Von weißen Mäusen, Kragenbären, Wildschweinen und einer Kindereisenbahn

Innerhalb einer Woche war der Tiergarten Geschichte

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Nur noch auf Schwarz-Weiß-Postkarten und in Erinnerungen zu finden: der Tiergarten Daverden.

Daverden - „Hm. Ja. Ich werde schon mal öfter von jungen Leuten danach gefragt“, meint Wolfgang Gründler. Unter dem großen Schnäutzer gehen die Mundwinkel aufwärts, oben drüber blitzen die Augen. Wie bitte? Junge Leute? Die kleine Eisenbahn und den Tiergarten Daverden gibt es doch bestimmt schon, na, Jahrzehnte nicht mehr. Die „jungen Leute“ müssten also heute 40, eher 50 Jahre alt sein. „Stimmt. Aber ich werde schließlich 80“, meint Gründler.

Die Familie Gründler führte früher das „Waldschlößchen“ in Daverden. Nachzulesen ist das unter anderem in der Chronik für die Ortschaft Daverden.

Die Kindereisenbahn und der Tiergarten sind längst Geschichte, das „Waldschlößchen“ betreibt mittlerweile Fidel Uyar.

Dass Wolfgang und Ursula Gründler Ende der 50-er Jahre hinter dem Traditionsgasthaus einen immer größer werdenden Tiergarten aufbauten, hat mehrere Gründe. „Ich hatte ja schon als Kind Geflügel“, so Gründler. Und dann kam da immer ein Gast aus Bremen. Mit dem kam man so ins Gespräch über dies und das im allgemeinen und Tiere im besonderen. „Schließlich haben wir die erste Voliere gebaut.“ Der Bremer steuerte Fasanen als Geschenk bei. Das war 1958.

Na, ja. 1960 eröffnete ein Kaufmann aus Bremen im Schlosspark Etelsen einen Tierpark. Der machte zwar schon 1965 aus finanziellen Gründen dicht – aber bei Wolfgang Gründler war als rührigem Gastronomen das Konkurrenzdenken auf den Plan gerückt.

Schließlich hatte zu Beginn der 60-er Jahre längst nicht jeder ein Auto, das „Waldschlößchen“ lag und liegt zwischen Cluvenhagen und Daverden eben am Wald und nicht mitten im Ort, war daher schon immer ein Ausflugsziel. Da musste und wollte man den Gästen etwas bieten. Den Tiergarten zum Beispiel.

„Von der weißen Maus bis zum Kragenbären hatten wir alles. Hirsche, Affen, Füchse, Dachse, buntes Ziergeflügel. Zum Schluss nur noch Wildschweine.“

Mit dem Tiergarten war so Ende der 60-er Schluss. „Es gab Leute, denen hat das nicht gefallen“, grummelt Gründler. Selbst ernannte Tierschützer, Typ „Feine Dame mit Dackel im Mantel im Sommer bei 30 Grad“, seien das gewesen. Am Ende stand immer wieder der Amtstierarzt auf der Matte, der habe aber nie etwas gefunden. „War ja auch alles ordnungsgemäß.“

Aber schließlich hat Gründler die Faxen dicke, hatte keine Lust mehr und hing ein Schild auf: „Tierpark ab sofort geschlossen“.

„Innerhalb einer Woche war alles weg. Bis auf die Hirsche. Die Zwergziegen gingen sogar nach Kopenhagen.“ Wo einmal der Tierpark war, ist heute ein Obstgarten.

Auch die Eisenbahn ist schon lange weg. So um 1965 herum hatte Wolfgang Gründler die Bahn angeschafft. Die Strecke hinter dem „Waldschlößchen“ war von ihm selbst verlegt worden. Alte Bahnschwellen hatte er besorgt und Lorenschienen aus dem Moor aufgekauft. „Wir haben das hingekriegt. Vorher hatten mich alle für verrückt erklärt. Aber die Bahn hat ihr Geld wieder reingefahren.“

Schließlich liebten die Kinder die Bahn und wollten gerne wieder fahren. „Und wenn ich die Kinder hatte, dann hatte ich auch die Eltern und Großeltern am Wochenende zum Kaffeetrinken.“

Nachdem die Bahn stillgelegt worden war, wurden die Lok und die Waggons auf dem hinteren Teil des Geländes, nah am Wald, eingelagert. Eines Tages war die schwere Lok weg. Geklaut. „Die Wagen sind erst vor ein paar Jahren auf dem Schrott gelandet.“

Den Tiergarten und die Daverdener Kindereisenbahn gibt es nur noch in der Erinnerung „junger Leute“ so um die 50 (und älterer Herrschaften natürlich auch).

Märchenfiguren haben hinter dem „Waldschlößchen“ übrigens nie gestanden. Auch wenn sich daran der eine oder andere noch zu erinnern glaubt.

„Nee. Haben wir nie gehabt.“ Aber ein paar hundert Meter weiter in Richtung Daverden, „da hatte mal einer Rotkäppchen und den Wolf als Figuren vor sein Haus gestellt“. · jw

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