Kirchlintler Politik empfiehlt Planung auf Waldfläche

Ärztehaus: Es mangelt an Alternativen

Die Praxis von Dr. Wieters am Alten Kohlenförder Weg.
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Die Praxis von Dr. Wieters am Alten Kohlenförder Weg entspricht nicht mehr den Bedarfen.

Kirchlinteln – Eine neue Immobilie für Arztpraxen in Kirchlinteln – der erste planungsrechtliche Schritt ist getan. Der Fachausschuss hat am Montag in einer Sondersitzung beschlossen, die circa 3 000 Quadratmeter große Fläche zwischen Kita und Bauhof in den Geltungsbereich des Baugebietes „Auf dem Breck – Erweiterung“ einzugliedern.

Der Entscheidung waren intensive Diskussionen vorausgegangen.

Investor hat Bedarf für Ärztehaus vorgetragen

2019 wurde der Aufstellungsbeschluss für das neue Wohngebiet gefasst. Dort sollen in einer verdichteten Bauweise verschiedene Gebäudetypen entstehen, auch Mehrfamilienhäuser. Eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren ist ebenfalls vorgesehen. Nach einigen kleineren Rückschlägen sei man bei der Planung jetzt auf einem guten Weg, erklärte Manuel Rampelmann von der Stabsstelle. „Mittlerweile ist ein Investor auf uns zugekommen, der den enormen Bedarf für ein Ärztehaus vorgetragen hat.“

Allgemeinarztpraxis benötigt mehr Platz

Wie berichtet, benötigt die Allgemeinarztpraxis von Dr. Dirk Wieters dringend mehr Platz. Ein Investor möchte Abhilfe schaffen – auf der gemeindeeigenen Fläche an der Kükenmoorer Straße, neben dem Kindergarten, gegenüber dem geplanten Baugebiet. Dort, wo sich jetzt ein Buchenwäldchen befindet.

Es soll ein großes Gebäude werden, das neben Praxisräumen auch noch sechs Wohnungen im Obergeschoss haben soll. Zusätzlich sollen circa 25 neue Stellplätze entstehen. Dass dafür Bäume gefällt werden müssen, ist klar. Allerdings soll es umfangreiche Kompensationsmaßnahmen auf einer Fläche nahe der Autobahn geben.

Von mehreren Seiten wurde im Ausschuss infrage gestellt, ob im Vorfeld wirklich intensiv nach Alternativstandorten gesucht wurde. „Ich finde den Ort nicht gut. An der Stelle gibt es schon jetzt die ganzen Verkehre zur Kita, die Situation wird dadurch nicht einfacher“, sagte Holger Broek (SPD). Frank-Peter Seemann (Grüne): „Wir befürworten ein Ärztehaus, aber der Standort ist nicht optimal, so etwas gehört nicht an den Ortsrand. Gibt es an der Hauptstraße definitiv keine andere Möglichkeit? Im Lintler Krug zum Beispiel?“ Bürgermeister Wolfgang Rodewald: „Ich kann Ihnen sagen, dass jede Fläche und jedes größere Gebäude im Ortskern in Betracht gezogen wurde.“ Sylke Bischoff (fraktionslos) wies darauf hin, dass dies nach der Ritterallee II nun der zweite Wald im Ort sei, der einem gemeindlichen Bauvorhaben zum Opfer falle. „Wie sieht es denn mit dem Grundstück hinter dem Edeka aus? Oder mit dem Gebäude neben Wöbse?“ Alles geprüft, so die Verwaltung.

Rodewald sagte, dass er den Standort für ideal halte. „Wir haben da große Gestaltungsmöglichkeiten. Und es ist eine Entfernung, die man von der Hauptstraße noch zu Fuß erreichen kann.“ Dass Bäume gefällt werden müssen, finde er auch nicht schön. „Aber wir sind nun mal eine waldreiche Gemeinde, wir werden immer wieder auf diese Notwendigkeit stoßen.“

„Die Rahmenbedingungen für unsere Ärzte müssen stimmen, ein wesentlicher Aspekt sind vernünftige Räumlichkeiten. Mit der Ausweisung der neuen Wohngebiete werden viele Menschen das Ärztehaus fußläufig erreichen können“, sagte Arne Jacobs, CDU. Auch Friedel Koch (SPD) warb um Zustimmung: „So ein Ärztehaus wäre für die älteren und behinderten Menschen in der Gemeinde hervorragend. Wir müssen doch versuchen, den Ärzten eine Alternative zu bieten, bevor die wegziehen.“

Dr. Dirk Wieters, der als Zuhörer dabei war, bekam – nach der Abstimmung – die Chance, sich zu äußern. „Meine Räumlichkeiten sind zu eng, sie sind nicht behindertengerecht, ich bin nicht zufrieden. Seit dem Tod von Dr. Intemann arbeiten wir am Limit. Wir suchen händeringend nach einer Alternative. Die Zeit drängt.“ Wenn der Investor abspringe, müsse er sich wohl oder übel in einen Nachbarort zurückziehen, „wo ich ruckzuck eine geeignete Fläche finden würde.“

Soweit wird es wohl eher nicht kommen. Der Ausschuss empfahl die Pläne mit einer Enthaltung (Holger Broek, SPD) und einer Gegenstimme (Frank-Peter Seemann, Grüne).

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