Achimerin Lena Philipp möchte nach dem Abi Kinder in Kambodscha unterrichten

Kampf gegen Kinderarbeit und Ausgrenzung

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Beim Aufenthalt in Israel mit dem Jugendpfarrer Lothar König bekam Lena Philipp einen Eindruck von einer fremden Kultur.

Achim - Von Lisa DuncanACHIM/JENA · Südostasien interessierte die Achimerin Lena Philipp „schon immer“. Darum plant sie nach überstandener Abiturprüfung, für die Hilfsorganisation „Brot für die Welt“ nach Kambodscha zu gehen, um Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine Schulbildung zu ermöglichen. In einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren hat sich die Schülerin schon durchgesetzt. Was ihr noch fehlt, ist ein Förderkreis, der den einjährigen Aufenthalt unterstützt.

Der Platz im Flugzeug am 3. August ist bereits reserviert, ein 22 Stunden währender Flug. „Ich muss in Khatar umsteigen. Und ich wusste bisher noch nicht mal, dass das ein Land ist“, sagt die 20-Jährige.

Bereits als Kind, als Lena Philipp zum ersten Mal den Zeichentrickfilm „Mulan“ gesehen hatte, war sie von Südostasien fasziniert. „Dann habe ich mich später auch mit Buddhismus beschäftigt und fand es echt interessant“, erzählt sie.

Durch ihren Kontakt mit jungen Mitarbeitern, die beim Salvation Centre Cambodia (SCC) für „Brot für die Welt“ in Kambodscha eingesetzt sind, erfuhr sie, dass es dort „weniger leistungsorientiert“ sei als in Deutschland. Schon in der Schule herrsche keine Ellbogen-Mentalität, sondern ein starker Gemeinsinn.

Die Abiturientin wurde in Achim geboren, ging dort auf das Cato Bontjes van Beek-Gymnasium und war in der Jugendarbeit der St. Laurentiuskirche aktiv. Mit 18 zog sie nach Jena („Ich musste mal raus“), wo sie zurzeit ihr Abitur ablegt.

Richtig raus kommt die Achimerin jetzt durch ihren einjährigen Hilfs aufenthalt. Das SCC gibt es seit 2010. Über das staatliche Förderprogramm „weltwärts“ sei sie darauf gekommen. „Ich wollte erst nach Laos, aber dann habe ich erfahren, dass Kambodscha eine viel krassere Geschichte hat“, erklärt Philipp.

In Kambodscha möchte sie Kinder und Jugendliche unterrichten und im Büro arbeiten, unter anderem dabei die Homepage unterstützen. Ein Schwerpunkt der lokalen Hilfsorganisation sei die Aufklärung über HIV/Aids. „Das Paradoxe ist: obwohl es hier weniger an HIV erkrankte Menschen gibt, sind sie in Deutschland besser integriert als in Kambodscha.“

In dem von „Brot für die Welt“ betriebenen Bildungszentrum werden Schüler zwischen 4 und 14 Jahren unterrichtet. „Das Schulsystem ist dort sehr lückenhaft“, betont Philipp. Eltern schickten ihre Kinder zum Arbeiten auf Plantagen oder Fabriken statt in die Schule. Lehrer könne man dort hingegen schon nach der 9. Klasse werden – ohne Studium.

Für das Hilfsprogramm musste sich Lena Philipp gegen viele Bewerber durchsetzen. Empfehlungsschreiben bekam sie beispielsweise von Wolfgang Rekendt, der zuständig für die Jugendarbeit im Kirchenkreis Verden ist. Auch in Jena ist sie in der Kirche aktiv und pflegt Kontakt zu dem Stadtjugendpfarrer Lothar König.

An den Vorwürfen, er habe 2011 bei einer Demonstration gegen Rechts zu Gewalt aufgerufen, sei nichts dran. Lena Philipp kennt den Pfarrer, der sich in der DDR für die Demokratiebewegung einsetzte, gut. Sie war zwei Wochen lang mit einer von König angeleiteten kirchlichen Reisegruppe in Beitjala, der israelischen Partnerstadt Jenas. Sie bereisten auch Tel Aviv, Jerusalem und die palästinensischen Gebiete. Für Lena Philipp eine komplett andere Welt: „Mit der Armut ist das richtig krass. Das fällt auf, wenn man vom reichen Tel Aviv nach Palästina reist.“

Auslandserfahrungen sammelte sie zudem über den Schulaustausch und den Chor des Cato-Gymnasiums. Hin und wieder besucht sie auch ihre Geschwister im Ausland: Halbschwester Katja lebt in Kanada, Marie studiert in Schweden. „Da muss ich noch nachziehen“, sagt sie und lacht. Neben ihrer Mitgliedschaft im Chor beteiligte sich Lena Philipp auch an der Homepage-AG des Cato-Gymnasiums. Vielleicht war der Beruf der Eltern, beide Software-Entwickler, da auch ein wenig prägend. Doch das menschliche Gehirn interessiert die Schülerin mehr als künstliche Intelligenz: Sie möchte darum nach dem Auslandsaufenthalt „Cognitive Science“ studieren.

Lena Philipp hat die Jury der Hilfsorganisation überzeugt. 75 Prozent des Aufenthalts, der insgesamt mehr als 10 000 Euro kostet, übernimmt „weltwärts“. Im Gegenzug verpflichtet sich die Schülerin, einen Förderkreis aufzubauen, der die restlichen 25 Prozent übernimmt, und sich auch später für „Brot für die Welt“ zu engagieren.

Wer zum Förderkreis gehören möchte, kann Lena Philipp per E-Mail anschreiben oder direkt an „Brot für die Welt“ (BLZ: 60040071, Kontonummer: 527 653 000) spenden.

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