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Nordbrücke in Verden: Sie wird teurer

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Von: Heinrich Kracke

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Aus der Vogelperspektive: Die Allerbrücke mit Baustelle in Verden
Die neue Allerbrücke gewinnt Konturen. Auf der Hönischer Seite (rechts im Bild) sind bereits die Zufahrtsrampen zu sehen, auf der Verdener Seite beginnen die Vorarbeiten fürs Regenrückhaltebecken, auf der Allerinsel sind die Gründungen für drei Brückenpfeiler in vollem Gange. © Heinrich Kracke

Engpässe beim Material, eine unklare Gefährdungslage auf Allerinsel - die neue Nordbrücke in Verden geht ins Geld. 34 Millionen Euro sollte das Bauwerk kosten...das wird wohl nicht reichen...

Verden – Die Tinte unter den Bauaufträgen ist seit Monaten trocken, die Preise längst ausgehandelt, aber jetzt kommt doch Sand ins Getriebe beim Neubau der Verdener Nordbrücke. „Es bleibt nicht bei den bisher kalkulierten 34 Millionen Euro. Sie wird teurer“, bestätigt auf Nachfrage Adrian Andritzki aus der zuständigen Straßenbaubehörde Verden. Gleichzeitig gestalten sich die Arbeiten um ein Bergen möglicherweise explosiver Metallgegenstände auf der Allerinsel schwieriger als erwartet. Andererseits konnten bereits erste Bauabschnitte erfolgreich abgeschlossen werden.

Neue Nordbrücke in Verden: Die Firmen klagen über Material-Knappheit

Auf der Großbaustelle mit fast einem Kilometer Länge sind dieser Tage mal wieder mächtige Spundwände angekommen. In den Boden gerammt werden sie, zu sehen ist später nicht mehr viel von ihnen. Dafür verursachen sie jetzt Emsigkeit hinter den Kulissen. „Die Firmen klagen über Material-Knappheit“, deutet Andritzki an. Klartext: Kalkulierte Preise gelten nicht mehr, nur wer bereit ist, tiefer in die Tasche zu greifen, kann überhaupt noch mit vorfahrenden Transportern rechnen. Und schon beginnen die Unklarheiten. Haben die beauftragten Firmen die Mehrkosten zu tragen, oder handelt es sich hier bereits um höhere Gewalt, um unvorhersehbare Ereignisse, die natürlich ebenfalls Bestandteil der Verträge sind. „Zur Klärung befinden wir uns im ständigen Austausch mit dem Bundesverkehrsministerium“, sagt Andritzki.

Neubau Nordbrücke in Verden: Tief im Boden liegt die mögliche Gefahr

Zum Klären einer zweiten Unwägbarkeit muss er nicht den Kontakt mit den Behörden in Bonn oder Berlin suchen, es genügt eine kurze Tour auf die Insel zwischen Hauptstrom und Alter Aller. Tief im Boden liegt sie, die Gefahr, die bisher noch nicht genauer unter die Lupe genommen werden konnte. Bei ersten groben Sondierungen hatte eine Spezialfirma wie berichtet einen metallischen Gegenstand im Bereich eines der drei kommenden Brückenpfeiler auf der Insel festgestellt. Die Straßenbaubehörde zog daraufhin Spezialisten für Kampfmittel-Sondierung und -Bergung hinzu. „Genauso möglich allerdings auch, dass es sich vielleicht um ein altes Fahrrad oder eine Erzlinie handelt“, so Andritzki.

Noch ein Zeitdruck beim Neubau der Nordbrücke in Verden

Klarheit hätte schon der Beginn der Bauarbeiten nach Fertigstellung der Baustraße bringen sollen. Doch die Hoffnung, mit schwererem Gerät näher an die Bedrohung heranzukommen, zerschlug sich. „Eindringendes Wasser macht‘s unmöglich.“ Deshalb warte man jetzt den nächsten Baufortschritt ab. „Die eingezogenen Spundwände werden mit einer sogenannten HDI-Dichtsohle verschlossen. Das bedeutet, es wird flüssiger Zement seitlich von unten hereingepresst. So entsteht ein fester Untergrund. Anschließend kann der Boden aus dem abgeschlossenen Bereich entnommen werden, ohne dass Wasser in die Baustelle eindringt.“ Auf diese Weise könne man sich behutsam dem Gefahrenbereich nähern und gegebenenfalls nächste Maßnahmen ergreifen. „Anschließend können die Brückenpfeiler errichtet werden“, so Andritzki.

Unter Zeitdruck geraten die Brückenbauer noch nicht. Ursache ist das Hochwasser, das in diesem Jahr fast ganz ausblieb. In den Monaten zwischen Oktober und Februar war man in ursprünglichen Plänen auf überflutete Allerwiesen eingestellt. „Jetzt herrschte ein vierwöchiger Baustopp.“ Man habe die Baustelle bei steigenden Pegeln gesichert, anschließend habe man warten müssen, ehe sich das kühle Nass vom Grün der Wiesen verabschiedet hatte. „Einige geringe Schäden, die schnell repariert waren, das sind die einzigen Folgen.“

Nordbrücke über die Aller: Neue Zufahrtsrampe in Ansätzen erkennbar

Gleichzeitig laufen die Arbeiten auf den beiden Anfahrten der Brücke planmäßig. Auf Hönischer Seite ist bereits die neue Zufahrtsrampe in Ansätzen erkennbar. Auf der Verdener Seite konnte die Arbeitsebene, die zum Herstellen der Trägerwände diente, schon zurückgebaut werden. Hier entsteht als nächstes das riesige Regenrückhaltebecken, in dem das Niederschlagswasser vorgeklärt wird, ehe es in die Aller fließt.

Der Tiefbau solle kurz vor Weihnachten nächsten Jahres abgeschlossen sein, die Überbaumontage im März übernächsten Jahres, ehe die Stahlbetonarbeiten und der Straßenbau auf dem neuen Überbau bis März 2024 andauern. Anschließend könne der Verkehr fließen. Das Altbauwerk solle schließlich bis Weihnachten 2024 demontiert sein.

Das Altbauwerk über die Aller in Verden soll bis Weihnachten 2024 demontiert sein

Berufspendler und Co, insgesamt 15 000 und mehr Fahrzeuge pro Tag, müssen sich indes nicht auf epochale Staus einstellen. Der Neubau wird smart auf der nördlichen Seite in einem Abstand von 15 bis 30 Meter um die alte Brücke herumgeführt, ehe sich die kommende Trasse an der Hutberger Kurve und am Nordertorkreisel wieder in die Bundesstraße 215 einfädeln. Aufgrund der Verkehrsbedeutung der B 215 und fehlender Alternativrouten werde die Fahrbahn in einer Breite von 8,70 Metern hergestellt, damit sei bei Instandsetzungsarbeiten eine einstreifige Verkehrsführung auch für Lkw möglich. Beidseitig werde ein gemeinsamer Geh- und Radweg in einer Breite von 2,50 Metern angelegt.

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