Achtung: Es grünt

Brennnessel und Co: Wildkräuterexpertin stellt heimische Superfoods vor

 Susanne Zweibrück kniet auf einer Wiese.
+
Vitaminbombe: Susanne Zweibrück hat ganz viel Scharbockskraut gefunden.

Wildkräuter-Expertin Susanne Zweibrück ist mit der VAZ im Wald und auf den Wiesen unterwegs, und erklärt, was Brennnessel und Co so gesund macht und wie Gesundheitsbewusste das erste Grün des Jahres in der Küche verwenden können.

  • Frische Wildkräuter enthalten wertvolle Inhaltsstoffe.
  • Aus Brennnesseln lassen sich Leckereien zaubern.
  • Nicht alle Orte sind zum Sammeln geeignet.

Kirchlinteln – Der Winterblues hat viele Menschen immer noch fest im Griff, kein Wunder: Die Bäume sind kahl und das Wetter ist ungemütlich. Der Frühling scheint noch längst nicht angekommen. Doch lohnt es sich, gerade jetzt nach draußen in die Natur zu gehen, vielleicht mit einer Schere und einem kleinen Korb ausgestattet. Denn in den kommenden Wochen sprießen in unseren Breitengraden einige ausgesprochen gesunde Superfoods aus der Erde.

„Schauen Sie mal, das explodiert geradezu“, sagt die Bendingbostelerin in einem Waldstück nahe des Gohbachs. Und tatsächlich: Hier, in den feuchten Wiesen, ist der Boden nahezu bedeckt von kleinen grünen Pflänzchen. Es handelt sich dabei um das Scharbockskraut, weiß die Expertin. Die Pflanze sei von unseren Vorfahren gerne verzehrt worden, besonders nach langen Wintern. Sie enthalte sehr viel Vitamin C.

Wenn das Scharbockskraut blüht, sollte man die Finger davon lassen

Scharbock ist ein alter Name für Skorbut, früher wurde das Kraut gegen diese Krankheit eingesetzt. „Tatsächlich ist das zeitige Frühjahr die einzige Jahreszeit, in der man Scharbockskraut bedenkenlos sammeln und verzehren kann“, weiß Zweibrück. Sobald die Pflanze anfange zu blühen, veränderten sich die Inhaltsstoffe und das Kraut werde giftig. Jetzt im März aber machten die jungen Blätter Quark oder Kräuterbutter zu Vitaminbomben. Doch sollten sie nur in Maßen verzehrt werden.

Weiter geht es durch die Wiesen und Zweibrück erzählt, dass sich das Blattgrün und der menschliche Blutfarbstoff Hämoglobin sehr ähnelten. „Chlorophyll unterstützt unseren Körper bei der Blutbildung. Mehr rote Blutkörperchen bedeutet mehr Sauerstoff im Blut. Muskeln und Gehirn werden besser versorgt, wir sind leistungsstärker und können uns besser konzentrieren.“ Wildpflanzen hätten einen besonders hohen Gehalt an Chlorophyll, das sei einer der Hauptgründe, warum es sich lohne, diese Nahrungsmittel in seinen Speiseplan einzubauen.

Immer wieder weist Zweibrück auf Triebe hin, die aus der Erde sprießen: „Hier, Knoblauchsrauke! Einfach köstlich.“ Innerhalb kürzester Zeit findet sie die verschiedensten essbaren Wildpflanzen: Behaartes Schaumkraut, Löwenzahn, Nelkenwurz. Und dann strahlt sie. Sie hat die interessanteste Wildpflanze dieser Jahreszeit gefunden, die gesündeste. Sie kniet sich hin und weist auf ein paar Blätter in Bodennähe. „Jeder kennt sie, fast jeder hat sie auf seinem Grundstück.“ Aber kaum jemand verwende das heimische Superfood in der Küche. Zweibrück kann das nicht verstehen. „Die Brennnessel hat den höchsten Gehalt an Chlorophyll, enthält Kieselsäure, Mineralstoffe, Provitamin A und Vitamin C, wirkt blutreinigend und regt den Stoffwechsel an.“ Und dennoch gingen die meisten Menschen achtlos an der Pflanze vorbei. „Der Vorfrühling ist die beste Zeit, um ihre Triebspitzen zu ernten. Die Blätter sind jetzt ganz zart.“

