Angst vor Güterzügen im Zehn-Minuten-Takt / Bürgerinitiative gründet sich

„Ausbau hätte gravierende Folgen für die Gemeinde“

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Maik Dudda, Anne Kohrt und Ingo Bertram (von links) wohnen in Kirchlinteln, direkt an den Gleisen, wie mehrere hundert weitere Gemeindebewohner. Auf dem Bild braust gerade der Erixx wenige Meter am Garten vorbei, aber den Personenzug empfinden die Kirchlintler als kein so großes Problem. Sollte die Amerikalinie jedoch für den Güterverkehr ausgebaut werden, erwarten sie verheerende Folgen – nicht nur für die direkten Anwohner, sondern für die gesamte Region.

Kirchlinteln - Y – ein Buchstabe, der jahrzehntelang in der Region symbolisch für ein Horrorszenario stand und für massiven Widerstand in der Bevölkerung sorgte. Zur Realisierung der ursprünglichen Pläne kam es nie. Deswegen scheinen die Ängste heute gewichen, die Y-Trasse ist, zumindest in der Gemeinde Kirchlinteln, derzeit für viele kein Thema mehr. „Dabei ist die Bedrohung so real wie nie zuvor“, sind sich Anne Kohrt, Maik Dudda und Ingo Bertram sicher. Die Kirchlintler erklären in einem Pressegespräch, warum es ihrer Meinung nach „allerhöchste Eisenbahn“ ist, die Bürger darüber zu informieren, dass vielleicht bald Güterzüge im Zehn-Minuten-Takt durch die Gemeinde rasen. Mittwochabend wollen sie eine Bürgerinitiative gründen.

Die drei Kirchlintler wohnen direkt an den Gleisen der Amerikalinie, die an vielen privaten Grundstücksgrenzen in der Gemeinde verläuft. Derzeit fährt lediglich der Personenzug Erixx zweimal pro Stunde vorbei. Doch es gibt Pläne, die Strecke auszubauen. Nicht für den Personenverkehr, wie viele Jahre befürchtet. „Sondern für Güterzüge – und zwar im großen Stil“, sagt Anne Kohrt.

„Die Pläne der Bahn gehen von Güterzügen mit einer Länge von bis zu 700 Metern im Zehn-Minuten-Takt aus, bei Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h, gespeist durch Starkstrom-Leitungen“, erklärt Maik Dudda. Personenverkehr sei bei den Plänen nicht mehr vorgesehen. „Die Auswirkungen wären verheerend. Lärm, Elektrosmog und Erschütterungen sind natürlich zu erwarten“. Darüberhinaus würde die Trasse die Gemeinde zerschneiden, Bahnübergänge würden geschlossen. Das sei auch bedenkenswert für das Rettungswesen. Anne Kohrt ergänzt: „Viele Menschen hier leben vom Tourismus. Diese Pläne bedrohen ihre Existenzen.“

Bis zum Jahresende soll, davon gehen zumindest die Gegner des Ausbaus aus, die Entscheidung über den endgültigen Verlauf der Schienentrassen getroffen werden. Zehn Möglichkeiten wurden vorgestellt. Bei vier von ihnen spielt die Strecke, die durch Kirchlinteln, Bendingbostel, Klein Linteln, Brunsbrock und Schafwinkel führt, eine zentrale Rolle. Aber auch über die Gemeindegrenzen hinaus wären Menschen im Landkreis betroffen, in Scharnhorst zum Beispiel, in Nindorf oder Langwedel.

Entlang der Strecke wächst seit Monaten der Protest von Bürgern. „Nur bei uns ist es bislang sehr still gewesen“, so Ingo Bertram. Das solle sich jetzt ändern. Nicht zuletzt weil Bahnchef Rüdiger Grube gesagt haben soll: „Da, wo am wenigsten Widerstand ist, wird gebaut.“

„Save Kirchlinteln – Schienenausbau verhindern“ soll die Bürgerinitiative (BI) heißen und die Kirchlintler, die sie gründen wollen, haben bereits intensive Vorarbeit geleistet. Auf ihrer Homepage www.save.kirchlinteln.org lässt sich alles Wichtige nachlesen. „Wir investieren seit Monaten jede freie Minute in das Thema“, sagt Bertram. „Wir haben Flugblätter drucken lassen und stehen in engem Kontakt zu anderen Bürgerinitiativen.“

Die drei engagieren sich im vom Land Niedersachsen initiierten „Dialogforum Schiene Nord“, in dem Bürger Einwendungen einreichen können. „Das geht ganz einfach. In den Rathäusern der betroffenen Gemeinden liegen Karten mit Vordrucken aus, aber auch über unsere Homepage findet man die entsprechenden Links“, so Kohrt, die die Bürger dazu auffordert, unbedingt mitzumachen. Aber Eile sei geboten: „Die Diskussion läuft bis November, aber die Einwendungen sollten wegen der Sommerpause so schnell wie möglich eingereicht werden.“

Maik Dudda sagt abschließend: „Unsere Gemeinde ist liebenswert, die Menschen leben gerne hier. Wenn aber die Trasse ausgebaut wird, und dann noch riesige SuedLink-Masten und weitere Erdgasfördertürme errichtet werden… Man muss einfach mal zu Ende denken, wie das Leben hier in Zukunft aussehen könnte.“

Mittwochabend, 19 Uhr, ist jeder, der sich für das Thema interessiert, nicht nur aus der Gemeinde Kirchlinteln, im Zwitscherstübchen in Bendingbostel willkommen, um die Arbeit der BI zu besprechen.

rei

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