Umweltausschuss des Landkreises für Verbot von Gentechnik in Schutzgebieten

„Hot Spot“ vor der Haustür

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Die Wümmeniederung weist eine Mischform von Schutzgebieten auf. Seit Jahren hat sich dort vieles verbessert. ·

Ottersberg - Die Landschaftsschutzgebiete „Obere Beekeniederung“ und „Wümmeniederung“ haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Wie kann man daraufhin die Schutzbestimmungen anpassen? Und lässt sich der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut durch ein Verbot sinnvoll regulieren? Diese Fragen sorgten im Umweltausschuss des Landkreises Verden für Diskussionen.

Eine einstweilige Sicherstellung aus dem Jahr 2009 sollte gewährleisten, dass kein Grünland mehr zusätzlich in Ackerland umgewandelt wird. In der Zwischenzeit hat sich der Zustand der Gebiete aber dermaßen verschlechtert, dass eine neue Verordnung her muss. Sonst ließe sich der hoch angesetzte Schutz nicht mehr rechtfertigen.

Zum Vergleich: Während in der „Oberen Beekeniederung“ 1993 noch rund 335 Hektar der Flächen als Grünlandflächen bewirtschaftet wurden, waren dies 2010 nur noch 223 Hektar. Der Umfang der Ackerflächen ist im gleichen Zeitraum von 22 auf 124 Hektar angestiegen.

Aus einem Naturschutzgebeit und einem Landschaftsschutzgebiet setzt sich die insgesamt 3392 Hektar große „Wümmeniederung“ zusammen. Als einer der weltweiten „Hot Spots“ weist die Landschaft einige positive Entwicklungen auf, etwa die Wiederansiedlung der Kiebitze und eine vergrößerte Artenvielfalt, wie Thomas Arkenau von der Naturschutzbehörde des Landes Verden ausführte. Doch die Entwicklung verlaufe nicht nur positiv: Arten wie der Brachvogel und die Uferschnepfe seien dort seit Jahren nicht mehr gesichtet worden.

Ergänzend zur neuen Verordnung stellte die SPD-Fraktion, vertreten durch Katja Starke-Heinbokel, einen Antrag auf Verbot gentechnischer Veränderung von Saat- und Pflanzgut in den beiden Gebieten.

Rückendeckung erhielt sie dabei von Petra Krüler (Bündnis 90/Die Grünen). Wie Studien bestätigten, habe gentechnische Aussaat unkontrollierbare Folgen. So würden sich Kreuzblütler wie der Raps stark verbreiten.

Genmanipulierter Raps bringe aber resistente Unkräuter hervor, die dann wiederum mit aggressiven Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssten, so Krülers Argumentation. Auch wenn man mit diesen „Chemie-Keulen“ das Unkraut in den Griff bekomme, werde die umliegende Natur geschädigt.

Ein weiteres Argument war bereits zu Beginn der Sitzung in der Bürgerfragestunde gefallen. Ein Mitglied des Arbeitskreises für gentechnikfreie Lebensmittel wies darauf hin, dass in der Beekeniederung zwei Demeter-Höfe ansässig sind. Durch Gen-Saat würde die Wirtschaftsweise der Bio-Bauern gefährdet.

Silke Brünn von der Naturschutzbehörde des Landkreises Verden betonte, dass ein Verbot nicht leicht werde. „Es gibt keine Verordnung in Niedersachsen, wo dieses Verbot pauschal drin ist.“ Vorsitzender Erich von Hofe wendete ein, dass in einem Landkreis in Rheinland-Pfalz solch ein pauschales Verbot von Genpflanzen existiere.

Petra Krüler schlug vor, das Gebiet auf gefährdete Arten hin konkret zu prüfen, um eine bessere Rechtsgrundlage zu schaffen.

Die CDU-Kreistagsfraktion verhielt sich mit einer Zustimmung, einer Enthaltung und einer Nein-Stimme gespalten. „Das Problem ist, wenn wir es jetzt verbieten, können wir nicht absehen wohin es geht. Vielleicht haben wir in zehn Jahren ganz andere Vor aussetzungen“, sagte Axel Rott.

Die endgültige Abstimmung lief einstimmig auf eine Verbotsempfehlung hinaus. Die Verwaltung kündigte unterdessen an, den Verbotsantrag auf Rechtssicherheit hin zu überprüfen. · ldu

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