Kehrtwende beim Praxisneubau: Gebäude soll ins neue Baugebiet

Kirchlintler Ärztehaus: Buchen dürfen bleiben

Ein Wegweiser an einem Maisfeld.
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Wo jetzt Äcker sind, werden bald Wohngebäude in die Höhe wachsen. Auch der Praxisneubau soll im Baugebiet „Auf dem Breck – Erweiterung“ entstehen – dort, wo eigentlich eine Tagespflege hinsollte.

Der spannendste Punkt der Kirchlintler Ratssitzung am Montagabend – der stand gar nicht auf der Tagesordnung. Während der Einwohnerfragestunde informierte Bürgermeister Wolfgang Rodewald die Anwesenden, dass der Verwaltungsausschuss kurz zuvor beschlossen habe, das neue Ärztehaus nicht, wie ursprünglich angedacht und in den vergangenen Wochen in der Ortschaft heiß diskutiert, auf der Fläche neben dem Kindergarten zu bauen.

Kirchlinteln – Dort hätte, wie mehrfach berichtet, ein Buchenwäldchen gefällt werden müssen. Stattdessen soll das Gebäude nun auf der gegenüberliegenden Straßenseite, im geplanten Baugebiet „Auf dem Breck – Erweiterung“, realisiert werden.

Tagespflege leider erst mal vom Tisch

„Leider“, befand der Verwaltungschef, der erklärte, warum das zugleich auch eine schlechte Nachricht sei. Der Grund für die Umplanung sei nämlich, dass ein anderer Kirchlintler Wunsch vorerst nicht erfüllt werden könne: Die gewünschte Tagespflege im neuen Baugebiet sei erst mal vom Tisch. Stabsstellenleiter Manuel Rampelmann erklärte auf Nachfrage: „Aufgrund der Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie hat der Tagespflegeanbieter vorerst Abstand von der Realisierung in Kirchlinteln genommen. Zur Ermittlung des Bedarfs an Pflegeplätzen wird hier ein größerer Radius von circa zehn Kilometern gezogen, sodass auch Pflegeeinrichtungen in Visselhövede oder Verden mit in die Analyse eingeflossen sind.“ Kurz gesagt: In Kirchlinteln sieht der Anbieter derzeit keine ausreichenden Bedarfe für eine solche Einrichtung. Das sei sehr schade, sagte Bürgermeister Rodewald. Aber der Umstand ermögliche nun eben, dass das sogenannte „Ärztehaus“ auf der ursprünglich für die Tagespflege vorgesehenen Fläche entstehen könnte.

Rodewald erklärte in der Einwohnerfragestunde, dass der bisher verwendete Begriff „Ärztehaus“ bedeute, dass langfristig gesehen nicht nur die beiden Kirchlintler Allgemeinmediziner Wieters und Camphausen in das Gebäude ziehen sollen, sondern hoffentlich auch noch weitere medizinische Angebote dort vorgehalten werden können. Welcher Art diese seien, stünde aber noch nicht fest. „Wir führen da Gespräche.“

Politiker begrüßen die Entwicklung

„Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich, wenn auch eine gewisse Enttäuschung über die Absage der Tagespflege mitschwingt“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Eckermann am Dienstag. Er zeigte sich froh, dass damit die Diskussion über die Abholzung des Buchenwalds vorbei ist. „Jetzt heißt es: Volle Kraft voraus für das Ärztehaus.“

Es wäre ausgesprochen schade gewesen, wenn ein vitaler Wald hätte abgeholzt werden müssen.

Frank-Peter Seemann, Fraktionsvorsitzender Grüne

Auch beim Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Frank-Peter Seemann, war am Dienstag eine gewisse Erleichterung zu spüren. „Es wäre ausgesprochen schade gewesen, wenn ein vitaler Wald hätte abgeholzt werden müssen. Aus unserer Sicht ist der neue Standort immer noch nicht optimal, so ein Gebäude gehört eher in die Ortsmitte. Aber wenn die Kirchlintler Mediziner mit dem neuen Standort einverstanden sind, ist das auf jeden Fall eine gute Nachricht.“

Sechs CDU-Landtagsabgeordnete in Sachen Ärztehaus zu Gast

Am Dienstag kamen auf Einladung vom CDU-Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeisterkandidaten Arne Jacobs sechs CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Raum Elbe-Weser sowie Fraktionsgeschäftsführer Adrian Mohr im Rahmen ihrer Sommertour nach Kirchlinteln. Dabei ging es zum Beispiel um die Frage, ob der Bau des Ärztehauses mit Landesmitteln gefördert werden könnte. Der Standpunkt der Landes-CDU: Es sollten solche Maßnahmen gefördert werden, die „eine hochwertige und wohnortnahe gesundheitliche Daseinsvorsorge sicherstellen“. Dazu zählten eben auch hausärztliche Versorgungszentren oder Gemeinschaftspraxen.

Neben Pflege ist medizinische Versorgung ein Kernelement, wenn es um das Thema Leben im Alter auf dem Land geht.

Arne Jacobs, Bürgermeisterkandidat der CDU

Nach einem Austausch mit Investoren, Medizinern und Vertretern der Verwaltung ging es dann auf einen Abstecher zum geplanten Baugebiet, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Arne Jacobs: „Neben Pflege ist medizinische Versorgung ein Kernelement, wenn es um das Thema Leben im Alter auf dem Land geht.“ Dies wolle er im Rahmen eines Kirchlintler Generationenpakts zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit machen, falls er im Herbst zum Bürgermeister gewählt werde.

Die beiden Kirchlintler Mediziner Dr. Dirk Wieters und Felix Camphausen zeigten sich mit dem neuen Standort einverstanden. „Der Ortswechsel ist für uns völlig undramatisch“, so Wieters. Sorge mache ihm jedoch die Dauer des Planverfahrens. „Baubeginn kann wohl frühestens im Herbst nächsten Jahres sein, das ist schon noch eine lange Zeit für uns.“

CDU-Sommertour zum Plangebiet: Auf Einladung des Bürgermeisterkandidaten Arne Jacobs kamen am Dienstag sechs CDU-Landtagsabgeordnete aus dem Raum Elbe-Weser nach Kirchlinteln. Es ging bei dem Besuch auch um die Frage, inwieweit der Bau eines Ärztehauses mit Landesmitteln gefördert werden könnte.

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