht nur Freizeit.

Vivien Grätsch vom Verein „Hunde für Handicaps“ in Berlin bildet den eineinhalbjährigen Rüden zum Assistenzhund für Stefanie Eckhoff aus. Seit einem Jahr arbeitet die Hundetrainerin mit dem Vierbeiner. Sie gewöhnt ihn daran, dass er seiner künftigen Besitzerin den Alltag erleichtern kann.

Die 28-Jährige leidet an der seltenen, unheilbaren Muskelerkrankung Multi-Mini-Core-Myopathie. „Vor allem alltägliche Kleinigkeiten wird Ole ihr abnehmen. Er soll sie außerdem an den Arbeitsplatz begleiten und ihr bei der Büroarbeit assistieren“, erklärt Grätsch. Jetzt hat sie Steffi und ihren Lebensgefährten Alexander Schramm mit Ole erstmals in Kirchlinteln besucht.

Die erfahrene Hundetrainerin erzählt, dass sie Ole die komplexen Vorgänge nur in kleinen Einzelschritten beibringen kann. Die Ausbildung braucht deshalb ihre Zeit. „Wir können daher auch nicht genau sagen, wann Ole bei Stefanie einziehen wird. Ich denke, es wird zwischen März und Mai soweit sein.“ Davor, so Grätsch, komme es zu einer mehrwöchigen Zusammenführung der beiden beim Verein in Berlin und bei Steffi daheim. „Da sind die örtlichen Gegebenheiten ja völlig anders.“

Auch nach der Übernahme höre das Lernen nicht auf. Stefanie freut sich schon darauf: „Manchmal bin ich richtig ungeduldig, aber ich weiß ja, die Ausbildung braucht viel Zeit.“

Oles Pensum ist groß. Zum Beispiel lernt er nicht nur, das Telefon zu suchen, sondern auch, es aufzunehmen, um es seiner Besitzerin zu bringen oder in ihren Schoß zu legen. Beim Training, so Grätsch, werde viel gelobt, auch mit Leckerlis. Doch später muss der Rüde die Befehle auch ohne Belohnung ausführen. Gegenstände bringen, sich neben den Rollstuhl setzen, am Straßenrand sitzen bleiben, beim Sortieren von Wäsche oder beim Ausräumen der Waschmaschine helfen, Türen öffnen oder am Arbeitsplatz Papiere in einer Tasche von A nach B transportieren ist dann sein Job.

Später gibt es für ihn nur noch etwas Feines, wenn Stefanie zufällig etwas dabei hat. „Durch positive Verstärkung und Belohnung können Hunde je nach Größe und Eignung viele Befehle erlernen“, erklärt die Trainerin. Wichtig seien das langsame Herantasten und viele Pausen beim Einüben, denn für den Hund sei die Verknüpfung des Befehls mit der entsprechenden Aktion sehr anstrengend.

„Wir trainieren täglich zwischen 15 und 45 Minuten. Mehr geht nicht“, sagt Grätsch. Längst nicht jeder Hund tauge zum Assistenzhund. Golden Retriever Ole bringe aber bereits rassebedingt viele Pluspunkte mit und seine Intelligenz sei auch nicht zu verachten, hat Grätsch festgestellt.

Für die Ausbildung von Assistenzhunden wie Ole gibt es im Gegensatz zu Blindenhunden keinen Zuschuss oder gar eine Kostenübernahme von der Krankenkasse. Doch hier hatte Stefanie großes Glück. Das nötige Geld kam bei der Mars Cycle Challenge 2015, der Benefiz-Radtour „Ride for help“ vom Team Verden zusammen. 23912 Euro haben Rolf Zepp, Jürgen Jakob, Wolfgang Struif und Peter Krohn eingefahren und damit Oles Anschaffung und seine Ausbildung finanziert.

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