Journalist Claudius Maintz fährt mit dem Kettcar vom Sauerland nach Hamburg

Steigungen sind mörderisch

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Ein Mann und seine Maschine: Auf seiner Kettcar-Tour vom Sauerland bis nach Hamburg machte Claudius Maintz im Schatten des Verdener Doms Rast.

Verden - Wenn ein Redakteur der Zeitschrift Auto Bild auf Tour geht und darüber eine Reportage schreibt, denkt man an schicke Flitzer mit ordentlich PS unter der Haube. Bei Claudius Maintz war es diesmal allerdings ganz anders. Der Journalist hatte sich am Donnerstag zu einem „Abenteuer der anstrengenden Art“ aufgemacht. Mit einem Kettcar fuhr er in vier Etappen 340 Kilometer vom Sauerland bis nach Hamburg. Am Sonnabend führte ihn sein Weg auch über Verden.

Die Idee zu dieser ungewöhnlichen Aktion entstand in der Redaktion in Hamburg. „Dem Familienunternehmen Kettler geht es momentan wirtschaftlich nicht gut, da haben wir überlegt, was man machen kann. Schließlich ist ein Kettcar seit Generationen quasi das erste Auto und eine schöne Erinnerung an die Kindheit in den 70er und 80er Jahren“, weiß Maintz. Mit seiner Langstreckenfahrt will er dem Klassiker nun wieder Aufmerksamkeit verschaffen und ein wenig dazu beitragen, dass noch viele Generationen das Vehikel fahren können.

Die Tour begann in Ense-Parsit, dem Sitz der Firma Kettler. Das Fahrzeug, mit dem Maintz unterwegs ist, ist ein Prototyp, der, sofern das Unternehmen überlebt, in ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen soll. Lenkrad, vier Räder, Handbremse – bis auf einen Motor ist fast alles dran, was ein echtes Auto haben muss. Es wächst mit und kann somit von Kindern und Erwachsenen gefahren werden. „Mein Sohn Julian ist fünf und auch schon damit gefahren“, berichtet Maintz.

Für die Langstrecke wurde das Gefährt ausgerüstet wie ein Fahrrad: Klingel, Beleuchtung vorne und hinten, zwei Bremsen und Reflektoren.

„Auf dieser Tour hole ich mir ein Stück Kindheitserinnerungen zurück“, schmunzelt der Journalist. 80 bis 90 Kilometer legt Claudius Maintz pro Tag zurück. Begleitet wird er von seinem Kollegen Benno Grieshaber auf dem Fahrrad, der die Tour fotografisch dokumentiert.

Gefahren wird entweder auf der Straße oder dem Radweg. Beides hat Vor- und Nachteile. „Auf der Straße fährt es sich leichter, dafür muss man sich auf die Lkw einstellen. Auf jeden Fall bekommt man einen ganz anderen Blick als beim Autofahren. Bordsteine oder schlechte Wege interessieren einen da nicht. Steigungen und Kopfsteinpflaster sind mörderisch“, stöhnt Maintz. Da geht das Treten ganz schön in die Beine, schließlich wollen 157 Kilogramm bewegt werden. Das Kettcar wiegt 62, dazu 15 Kilo Gepäck und das Gewicht des Fahrers.

„Man muss sich die Strecke etappenweise vorstellen und im Kopf einteilen, sonst schafft man es nicht“, erzählt der ehemalige Langstreckenläufer. Trotzdem hatte er am Ende der ersten Etappe in Schloss Holte-Stuckenbrock einen „Durchhänger“. Aber aufgeben kam natürlich nicht infrage und am nächsten Tag war das Tief überwunden.

Am Sonnabend warf eine Reifenpanne den Zeitplan noch einmal gehörig durcheinander. „Glücklicherweise passierte das vor einem Fahrradgeschäft in Nienburg“, erzählt Maintz. Zwar sei man dort auf solche Räder nicht eingestellt, doch alle waren sehr hilfsbereit und es gelang, den Reifen zu flicken.

Viel positive und einige neue Eindrücke hat Claudius Maintz auf seiner Tour gesammelt. „Ich habe noch nie gesehen, dass es Leute gibt, die Bäume mit Schals umwickeln“, wundert er sich. Mit vielen Menschen ist er ins Gespräch gekommen. Auch auf Twitter wird die Aktion mit großem Interesse verfolgt. „Die Leute fahren darauf ab“, freut sich Maintz. „Sonntag will ich in Hamburg ankommen. Ich hoffe, dass nichts mehr schief geht.“

ahk

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