Härtefallersuchen abgelehnt: Hanim Kaldirici und vier ihrer Kinder droht die Abschiebung / Gestern Protestaktion in Achim

„Keiner will zurück – wir sind Deutsche!“

Klare Botschaft: Die Kaldiricis sollen bleiben, hieß es auf den Plakaten. Weil ihrer Mutter und vier ihrer Geschwister die Abschiebung droht, sind die Schwestern Fatma (kleines Bild, l.) und Zeliha Kaldirici verzweifelt.Fotos (2): Marquart

Achim (mar) · Fatma (23) und Zeliha Kaldirici (25) können ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Die beiden Schwestern aus Achim sind verzweifelt und „völlig durcheinander. Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen“, schluchzt Zeliha Kaldirici.

Denn ihrer Mutter Hanim sowie ihren Brüdern Behcet (19), Mehmet (13), Salim (16) und dessen Zwillingsschwester Hazal droht die Abschiebung in die Türkei.

Um gegen eine Ausweisung der fünf Kaldiricis ein Zeichen zu setzen, hatte sich gestern Nachmittag eine rund 40-köpfige Gruppe Achimerinnen und Achimer im Jugendtreff eingefunden, Plakate gemalt und war dann in stummem Protest vor das Rathaus gezogen. Hazals Freundin Sevda Deveceker (16) hatte einen offenen Brief mitgebracht. „Wir können nicht unseren Mund halten, unsere Ohren zuhalten und unsere Augen schließen – da muss was getan werden“, heißt es in dem vierseitigen Schreiben.

Härtefallersuchen abgelehnt: Hanim Kaldirici und vier ihrer Kinder droht die Abschiebung

Während Zeliha und Fatma Kaldirici seit mehr als 15 Jahren in Deutschland leben und inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, kamen ihre Mutter und ihre Geschwister im Jahr 2002 aus der Türkei nach Deutschland. Der Vater ließ die Familie im Stich. Nachdem die Duldung für Hanim Kaldirici und ihre vier Kinder erloschen war, hat die Härtefallkommission beim niedersächsischen Innenministerium am 20. Juli ihr Härtefallersuchen abgelehnt. Gegen diese Entscheidung können keine Rechtsmittel eingelegt werden, steht in dem Schreiben.

„Keiner will in die Türkei zurückgehen – wir sind Deutsche! “, sagt Zeliha Kaldirici. „Alle Kinder sprechen fließend deutsch. Krass, dass es ausgerechnet eine voll integrierte Familie trifft – und das bei der derzeitigen Debatte“, sagt Sozialpädagoge Achim Franz. Die Kinder gehen entweder zur Schule oder arbeiten. Die Jungen sind Leistungsträger in verschiedenen Achimer Fußballvereinen und kommen auch häufig in den Jugendtreff. „Sie fügen sich gut ein – es ist wirklich schade“, bedauert Sozialpädagogin Denise Homburg.

Die Kaldiricis stammen aus der Nähe der südosttürkischen Stadt Viransehir. „Dort haben wir keine Verwandtschaft mehr“, erklärt Zeliha Kaldirici. Sie fürchtet, dass ihre Familienangehörigen als Kurden jesidischen Glaubens in der Türkei verfolgt werden würden. Zudem leide Hanim Kaldirici an einem Bandscheibenvorfall und Diabetes und sei durch die derzeitige Situation auch psychisch angeschlagen, berichtet Tochter Zeliha. Ihre Mutter und ihre vier Geschwister seien inzwischen abgetaucht, um sich einem Zugriff der deutschen Behörden zu entziehen.

Die Kaldiricis haben auch die Möglichkeit erwogen, ins Kirchenasyl zu gehen. Doch das kommt nach Ansicht von Marina Kortjohann, Pastorin der evangelischen St.-Laurentius-Gemeinde, nicht in Betracht. Ihren Informationen nach seien alle juristischen Mittel ausgeschöpft. „Deshalb könnte das Kirchen asyl endlos sein.“ Die Pastorin prüft stattdessen „andere Möglichkeiten“.

Die Ausländerbehörde beim Landkreis Verden bestätigte gestern Nachmittag lediglich, dass die Kaldiricis bis heute ihre neuen türkischen Pässe beantragen müssen. Das sei nicht gleichbedeutend mit einer akuten Abschiebung.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Wie fahrradfreundlich ist Deutschland?

Wie fahrradfreundlich ist Deutschland?

Sido-Konzert im ausverkauften Pier 2

Sido-Konzert im ausverkauften Pier 2

Was Hunde im Alter brauchen

Was Hunde im Alter brauchen

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Geld aus Rom: Notstand für Venedig beschlossen

Meistgelesene Artikel

Stimmungsvolle Dekorationsideen

Stimmungsvolle Dekorationsideen

Umbau der B215 in Walle - es geht gut voran

Umbau der B215 in Walle - es geht gut voran

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

Kreisarchäologie kann Fund aus Achim datieren: „Diese Runen sind ein Knaller“

Lehrer für „Wegweisendes Projekt“ ausgezeichnet

Lehrer für „Wegweisendes Projekt“ ausgezeichnet

Kommentare