In Walle gibt es den Klassenhund Toni

Hilfslehrer auf vier Pfoten

Streicheleinheiten: Toni liebt sie – und auch auf die Kinder wirken sie beruhigend.

Verden-Walle - (nie) · „Hallo, Toni!“, schallt es durch die Flure der Grundschule Walle, wenn die schwarze Labrador-Mischlingshündin schwanzwedelnd das Schulgebäude betritt. Seit fast vier Jahren begleitet sie täglich Lehrerin Juliane Karrasch zur Arbeit, und die Anwesenheit des Tieres wirkte sich positiv auf die Lernatmosphäre und die sozial-emotionale Entwicklung der Klasse 4b aus.

Doch gestern hieß es Abschied nehmen für die Kinder, die nach den Sommerferien weiterführende Schulen besuchen werden.

„Ich werde Toni vermissen“, sagt etwa Jette und ihre Klassenkameraden nicken. „Es war immer besonders schön, wenn Toni in der Klasse war“, bestätigt auch Kai. „Sie konnte einen trösten oder auch richtig lustig sein.“ Ja, auch er werde die Hündin vermissen. „Ich hoffe, die neuen Kinder sind sehr gut zu ihr.“

Hunde sehen mehr als Lehrer und reagieren genauer auf den Seelenzustand eines Menschen, sagen Therapeuten. Bundesweit werden die Hilfslehrer auf vier Pfoten bereits an zahlreichen Schulen eingesetzt. In Walle kommt Toni allerdings nur in der Klasse ihrer Besitzerin zum Einsatz. „Toni ist ein Klassen- und kein Schulhund“, unterstreicht Karrasch, der die Hündin bedingungslos gehorcht.

„Tiergestützte Pädagogik“ nennt der Fachjargon das, was während der gemeinsamen Unterrichtsstunden von Mensch und Hund in der Klasse stattfindet. Und damit das auch funktioniert, haben Hund und Frauchen sich ausbilden lassen. Außerdem hat Toni einen Wesenstest absolviert und mit Bravour bestanden.

Erste positive Erfahrungen mit Vierbeinern an der Schule hat Karrasch als Lehrerin in der Grundschule am Lönsweg gemacht und sich 2004 dann Toni angeschafft. Wie sich ein guter Hund benimmt, hat die Fellnase in der Hundeschule gelernt und im Anschluss daran mit ihrer Besitzerin bei Cánido in Iserlohn die Ausbildung zum Therapiehundeteam absolviert. Seither bereichert Toni den Unterricht in der Grundschule in Walle und nimmt auch an fast allen Klassenunternehmungen teil.

Toni bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Weder ein schreiendes Kind, noch ein umfallender Stuhl. Die Eltern der scheidenden Viertklässler haben dem Einsatz von Toni allesamt zugestimmt. Ebenso das Kollegium und das Reinigungspersonal der Grundschule und erst kürzlich die Eltern der künftigen Abc-Schützen.

Toni nimmt jedes Kind unvoreingenommen an, egal ob schlechter Schüler, Raufbold oder Einzelgänger. Die Kinder spüren, dass der Hund keine besondere Erwartung an sie hat. Karrasch: „Introvertierte, ängstliche Kinder treten häufiger aus ihrer Isolierung heraus, während aktive und reizbare Kinder spürbar ruhiger werden. Der Unterricht wird durch die Anwesenheit des Hundes entspannter und aufmerksamer.“

Auch sei der Pädagoge auf vier Pfoten ein guter Gesprächspartner: „Die Kinder teilen Toni ihre Sorgen und Nöte, ihren Schulfrust mit. Sie hört geduldig zu, nimmt die Stimmung auf, widerspricht nicht und gibt keine ungewollten Ratschläge.“

„Der allgemeine Geräuschpegel der Klasse ist gesunken. Es wird viel ruhiger miteinander umgegangen und Störungen im Unterricht kommen kaum noch vor. Die Kinder sind bemüht Rücksicht auf ihre Toni zu nehmen.“ Eine Rücksicht, die sie gegenüber Lehrern und Mitschülern nicht zwangsläufig mit der gleichen Selbstverständlichkeit aufbrächten.

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