Ehemaliger Verdener in Abwesenheit mit Verdienstmedaille ausgezeichnet / Film von der Zeremonie

Höchste Ehrung für Uri Bustan

Verden - (kle) · Die Verständigung zwischen den ehemaligen jüdischen Bürgern und den Verdenern von heute habe Uri Bustan mit seinen Lebensberichten gefördert. Damit und als Sprecher einer jüdischen Gästegruppe bei Begegnungen in den 80er und 90er Jahren habe sich der gebürtige Verdener besondere Verdienste um die Stadt erworben, listete Bürgermeister Lutz Brockmann auf. Der heute fast 90-Jährige erhielt dafür die Verdienstmedaille der Stadt.

Selbst war Uri Bustan zur Feierstunde im Verdener Rathaus nicht erschienen. Der betagte Mann hatte sich die Strapazen der Reise von Israel an die Aller nicht zugetraut. Dafür war sein in der Nähe Verdens lebender Enkel Eres Tal der Einladung gefolgt und nahm die höchste Auszeichnung der Stadt an dessen Stelle entgegen. Die Zeremonie wurde auf Video aufgezeichnet und so soll Uri Bustan nachträglich Zeuge seiner Ehrung werden können.

Diese besondere Form der Würdigung bot dann noch Gelegenheit, dass einige Verdener Bustan Grüße und Botschaften in die Kamera sprechen konnten.

Als Werner Baumgarten war der Geehrte 1920 in Verden geboren worden und aufgewachsen. Seine Eltern, Agathe und Arnold Baumgarten, hatten in der Großen Straße zunächst einen Tabakladen und später ein Textilgeschäft. Kurz vor den Ausschreitungen in der Reichsprogromnacht floh der heranwachsende Domgymnasiast mit seinem Bruder vor der Nazi-Verfolgung, emigrierte nach Palästina und änderte seinen Namen in Uri Bustan.

Die Eltern, so berichtete Lutz Brockmann, und andere Verwandte, die zurückgeblieben waren, seien nach Minsk deportiert und dort ermordet worden. Der Initiative von Jürgen Weidemann sei es 1982 zu verdanken gewesen, dass Bustan nach 44 Jahren wieder deutschen Boden betreten und seine Geburtsstadt besucht hat.

Weitere Besuche gemeinsam mit anderen ehemaligen jüdischen Bürgern der Stadt folgten dann 1989, 1993 und 1997. Bei diesen Besuchen habe sich Bustan neben dem inzwischen verstorbenen Harald Hans Löwenstein als Sprecher der Gästegruppe Verdienste erworben, betonte der Bürgermeister. Seine Gespräche mit jungen Menschen in Verdener Schulen hätten darüber hinaus geholfen, die Ereignisse unter der Nazi-Diktatur lebendig werden zu lassen.

Diese Aufarbeitung des dunklen Kapitels, dass die Nazis in Verdens Stadtgeschichte geschrieben haben, stellte Brockmann in eine Reihe mit den Aktionen gegen rechtsextreme Bestrebungen in der Stadt wie „Verden ist bunt“, die „Stadthalle für alle“ und die Stolpersteine in der Innenstadt, die aktives Bürgerengagement in Verden bewiesen. Der amtierende Rat der Stadt jedenfalls habe nahezu einstimmig für die Ehrung Bustans gestimmt. Nur der eine „Nazi“ in dem Gremium natürlich nicht.

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