Johann Schumacher fertigt bereits in 3. Generation schmucke Körbe aus Weiden

„Kiepenmoker“: Gleichzeitig Künstler und Handwerker

Auch die Enkelinnen Annika (links) und Nadine beobachten ihren Opa Johann Schumacher gerne bei seiner Arbeit. ·
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Auch die Enkelinnen Annika (links) und Nadine beobachten ihren Opa Johann Schumacher gerne bei seiner Arbeit. ·

Thedinghausen - RIEDE-HEILIGENBRUCH · 77 Jahre ist er „jung“ und mit Leib und Seele, vor allem auch mit sehr viel Geschick und Kreativität, Freude und Spaß dabei, wenn es darum geht, Körbe in allen Größen aus Weiden anzufertigen.

Und das bereits in dritter Generation. Fingerfertigkeit, Kraft in den Fingern und ein gutes Augenmaß sind weitere Voraussetzungen.

Er ist ein „Hilmbröökscher“, ein Urgestein aus dem Rieder Ortsteil Heiligenbruch. Mit Holz arbeiten, wenn heute auch mit ganz „zartem“ Material, war schon immer sein Leben und füllte früher neben der Landwirtschaft den Tagesrhythmus aus. Im Rentenalter geht er es nun ruhiger an, bearbeitet gemeinsam mit seiner Ehefrau Gisela den großen Gemüsegarten, freut sich über seine freilaufenden Hühner auf dem Hof und hält immer wieder Ausschau nach geeigneten Weidenzweigen.

Meist streift er mit dem Fahrrad durch die Gegend, ja sogar bis nach Intschede führte ihn seinerzeit der Weg, um dort die passenden Weiden aufzuspüren, ob sie die richtigen Triebe besitzen, die er später ernten und verwenden könnte.

Vor rund 65 Jahren schaute er seinem Großvater Johann (starb 1947) über die Schulter, der ihn mit Rat und Tat in die Kiepen- und Korbmacherei einführte. Johanns Vater Heinrich frönte ebenfalls jahrelang der Korbmacherei. Johann erzählt gerne über sein ausgefallenes, seltenes und sehr arbeitsintensives Hobby, natürlich op Platt. Früher war es Gang und Gebe, im Herbst und in den Wintermonaten auf der Diele Weidenkörbe für den eigenen Bedarf herzustellen. Die langen Wintertage mussten schließlich genutzt werden, Langeweile war ein „Fremdwort“. Zum Kiepenmachen stehen erst einmal einige Vorarbeiten an.

So werden im Herbst die jährigen, gleichstarken Weidentriebe, die Johann ja vorher schon im frühen Wachstumsstadium „ausspioniert“ hat, geschnitten, dazu auch stärkere Äste, die für den Unterbau und die Bügel benötigt werden. Als Werkzeug dienen nur ein scharfes Messer zum Splinten und Schneiden sowie eine Kneifzange.

Bei einer Kiepe, wie auf oben stehendem Foto zu sehen, wird zunächst der Bügel (Handgriff) geformt, als nächstes werden die rautenförmigen „Rosen“, oder auch „Augen“ genannt, des Korbes geflochten, denn diese sorgen am Bügel für den festen Halt. Hier werden die starken Rippen des Korbes hinein geschoben. Dann folgen die sortierten dünnen Weiden, die hinein geflochten werden. „Es ist schon eine recht mühselige Arbeit, aber je mehr die Weiden-Kunststücke ihre Formen annehmen, umso mehr Spaß und Freude macht es.

Verwenden kann man die fertigen Teile vielseitig, zum Beispiel für den häuslichen Bedarf, als Gemüse- und Kartoffel-, Kaminholz- oder Futterkorb. Andere nehmen sie zum Eiersuchen oder verschenken sie zu vielen Anlässen“ , so der „Kiepenmoker“. Seltener fertigt er die so genannten „Twee-Oers-Kiepen“, (oder auch Risch-Op-Kiepen) hohe Körbe mit zwei Handgriffen, an.

Hier ist die Fertigungstechnik ganz anders. Zuerst wird das Bodenstück mit dicken Weidenrippen hergestellt, die dann mit dünnen Zweigen durchflochten werden. Dann werden die starken Seitenrippen hochgebogen und zusammengeschnürt, um der Form Halt zu geben. Zusätzlich werden die Körbe innen mit dünnen Bindedrähten verdrahtet. Ist das Schmuckstück später vollendet, werden die Drähte herausgezogen.

Ab und zu kann sich Johann Schumacher ja auch mal von einem Korb trennen, dann dürfen sich die Kinder und Enkelkinder, Verwandte oder andere Interessierte freuen, wenn sie das Glück haben, einen in vielen, vielen Stunden mit viel Liebe zum Detail angefertigten Unikat von Weidenkorb in Besitz zu nehmen, von „Kiepenmoker Jan“ Schumacher ut‘n Hilmbrook. · jb

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