Am 29. Dezember 1913 bekam der Flecken elektrischen Strom

Vor 100 Jahren ging den Langwedelern ein Licht auf

Vor 100 Jahren kam der Strom mit oberirdischen Leitungen ins Haus. Die entsprechenden Abnahmepunkte lassen sich auch an alten Häusern nur noch selten entdecken – wie hier am ehemaligen Küsterhaus in Daverden. ·
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Vor 100 Jahren kam der Strom mit oberirdischen Leitungen ins Haus. Die entsprechenden Abnahmepunkte lassen sich auch an alten Häusern nur noch selten entdecken – wie hier am ehemaligen Küsterhaus in Daverden. ·

Langwedel - Von Harald GerkenLangwedel war durch die Inbetriebnahme der Eisenbahn Bremen – Wunstorf 1847 mitten in der aufkommenden Industrialisierung bereits erheblich aufgewertet worden. Die Bahn hatte selber Arbeitsplätze gebracht und konnte die in Bremen Arbeit findende Bevölkerung dort hinbringen, aber auch die Produkte der Heimat aus den zahlreichen Ziegeleien und aus der Landwirtschaft schnell und sicher in die nahe Hansestadt schaffen.

Alles, was die Heimat produzierte, entstand ausschließlich unter Einsatz enormer Muskelkraft bei Mensch und Tier (Pferde), und bis elektrische Maschinen eingesetzt werden konnten, sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen.

Aber am 29. Dezember 1913 wurden die Weichen gestellt für den „Gehilfen Elektrizität“. An jenem Tag wurde Langwedel an das neue Stromnetz angeschlossen. Diesen Riesenschritt hielt auch der Daverdener Pastor Willenbrock in seiner Chronik von 1959 für erwähnenswert. Dort schrieb er zu dem nunmehr 100 Jahre zurückliegenden Ereignis: „Nach Herstellung des Weserwehres und Anlage eines Elektrizitätswerkes bei Dörverden erhält der Flecken Langwedel von dort elektrischen Strom zu Licht-und Kraftanlagen. Am 29.12.1913 wird der Ort an das Stromnetz angeschlossen. Die früher aufgestellten Petroleumlampen, die bisher die Straßen Langwedels beleuchteten, werden durch 25 elektrische Lampen ersetzt.“

Dazu könnte man anmerken, dass Daverden erst 40 Jahre später, nach dem Zweiten Weltkrieg Straßenlaternen bekam. Völlig hinter dem elektrischen Mond waren die Daverdener aber nicht. Am 1. Juli 1914 ging auch in der damaligen Gemeinde Daverden der elektrische Strom an.

Zur Herkunft der elektrischen Energie muss hier eine kleine Korrektur angebracht werde. Es waren nämlich damals nicht die Turbinen des noch im Bau befindlichen Flusskraftwerkes der Staustufe Dörverden, sondern das Dampfkraftwerk in Dörverden, das zunächst dem Betrieb der Pumpen für die Schachtschleuse in Minden diente. Bekanntlich überquert der Mittellandkanal bei Minden die Weser, und die Binnenschiffe müssen jeweils den Wechsel von der einen Wasserstraße auf die andere in der zugehörigen Schachtschleuse vollziehen. Hierzu müssen Pumpanlagen einen Höhenunterschied von bis zu 14 Metern herstellen. Da das Dampfkraftwerk mit seiner Leistung von knapp 1 MW eher fertiggestellt war als der zeitaufwendige Bau der Staustufe mit Kanal und Schleuse, wurde das Langwedeler Stromnetz am besagten Tag zunächst noch vom Dampfkraftwerk versorgt. Ein halbes Jahr später war das Flusskraftwerk auch fertig und konnte dann neben den Mittellandkanal-Pumpen die Versorgung der inzwischen wartenden weiteren Abnehmer - darunter auch Daverden - und des „Großabnehmers“ Eisenbahnausbesserungswerk herstellen.

Seither produzierten die Turbinen im „Laufwasserkraftwerk Dörverden“ elektrischen Strom und wurden dabei von dem weiterhin arbeitenden Dampfkraftwerk

Seit 60 Jahren

erneuerbare Energie

unterstützt. Die beiden Kraftwerke zusammen konnten dann auch alle privaten Abnehmer zwischen Mittelandkanal und Eisenbahnausbesserungswerk versorgen, obwohl die Gesamtleistung nur rund 5 MW betrug, vergleichbar mit der heutigen Leistung zweier Windkraftanlagen, die uns fast überall umgeben.

Man muss natürlich bedenken, dass anno 1913 die Ansprüche pro Haus mit nur wenigen 15- oder 25- Watt- Glühlampen noch sehr niedrig waren. Maschinen oder Haushaltsgeräte wurden zunächst noch so gut wie gar nicht betrieben.

Das sieht heute natürlich völlig anders aus. Die sechs Weserkraftwerke zwischen Petershagen (bei Minden) und Daverden/Intschede (offiziell Langwedel) leisten zwar zusammen 22 MW, liegen aber mit etlichen Gas- und Kohlekraftwerken im Verbund, damit wir gut und auch ziemlich sicher versorgt sind.

Die sechs Wasserkraftwerke (in Fließrichtung weserabwärts) Petershagen, Schlüsselburg, Landesbergen, Drakenburg, Dörverden und Daverden/Intschede produzieren jährlich 166 Millionen kWh (Kilowattstunden), womit sie mehr als 40 000 Durchschnittshaushalte versorgen könnten. Auf dem zugehörigen Teilabschnitt hat die Weser 140 Meter Gefälle, am wenigsten auf der letzten Etappe zwischen Dörverden und Daverden. Dafür hat sie hier dann aber den größten Wasserdurchfluss, wozu die Aller natürlich gehörig beiträgt.

Außer Dörverden wurden alle anderen Staustufen in dieser Kraftwerkskette erst nach 1950 gebaut, wie auch Daverden/Intschede, das mit der Leistung von 7,2 MW mehr als doppelt so stark ist wie das obere in Petershagen mit 3,3 MW.

Weil der Wasserstrom erst aufgestaut werden muss, ehe er auf die Turbinen stürzt, wird der Schiffsverkehr jeweils nicht im ursprünglichen Flussbett geführt, sondern durch einen Umgehungskanal, der gleichzeitig einen ehemaligen Weserbogen abschneidet und (durch eine Schleuse zwar) den Weg für die Binnenschiffe auf der Weser verkürzt.

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