Tagung für Kräfte in Kindergarten und Schule: Diplom-Pädagogin streicht Vorteile von „Lernwerkstätten“ heraus

Wie Kinder vieles besser „be-greifen“

Passenderweise wurde die Tagung für Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte als eine Art Lernwerkstatt gestaltet.

Achim - (mm) · „Schule – sitzen – zuhören – Leistungsdruck – Benotung – anstrengend – Gott sei Dank vorbei.“ So antworteten viele Erwachsene auf die Frage nach ihren Lernerfahrungen in der Kindheit, sagt Diplom-Pädagogin Christel van Dieken. Wie es viel besser laufen könnte, das brachte die Hamburgerin gestern zahlreichen Erzieherinnen und Erziehern in Kindergärten und Lehrkräften an einer Grundschule näher.

„Lernwerkstätten“ war das Thema des gemeinsamen Fachtages der Achimer Kooperationskindergärten St. Laurentius, Achim-Mitte, Alte Schule Embsen und St. Matthias sowie der Grundschule am Paulsberg. Rund 25 wissbegierige Frauen und einige Männer hatten sich dazu am Nachmittag im Gemeindehaus von St. Matthias an der Meislahnstraße eingefunden, wo ihnen van Dieken, Buchautorin und Gründerin einer Schule für Kinder ab acht Wochen, Appetit auf eine andere Art von Lernen bereitete.

Dabei übertrug sie den Werkstatt-Gedanken, „wir machen etwas mit den Händen, dazu auch mit Herz und Kopf“, auf den Fachtag. Denn „Be-greifen“ fange mit den Händen an, und so referierte die anerkannte Expertin nicht nur und ließ die Tagungsteilnehmer in kleinen Gruppen zu bestimmten Stichworten diskutieren, sondern alle beschäftigten sich auch mit Materialien zum Spielen, Basteln, Experimentieren.

Weg vom Frontalunterricht, weg vom „45-Minuten-Gedanken“, weg von der starren Aufteilung nach Fächern, ist das Anliegen von Christel van Dieken. Sonst könnten Kinder Sinn-Zusammenhänge kaum begreifen.

Nach Erkenntnissen der Hirnforschung sei aber noch ein anderer Punkt wesentlich, damit ein Mensch, gleich ob Jung oder Alt, nicht abschaltet, sondern Lust aufs Lernen hat. Jedem Kind müsse „Futter“ nach seinen Fähigkeiten gegeben werden, fordert van Dieken.

Auf der Tagung machte sie das an einem Beispiel deutlich: Laut Lehrplan müssten die Kinder zum Ende der ersten Klasse das Zahlenfeld bis 20 beherrschen. Doch manch einer komme in die Schule und könne schon bis 1 000 rechnen, während ein anderer kaum bis zehn zählen könne. Damit beide vorankämen, also sich nicht langweilten beziehungsweise Mathematik bereits früh resigniert zu den Akten legten, müssten die Aufgabenstellungen ganz unterschiedlich ausfallen. Die Lehrer sollten mit jedem Schüler individuell einen Plan entwerfen und Lernziele absprechen.

Das gelte grundsätzlich auch für die Arbeit im Kindergarten. Bärbel Elmers, Leiterin der Tagesstätte Achim-Mitte, unterstrich das als Sprecherin einer der Arbeitsgruppen: „Wir sollten jedes Kind mit seinen Stärken und Schwächen sehen“, sei man sich einig gewesen.

Die Kita Mitte war bei der Tagung übrigens mit den meisten Fachkräften vertreten. Kein Zufall: Denn dort soll in Achim die erste Lernwerkstatt mit mindestens einem „Kreativraum“, Materialien und Medien für Lernstationen entstehen.

Ein Ort, der dann auch Anlaufpunkt für Schulklassen werden könnte. Denn Ziel des Ganzen sei im Sinne des „Brückenjahres“ auch die engere Verknüpfung von Kindergarten und Schule, betonte Christel van Dieken.

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