Bischoffs gehen in Rente – und Cluvenhagens letztes Gasthaus ist zu

„Ich würde nie was anderes machen…“

Jede Menge Zeit haben Christa und Hans Bischoff in den vergangenen 42 Jahren in ihrer Gaststube verbracht. Seit heute ist damit Schluss,Cluvenhagens letztes Gasthaus hat geschlossen. ·
+
Jede Menge Zeit haben Christa und Hans Bischoff in den vergangenen 42 Jahren in ihrer Gaststube verbracht. Seit heute ist damit Schluss,Cluvenhagens letztes Gasthaus hat geschlossen. ·

Cluvenhagen - Von Jens WenckAb heute, mit Wirkung vom 1. Februar, ist Schluss. Über 100 Jahre hat die Familie Bischoff in Cluvenhagen ihr Gasthaus betrieben. Christa und Hans Bischoff standen seit 1972 eigenverantwortlich hinter dem Tresen und in der Küche. Im Rentenalter sind sie beide. „Irgendwann muss man mal aufhören“, sagt Hans Bischoff. „Sonst steht man noch bis 80 da. Und das will ich auch nicht.“ Darum ist seit heute Cluvenhagens letztes Gasthaus zu.

Ganz früher gab das mal vier Gaststätten in Cluvenhagen. Eine kleine in Lindholz, eine am Kanal und natürlich die berühmte „Fischerhütte“, erinnert sich Hans Bischoff bei einem Gespräch am vergangenen Mittwoch. „Jetzt sind wir die letzten Überlebenden hier. Nee. Jetzt ja auch nicht mehr.“

Aufgemacht hat Urgroßvater Wilhelm Bischoff das Lokal. 1896 muss das gewesen sein. Weil, da hängt in der Gaststube noch eine alte Urkunde, mit der die Wirtevereinigung im Jahr 1921 zum 25-jährigen Jubiläum gratuliert. „Da war auch vorher schon was. Aber das wusste unsere Mutter noch genauer“, überlegt Bischoff und seine Frau wirft ein: „Auf der anderen Straßenseite war eine Zollstation und hier ein Pferdeausspann.“ Ganz zu Beginn hatten die Bischoffs noch richtig Landwirtschaft und nebenbei das Gasthaus. Im Laufe der Zeit verschob sich die Gewichtung.

Wann genau die Landwirtschaft aufgegeben wurde, weiß Hans Bischoff nicht mehr so genau. „Ich war ein Piefke. So groß“, sagt er und hält die Hand knapp über die Tischkante.

Während seine Eltern Johann und Lotte sich ums Gasthaus kümmerten, ging Hans Bischoff in die Lehre: „In Bremen am Flughafen, als Kellner.“ Christa Bischoff wohnte in Bremen… „und ich hab Tankwart gelernt.“ Aber die Begeisterung für die Gastronomie war auch bei ihr da.

Und man wollte als junger Mensch ja Erfahrungen sammeln. „Ich hab drei Jahre in Bremen im „Hotel zur Post“ als Bedienung und am Buffet gearbeitet“, so Christa Bischoff schon mit ein bisschen Stolz, wie es scheint. Mit Recht. Das „Hotel zur Post“ gehörte und gehört in Bremen zu den ersten Adressen. Das Paar sammelte im Harz Erfahrungen und kam Anfang der 70-er nach Cluvenhagen zurück, um 1972 den elterlichen Betrieb ganz zu übernehmen.

Eine Kegelbahn wurde gebaut. „Turnverein, Feuerwehr, VdK, quasi alle Vereine waren hier.“ Der Schützenverein hat sogar früher im Saal des Gasthauses geschossen. Bis man sein eigenes Schützenhaus baute.

Das Gasthaus Bischoff blieb das Vereinslokal der Schützen – aber der Lauf der Zeit ging auch an Cluvenhagen nicht vorbei. „Von einer Gaststube allein kann schon lange keiner mehr leben.“

Aber da waren noch die Kegelvereine – die jetzt mit den Jahren auch immer weniger werden. Und natürlich die Feierlichkeiten auf dem Saal. Freizeit bleibt einem Wirtspaar da eher wenig. Der einzige freie Wochentag, den die Bischoffs in den letzten Jahrzehnten hatten, war der Dienstag. „Es sei denn, es waren Beerdigungen. Oder Silberhochzeiten, die wurden auch viel an Dienstagen gefeiert.“

Trotz der wenigen Freizeit, die Entscheidung fürs Leben und Arbeiten in der Gastronomie haben sie nie bereut. „Früher habe ich immer gesagt, ich würde nie was anderes machen…“, sagt Hans Bischoff. Aber der Menschen wird älter. Für die beiden Söhne kam eine Übernahme des Gasthauses nicht in Frage. Der eine ist Elektriker, der andere hat zwar Koch gelernt – aber noch ein Sozialpädagogik und ein Medizinstudium drauf gepackt und ist heute Arzt.

Das alte Gasthaus mit Saal, Clubraum, Jagdzimmer und oben drüber zwei Wohnungen wollen Bischoffs sie gern verkaufen. Den Saal kann man noch für Feiern mieten, solange nicht verkauft ist.

Im großen Garten hat man sich ein neues Haus gebaut, das ist fast fertig.

„So. Wollen mal gucken wann sie kommen.“ An seinem letzten Mittwoch als Wirt rechnet Hans Bischoff mit Stammgästen die immer am Mittwoch zum Dämmerschoppen kommen. Am gestrigen Donnerstagabend werden wohl auch noch ein paar Leute da gewesen sein. Eine offizielle Abschiedsfeier soll noch folgen. Der Termin steht aber noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Meistgelesene Artikel

Mattfeldt knapp im Bundestag: 1702 Stimmen vor SPD-Kandidat Michael Harjes

Mattfeldt knapp im Bundestag: 1702 Stimmen vor SPD-Kandidat Michael Harjes

Mattfeldt knapp im Bundestag: 1702 Stimmen vor SPD-Kandidat Michael Harjes
Ditzfeld behält Chefposten im Achimer Rathaus

Ditzfeld behält Chefposten im Achimer Rathaus

Ditzfeld behält Chefposten im Achimer Rathaus
Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus

Strahlen-Alarm in Verden: Pinkel-Pause löst Großeinsatz aus
Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Burger King in Verden öffnet und sucht noch Verstärkung

Kommentare