Bewährungsstrafe von sieben Monaten

Junkie schrammt an Knast vorbei

Achim - Wegen sechs Straftaten, die er offenbar zur Drogenbeschaffung begangen hatte, war ein junger Achimer mit Migrationshintergrund gestern vor dem Amtsgericht angeklagt. Bei den Taten will der Mann so zugedröhnt gewesen sein, dass er sich nicht mehr daran erinnern kann. Das nahm ihm das Gericht zwar nicht ab, setzte die Strafe aber dennoch zur Bewährung aus.

Die Anklagepunkte gegen den vierfachen Vater, der nach eigenen Angaben seit 2004 drogensüchtig ist, lauteten auf Diebstahl in drei Fällen, versuchten Diebstahl in besonders schwerem Fall, Körperverletzung, sowie unerlaubten Waffenbesitz.

Das Verfahren wegen Körperverletzung blieb vorläufig ungeklärt, da die beiden Zeugen zu dem Vorfall vor Gericht nicht auftauchten. Auch die Anklage wegen öffentlichen Führens einer Waffe wurde vorläufig eingestellt. Verurteilt wurde der Angeklagte also nur für vier Taten, die sich alle im März dieses Jahres, ebenfalls in Achim, ereignet hatten.

Mit Gewalt soll er in einen Kellerraum an der Straße Am Rathauspark eingedrungen und dort gewütet haben. Durch Poltern und Geschrei weckte er Hausbewohner, die die Polizei alarmierten. Stehlen wollte er offenbar nur einige Christbaumkugeln, die die Beamten zertrümmert in seiner Jacke fanden. Es entstand ein Schaden von mehreren hundert Euro. Nicht einmal der Blick auf die Polizeifotos vom Tatort halfen dem Angeklagten, sich an die Tat zu erinnern. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagte der Staatsanwalt.

Bei den drei Diebstählen handelte es sich um ein vor einem Supermarkt abgestelltes Damenfahrrad, zwei Gießkannen aus einem Markt für Haus- und Gartenzubehör, sowie Waren aus einem Kleidermarkt in der Innenstadt. Bei allen Taten war der Mann nachweislich alkoholisiert gewesen.

Der Staatsanwalt forderte eine Gesamtstrafe von neun Monaten ohne Bewährung. Seine Begründung: Der Angeklagte habe weder geschwankt noch gewankt und sei daher „voll verantwortlich“ für seine Taten. Das sah Richter Heiko Halbfas auch so: „Sie sind an Drogen gewöhnt und wussten sehr wohl, was sie taten.“ Dennoch fiel sein Urteil mit sieben Monaten auf Bewährung mild aus.

Als strafverschärfend wertete Halbfas die vielen Vorstrafen des Mannes, darunter schweren Raub und Diebstahl, wofür er zwei Jahre Gefängnis verbüsste. Während der Haft hatte er sich weiter Drogen beschafft und war dafür auch einmal verurteilt worden. Halbfas hielt dem Angeklagten aber zugute, dass er beabsichtige, eine Drogentherapie beginnen zu wollen. „Ich finde, diese letzte Chance sollte man ihm geben.“ Zudem sei bekannt, dass eine Freiheitsstrafe die Entzugstherapie nicht zwingend begünstige. Wie bereits die Vorgeschichte des Angeklagten zeige, sei es „kein Problem, im Knast an Drogen ranzukommen“. Dafür darf sich der Angeklagte drei Jahre lang nichts zuschulden kommen lassen. Als weitere Auflage muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich verpflichten, eine Therapie anzufangen. · ldu

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