Prozess um Raubüberfälle in Verden und Nienburg: Mitarbeiterinnen sagten unter Tränen aus

„Ich kannte ihn als einen netten Jungen“

Verden - (wb) · In dem Prozess um den Raubüberfall auf einen Verdener Wertstoffbetrieb sowie auf zwei Spielhallen und eine Tankstelle in Nienburg wurden am Freitag die überfallenen Mitarbeiterinnen gehört. Alle leiden noch immer unter den inzwischen anderthalb Jahre zurückliegenden Taten. Zwei 23 und 29 Jahre alte Männer aus Nienburg müssen sich dafür vor dem Landgericht Verden verantworten.

„Ich musste mich auf den Fußboden legen, da dachte ich ...“, dann versagte einer Zeugin die Stimme. „Sie hatten Todesangst?“, fragte der Vorsitzende Richter behutsam nach. Noch einmal versuchte sie es auszusprechen, doch sie schaffte es nicht. Die dreifache Mutter nickte nur und wischte sich die Tränen aus den Augen.

Drei der vier überfallenen Frauen wurden mit einer echt aussehenden Spielzeugpistole bedroht, bei einer Tat verliehen die beiden Angeklagten ihrer Forderung mit einem 30 Zentimeter langen Messer Nachdruck.

Die beide Männer haben die Taten gestanden. Laut Anklage erbeuteten sie insgesamt rund 20 000 Euro.

Eine 51 Jahre alte Tankstellenmitarbeiterin sagte, dass sie geschrieen habe, als der ältere Angeklagte sie am Hals fest umklammerte. „Es tat so weh, ich bekam keine Luft mehr“, so die Zeugin. „Dann schlugen sie mich. Warum habt ihr das getan?“, wandte sie sich mit aufgeregter Stimme direkt an die Angeklagten. Die Verletzungen waren leicht, die Folgen für die Seele groß. Alle Frauen sprachen von Schlafstörungen, können das Erlebte nicht vergessen. Die Staatsanwältin bot an, die Opferhilfe einzuschalten.

Bei der Mitarbeiterin des Verdener Wertstoffbetriebes dauerte es eine ganze Weile, bis sie im Zeugenstand überhaupt ein Wort herausbekam. „Ich saß im Büro. Die Türen standen offen, weil es so ein warmer Tag war“, schilderte sie dann. Sie sei in ihre Arbeit vertieft gewesen und habe zunächst nichts bemerkt. „Dann nahm ich plötzlich etwas Helles neben mir war.“ Der Angeklagte sei weiß gekleidet gewesen und habe eine schwarze Maske getragen. Aufgeregt und unter Tränen schilderte die Frau, wie er von ihr das Geld forderte und kurz darauf mit 10 000 Euro Beute flüchtete. Draußen habe sich hinter Büschen der Komplize versteckt. Noch am gleichen Tag wurden die Angeklagten gefasst. Der 23-Jährige befindet sich seit diesem 6. August 2008 in Haft.

Beide Angeklagten entschuldigten sich bei den Frauen. „Ich weiß, dass ich Lebensgeschichten zerstört habe“, hatte der 29-Jährige bei seinem Geständnis an einem der vorherigen Verhandlungstage gesagt. Die direkt ausgesprochenen Entschuldigungen an die Frauen wirkten dann etwas unbeholfen, aber ehrlich gemeint. „Von dir hätte ich das nie gedacht“, so eine Spielhallenmitarbeiterin zu dem 23-Jährigen. „Wenn er bei uns war, hat er immer gelächelt. Ich kannte ihn als netten Jungen.“

Am heutigen Dienstag wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen zwei Sachverständige ihre Gutachten abgeben.

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