Riesiger Haufen Kartoffeln vor dem Hochsitz / Bußgelder

Jäger lockt Wild vor seine Flinte

Reichlich leckere Kartoffeln – in treffsicherer Entfernung zum Hochsitz.

Verden-Walle - (wb) · Seit mehreren Jahren wird immer wieder in der Waller Gemeindejagd das Wild mit großen Mengen Kartoffeln vor Hochsitze gelockt. Die VAZ berichtete 2005 erstmalig über die Vorfälle, denen aber offenbar niemand ein Ende setzen kann. Man könne nicht nachweisen, dass auch geschossen worden ist, lautete stets die Erklärung beim Landkreis. Und deshalb werden auch die jüngsten Gesetzesverstöße wieder nur mit einem Bußgeld geahndet.

Über einen zum „Privatweg“ deklarierten Feldweg gelangt man zu einem Futterplatz unweit der von Walle nach Holtum führenden Kreisstraße. Kreisjägermeister Hilmer Kruse bestätigte auf Nachfrage, dass er zusammen mit Hegeringsleiter Sören Reese und einer Mitarbeiterin der Kreisverwaltung bei einer Begehung Anfang Mai Kartoffeln in einer Menge vorgefunden habe „die nicht mehr statthaft ist“. Er schätzte diese auf 150 bis 200 Kilo und wie bei den Fütterungen der vergangenen Jahre lag der Haufen in unmittelbarer Nähe zu einem Hochsitz.

Gerd Depke, stellvertretender Fachdienstleiter beim Landkreis, bestätigte, dass die Kartoffeln von dem in Walle lebenden Pächter ausgebracht worden sind. Es habe ein Gespräch mit dem Jäger gegeben, in dem dieser die Fütterung damit begründete, dass er verwaiste Frischlinge am Leben halten wollte. Diese dürften sich prächtig entwickelt haben, denn am selben Platz wird schon seit Monaten gefüttert und das offenbar in großen Mengen. Nur einen Tag nach der Begehung durch den Kreisjägermeister war eine große Menge Mais nachgelegt worden. Ebenfalls in treffsicherer Entfernung zum Hochsitz.

Nachdem die Fütterungen 2005 bekannt geworden waren, hatte der Landkreis erstmalig ein Bußgeld verhängt. Es soll 1000 Euro betragen haben. Wegen erneuter Fütterungen 2006 sollte der Jagdpächter 2500 Euro zahlen, dagegen legte er jedoch Widerspruch ein und das Amtsgericht Verden musste entscheiden. Die Erklärungen des Jägers, dass es Ablenkfütterungen waren, die er krankheitsbedingt vergessen habe anzumelden, ließ man nicht gelten. Nach dem Urteil zog der Pächter vor das Oberlandesgericht Celle. Wie eine Gerichtssprecherin auf Nachfrage bestätigte, wurde seine Rechtsbeschwerde dort jedoch als unbegründet verworfen.

Dieses Mal habe man den Jagdpächter aufgefordert, die Futterstellen zu beseitigen, erklärte Depke und dem sei er inzwischen auch nachgekommen. Die jagdrechtliche Konsequenz sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

„Die Prüfung, ob es weitere Konsequenzen hat, ist aber noch nicht abgeschlossen“, so Depke. Dies hänge vom weiteren Verhalten des Jagdpächters ab, bei dem auch die Frage der „Zuverlässigkeit“ eine Rolle spiele. Nach fünf Jahren immer neuer Berichterstattungen über unerlaubte Fütterungen, stets in direkter Nähe zu Hochsitzen, erscheint nur eins zuverlässig: dass weiter gefüttert wird.

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