Brennnesseln vor dem Verzehr walken oder blanchieren

Natürlich müssten aber erst einmal die Brennhaare außer Gefecht gesetzt werden. Nachdem die mit Handschuhen geschützten Sammler die zarten Triebe geerntet haben, sollten sie diese blanchieren oder kräftig mit dem Nudelholz walken. Die Samen dagegen ernte man im Herbst. Auch diese seien sehr gesund und wegen ihres nussigen Aromas vielfältig in der Küche einsetzbar.

Nach der Wanderung im kalten Märzwind gibt es heute zur Stärkung Brennnessel-Brotbratlinge (siehe Rezept) aus Zweibrücks Kräuterküche, dazu einen pikanten Scharbockskraut-Dip und zum Nachtisch Energiebällchen mit Brennnesselsamen. Alles sehr gesund und schmackhaft.

Wer keine Lust habe, aufwendig mit den Kräutern zu kochen, könne diese auch einfach gehackt über sein Butterbrot streuen oder, mit etwas Obst, im Mixer zu einem vitaminreichen Smoothie verarbeiten. „Gerade jetzt, kurz nach dem Winter mit seiner langen Dunkelheit, wenn unser Immunsystem sehr beansprucht ist, tut man sich damit etwas Gutes“, ist Zweibrück überzeugt.

Wie immer bittet die Expertin Interessierte, einige Regeln zu beachten: Sie sollten nur Pflanzen sammeln, die sie eindeutig identifizieren können. Direkt neben viel befahrenen Straßen oder gedüngten Äckern sollten Gesundheitsbewusste wegen der Schadstoffbelastung keine Pflanzen sammeln. Außerdem sollten sie immer nur so viel ernten, wie sie wirklich verzehren wollen und die Pflanzen nicht gnadenlos abernten. „Wobei das bei Brennnesseln eher kein Problem darstellt“, so Zweibrück. Diese seien so weit verbreitet und widerstandsfähig, dass es kaum möglich sei, sie zurückzudrängen.

Auf Zecken achten

Außerdem rät sie, auch schon so früh im Jahr auf Zecken zu achten. „Man sollte sich hinterher immer sorgfältig absuchen.“ Eine letzte Bitte hat sie noch: „Dass man keinen Müll in der Natur hinterlässt, versteht sich eigentlich von selbst. Aber noch besser, als sich über andere aufzuregen, ist es, eine Tüte mit auf die Kräuterwanderung zu nehmen und den Müll, den man findet, einzusammeln und mitzunehmen. Ich mache das jetzt jedenfalls jedes Mal und das gibt mir zusätzlich ein gutes Gefühl.“

Mehr Informationen gibt es auf Zweibrücks neuer Homepage  www.susannes-kraeuterschaetze.de.  Dort ist bereits ein Veranstaltungsprogramm zu sehen, coronabedingt allerdings noch ohne Termine. Unabhängig davon ist es möglich, die Expertin zu buchen. Sie hält gern Kräuter-Vorträge, zum Beispiel für Vereine.

Gesund und lecker: Aus den ersten Kräutern des Jahres lassen sich Dips und vieles mehr zaubern.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Bindung zu Ihrem Hund stärken – Jetzt kostenlos an einem Online-Kurs teilnehmen

Meistgelesene Artikel

Dörverdener Seniorenheim: Haus 2 wird komplett geräumt

Dörverdener Seniorenheim: Haus 2 wird komplett geräumt

Dörverdener Seniorenheim: Haus 2 wird komplett geräumt
Kreis Verden: Polizei sagt Sündern Kampf an

Kreis Verden: Polizei sagt Sündern Kampf an

Kreis Verden: Polizei sagt Sündern Kampf an
Auf dem Verdener Podest: Im Sommer einen Kaffee auf dem Brett

Auf dem Verdener Podest: Im Sommer einen Kaffee auf dem Brett

Auf dem Verdener Podest: Im Sommer einen Kaffee auf dem Brett

Kommentare