Zukunftsorientiertes Projekt in Armsen: kbb-Geschäftsführer zieht positive Bilanz

90 Häuser bekommen Wärme aus Biogas

Rindermist wird in den Fermenter eingetragen: Seit 2017 wird dieser Wertstoff vermehrt genutzt.  
Fotos: Röttjer
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Rindermist wird in den Fermenter eingetragen: Seit 2017 wird dieser Wertstoff vermehrt genutzt. Fotos: Röttjer

Armsen – „Mehr als 90 Häuser werden in Armsen an das Nahwärmenetz mit Vollversorgung angeschlossen. Die Baumaßnahmen finden aktuell in der Dorfmitte statt“, erläutert der Geschäftsführer der kbb Biogas, Gerd Clasen. Die Wärme liefert die gemeinsam mit der kbb connect in Armsen betriebene Biogasanlage. Die fünf Gesellschafter Jochen Dittmer, Claus-Hermann Hoops, Marco Eggers, Rathje Clasen und Gerd Clasen freuen sich über die große Resonanz in der Ortschaft. Vorgestellt wurde das ambitionierte Projekt erstmals bei einer Info-Veranstaltung Anfang 2018.

Clasen erläutert eine Besonderheit bei der Warmwasserversorgung: „Abgeschlossen wird der Vollversorgungsvertrag durch die kbb connect, mit dem die teilnehmenden Haushalte komplett auf eine eigene Heizungsanlage verzichten können“, so Clasen. Gleichzeitig wird ein Glasfaserkabel mit einer Downloadrate mit bis zu 200 MBits/Sekunde zu den Haushalten verlegt.

Obwohl die 2011 gestartete Biogasanlage mit den Erweiterungen bereits einige Millionen kostete, scheuten die Gesellschafter nicht die Investition in die anderthalb Kilometer lange Transportleitung von der Anlage bis ins Dorf: „Dieser Auftrag der connect GmbH ist ebenfalls eine in die Zukunft gerichtete Millioneninvestition“, so Clasen.

Die Hausbesuche von Clasen, bei denen er das Projekt vorstellte, waren erfolgreich. Mehr als 80 Wärmelieferverträge für Häuser mit über 110 Haushalten schloss Clasen ab, aktuell heizen bereits 45 Häuser mit der Biogaswärme. „Wir bieten eine Vollversorgung an und garantieren die Wärme“, so Clasen weiter. Der Nutzer benötige keinen eigenen Brenner zur Sicherheit mehr, wenn wegen zu hoher Auslastung des Netzes die Energie gedrosselt oder auf Null gefahren wird. Eine Sicherheitsreserve stünde mit einer zentralen Holzhackschnitzelheizung und einem 1 000-Kubikmeter-Wärmespeicher zur Verfügung: „Bei Ausfall der Gesamtanlage wird mit Notstrom und einer in einem Lkw verbauten mobilen Heizung das Netz mit Warmwasser versorgt“, sagt Clasen.

Die Kunden profitierten außerdem davon, dass kein Grundpreis wie bei einem Gaslieferanten anfalle und ebenso die Kosten für eine eigene Heizungsanlage eingespart würden. Abschließend betonte Clasen, dass ein Nahwärmenetz mit Wärmevollversorgung im Kontext mit einer Biogasanlage noch nicht oft vorkommt.

Gestartet wurde die Anlage 2011 mit einer Leistung von 600 KW. „Gefüttert“ wurden die Speicher zu 70 Prozent aus Ernteprodukten wie Mais- und Grassilage und zu 30 Prozent aus Gülle. Damals gab es neben dem erzeugten Strom im Beipack noch Wärme für die Gärtnerei „Der Grashof“, die den Betrieb aber vor einigen Monaten eingestellt hat. Ein weiterer Meilenstein war der Ausbau der Anlage auf 1,1-MW-Bemessungsleistung und einer Gesamtspitzenleistung von 2,2 MW im Jahr 2015. Mit dem Ausbau konnte der Weg zur Direktvermarktung gewählt werden.

„Wir produzieren vorrangig nur dann Strom, wenn er wirklich im Netz benötigt wird“, so Clasen. „Biogasanlagen verfügen über alles, was ein flexibles Kraftwerk benötigt: stufenlos schaltbare Motoren, eine konstante Gaszufuhr und einen eigenen Gasspeicher.“ Daher sei Biogas die ideale Ergänzung zur Wind- und Sonnenenergie.

Seit 2017 ist vermehrt Rindermist im Einsatz. Dieser stehe in der Region in großer Menge zur Verfügung, so Clasen. Der Anfall des Mistes erfolge ganzjährig in den Betrieben, täglich würden Mengen aufgenommen und die darin enthaltene Energie genutzt. Methanverluste durch Mistlagerung würden so vermieden. „Wir produzieren CO2-neutrale Energie in der Region für die Region”, betont Clasen abschließend. Die Akzeptanz für Erneuerbare Energien könne seiner Meinung nach so erheblich gesteigert werden.

Von Harald Röttjer

Wärmebalken in der Heizzentrale, hier laufen alle Leitungen zusammen, erklärt Gerd Clasen.

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