Badener Grundstückseigner schafft Platz für privates Wohnhaus / Bauwerk nicht denkmalgeschützt

Historische Mühle verschwindet

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Mit dem Bagger wird das Gelände am Sonnenhang derzeit bearbeitet. Nur die Tafel zeugt noch davon, dass hier mal eine historische Mühle stand. ·

Baden - Von Lisa DuncanEin historisches Bauwerk verschwindet sang- und klanglos aus Baden: Die alte Mühle Am Sonnenberg, Baujahr 1728, gibt es nun nicht mehr. Vor einer Woche rollten dort die Bagger an, um die letzten Reste des Gemäuers abzureißen. Grundstücksinhaber Klaus Meyer (Geschäftsführer der Classic-Tankstelle in Baden) hat vor, dort ein privates Wohnhaus zu bauen.

„Die Mühle war baufällig, darum habe ich sie jetzt komplett abgerissen.“ Dies sei auch deshalb unproblematisch gewesen, weil das Bauwerk, das nur noch aus dem Mühlensockel bestand, nicht unter Denkmalschutz stand. Den Abriss der Ruine plane er schon seit längerem, habe aber zuvor noch die 1000-Jahr-Feier vergangenes Jahr in Baden abwarten wollen.

Meyers Plan: „Ich will da nochmal bauen, aber nicht direkt dort, wo die Mühle stand.“ Der Badener, der die Tankstelle seit 31 Jahren betreibt, hatte das Grundstück noch von seinem Großvater geerbt. Für seinen eigenen Ruhestand möchte er sich dort nun einen altersgerechten Bungalow bauen.

Vergangene Woche standen jedoch noch keine Bauarbeiten an. Das Gelände am Weserhang wurde nur etwas bereinigt. „Die Nachbarn hatten sich schon beschwert, weil alles mit Brombeerbüschen und anderem Gestrüpp bewachsen war.“ Auch einige alte Bäume und die Überreste eines alten Wochenendhauses wurden entfernt. Für den Abriss entschied sich Meyer aber noch aus einem anderen Grund: Oft seien fremde Leute auf das Gelände gekommen. „Und wenn was passiert wäre, hätte ich dafür haften müssen.“

Trotz der recht attraktiven Lage mit Blick auf die Wesermarsch habe er nie daran gedacht, das Gelände zu verkaufen. Auch eine Restaurierung des Gemäuers zog er nicht in Betracht: „Eine Mühle hat ja keinen Wohnwert. Höchstens für Künstler wäre das mal was gewesen.“

Touristisch ist das Bauwerk offenbar weitgehend in Vergessenheit geraten: „Zur Badener Mühle hatte ich nie Anfragen, auch für Führungen nicht“, weiß Gästeführer Manfred Drees, der Besuchern am Tag des offenen Denkmals seit rund zehn Jahren die restaurierte Achimer Mühle zeigt. Die Windmühle in der Nähe des Badener Bahnhofs, deren Mahlwerk sogar noch funktioniert, werde aber hin und wieder von Schulklassen besucht.

Mittlerweile weist nur noch eine Texttafel der Arbeitsgemeinschaft Badener Vereine darauf hin, dass Am Sonnenhang mal eine historische Windmühle gestanden hatte.

Das ursprüngliche Bauwerk befand sich jedoch woanders, wie die Tafel informiert: „Im Jahre 1728 baute der Bauer Heseberg aus dem Bereich Lüneburg auf dem alten Mühlenberg hinter den Häusern der Poststraßensiedlung eine Mühle. Nach langer wechselhafter Besitzergeschichte plante dann im Jahr 1864 der damalige Besitzer Johann Buse seine Mühle mitsamt dem Müllerhaus auf den Sonnenberg zu verlegen. Der Grund war wohl der bessere Wind und die eventuelle Kundschaft aus Hagen-Grinden und Etelsen. Die alte Bockwindmühle wurde auf den neuen Platz versetzt und im Jahr 1873 durch den Neubau eines Gallerieholländers ersetzt. Im Jahr 1903 pachtete der Müller Johann Steinke die Mühle und betrieb sie bis Ende der 1920er Jahre. Weil sich für die Weiterführung niemand fand, endete die lange und bewegte Geschichte der Badener Mühle und sie verfiel so langsam. Seit 1952 zeugt nur noch ein Mauerrest des Mühlensockels von der idyllisch am Weserhang gelegenen Mühle.“

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