Fraktionen bilden Mehrheitsgruppe und zwingen CDU in die Opposition

Kirchlinteln: Ampel in Aufbruchsstimmung

12 Männer und Frauen stehen auf einer Treppe.
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Die neue Mehrheit im Kirchlintler Gemeinderat: Die Ratsfrauen und Ratsherren von SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und Freier Fraktion bilden eine Ampelgruppe. Auf dem Bild fehlt Timo Degenhard.

Da hat es mal so richtig im Karton gerappelt in der Kirchlintler Lokalpolitik. Nach einer gefühlten Ewigkeit mit absoluter CDU-Mehrheit haben die SPD, die Grünen und die Freie Fraktion sich tatsächlich zu einer Ampelgruppe zusammengeschlossen und damit eine Zeitenwende eingeläutet. Mit 13 Stimmen übertrumpfen sie nun die CDU, die elf Sitze im Gemeinderat hat, selbst dann, wenn der christdemokratische neue Bürgermeister mit seiner Partei stimmt.

Kirchlinteln –Wer nun glaubt, dass so etwas in der „Dorfpolitik“ keine große Rolle spielt, täuscht sich gewaltig. Nur ein Beispiel: Das bei vielen Bürgern umstrittene, aber von der Mehrheit der Politik bisher gewollte Baugebiet Ritterallee II wird es mit der neuen Gruppe am Drücker nicht geben. „Wir wollen die Planungen dafür nicht weiter fortsetzen“, sagte Richard Eckermann, Fraktionsvorsitzender der SPD und Sprecher der Gruppe. Und wenn die neue Mehrheit geschlossen zusammensteht, dann bedeutet das tatsächlich das Aus für die Planungen.

Das Ende für die Ritterallee II

„Wir wollen nicht alles anders machen, aber versuchen, ein paar Sachen besser zu machen“, erklärte Eckermann bei einem Pressegespräch vor der konstituierenden Ratssitzung. „Wir wollen Akzente setzen“, sagte Wilhelm Haase-Bruns, Fraktionsvorsitzender der Kirchlintler Grünen. Und wenn sie sich in der Vergangenheit auch nicht immer einig waren, so habe man bei den Sondierungsgesprächen entschieden, „nach vorne zu blicken“ und „den Fokus auf die Gemeinsamkeiten zu legen“, so Frank-Peter Seemann, Vorsitzender der Freien Fraktion.

Und die gebe es durchaus. Ein großes gemeinsames Anliegen sei es, in der Gemeinde mehr Demokratie zu wagen. In der Praxis soll das bedeuten: mehr Transparenz bei politischen Entscheidungen, eine deutlich verbesserte Bürgerinformation, zum Beispiel in Form von jährlichen Versammlungen in allen Ortschaften der Gemeinde.

Wir sind uns einig, dass in der Vergangenheit einige wichtige Themen, wie etwa Klima- und Naturschutz, zu kurz gekommen sind.

Gruppensprecher Richard Eckermann

„Außerdem sind wir uns einig, dass in der Vergangenheit einige wichtige Themen, wie etwa Klima- und Naturschutz, zu kurz gekommen sind“, so Eckermann. Das wolle man schnellstens ändern, und zwar mit der Einführung zwei neuer Fach-Ausschüsse. Und wenn die neue Gruppe etwas will, dann ist die Chance groß, dass es auch so gemacht wird.

Zum Thema Ritterallee II: „Wir wollen weitere Baugebiete im Kernort Kirchlinteln, wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Aber wir wollen kritisch schauen, wie wir das mit möglichst wenig Eingriffen in die Natur machen können.“ Weil für eine Realisierung der Ritterallee II eine Waldabholzung erforderlich wäre, wolle man sich deswegen lieber „auf andere, besser geeignete Flächen konzentrieren“, so Eckermann.

Die Ampel hat die Mehrheit in allen Gremien

Die Gruppe hat jetzt in allen Gremien, inklusive dem Verwaltungsausschuss, die Mehrheit – und direkt in der ersten Sitzung des Rates seine Mitglieder in wichtigen Positionen platziert. So wird Sabine Mandel (SPD) erste stellvertretende Bürgermeisterin, Wilhelm Haase-Bruns dritter stellvertretender Bürgermeister. Der zweite stellvertretende Bürgermeister ist Lars Hogrefe von der CDU.

Die Gruppe sah davon ab, einen Ratsvorsitzenden aus eigenen Reihen vorzuschlagen, der bisherige Gremiums-Chef Wilhelm Hogrefe (CDU) wird weiterhin die Sitzungen leiten. Seine künftigen Stellvertreter Frank-Peter Seemann und Elke Beckmann kommen aber aus der Gruppe. Von den künftig sieben Fachausschüssen werden vier von Gruppenmitgliedern geleitet.

All das verspricht eine gewaltige Verschiebung der Machtverhältnisse in Kirchlinteln. „Wir werden aber nicht einfach durchregieren“, versprach Eckermann, der noch betonte, dass natürlich auch weiterhin jedes Mitglied der Gruppe das Recht habe, abweichend abzustimmen. „Wir wollen jetzt einfach diese einmalige Chance nutzen, Impulse zu setzen, die die Gemeinde nach vorne bringen.“

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