Hanan M. aus dem Jemen hat in Dörverden ein neues Zuhause gefunden

„Man kann wieder träumen“

+
Hanan und ihre Familie im neuen Zuhause (v.l.): Hussain, Hanan, Ilhan und Ifrah.

Dörverden - „Mein Traum ist es eines Tages Model zu werden“, erzählt Hanan mit leuchtenden Augen. Die junge Frau hat ein Ziel vor Augen hat, von dem sie in ihrem ehemaligen Leben nicht hätte träumen können. Hanan und ihre Familie stammen aus Sanaa, der Hauptstadt des Jemen. Einem Land, in dem seit Jahren Bürgerkrieg herrscht. Seit Anfang des Jahres leben sie in Dörverden.

An einem tristen Wintertag kam Hanan mit ihrer Familie an. Wo genau das sein würde, wussten sie nicht, nur, dass es nach Deutschland geht. Die achtköpfige Familie hatte alles hinter sich gelassen, um als Flüchtlinge nach Deutschland einzureisen und ein Leben in Sicherheit zu führen. Schließlich wurde Dörverden ihr Bestimmungsort: „Das Dorf sagte mir bis dahin rein gar nichts“, erinnert sich Hanan.

Die Familie erwartete ein geräumiges Einfamilienhaus, das komplett eingerichtet gewesen ist: „Es war alles da, was man zum Leben benötigt“, erzählt sie. Das sei auch heute noch so, zehn Monate nach der Einreise. Jetzt können ihre Familie und sie wieder träumen, sie wollen ein neues Leben beginnen.

Hanan ist 23 Jahre alt, wirkt aufgeschlossen und unbeschwert. Ihr neues Zuhause liegt in einer ruhigen Wohngegend. Umso auffälliger sind die Laute aus Hanans Heim. Hier herrscht das pure Leben, arabische Musik ertönt aus dem oberen Stockwerk und unten Stimmen in einer Sprache, die dazu passt.

Zwei Frauen aus einem Ort in der Nachbarschaft, die den Schritt nach Deutschland schon vor Jahren gewagt haben, besuchen Familie M., um ihre Erfahrungen mit ihnen zu teilen. Gastgeberin Hanan geht auf den Besuch zu und begrüßt sie in ihrer Muttersprache: „Marhaba“, was soviel heißt wie „Hallo“.

Der Rest der Familie ist nicht weniger neugierig und vor allem gastfreundlich. Jeder kommt, reicht zur Begrüßung die Hand und ein oder zwei Mal hört man ein Hallo. Die deutsche Sprache fällt allen noch schwer. „Die Kontakte fehlen oder, besser gesagt, Freunde“, erklärt Hanan.

Nach der Begrüßung sind alle im Haus. Die beiden Frauen aus dem Irak bleiben vor der Wohnzimmertür stehen, um sich, wie ihre Gastgeberin, die Schuhe auszuziehen. In der Mitte des Raums erwartet sie ein langer Tisch mit Platz für die ganze Großfamilie.

Hanan bietet Saft und Kaffee an, fragt nach Wünschen. Mit einer ihrer kleinen Schwestern eilt sie in die Küche und blitzschnell liegt der starke Kaffeeduft in der Luft. „Das ist toll, wenn Wasser so frisch ist und man es schnell erwärmen kann, ein Luxus“. Im Jemen holte sie das Wasser noch aus einer Quelle. Sie füllt die Tassen mit original arabischem Kaffee und plaudert weiter über ihr Leben im Jemen: „Der Kaffee ist ein Stück Heimat.“

Hanans Gäste loben ihre arabischen Sprachkenntnisse. „Vielen Dank, ich bin bis zur sechsten Klasse in der Schule gewesen, dann musste ich sie abbrechen“, berichtet die 23-Jährige. Sie musste vieles aufgeben, sie erwähnt einen Freund in der alten Heimat, den sie verlassen musste.

Es gab viele Hürden, gerade kämpft sie um das endgültige Aufenthaltsrecht in Deutschland und um ihre Gesundheit. Die junge Frau ist schwer an der Niere erkrankt. Auch das erzählt sie fast beiläufig beim Auftischen der Kekse.

Beim Luftschnappen nach dem Kaffee schaut sie in den bewölkten Himmel. „Das Klima in Deutschland ist ganz anders, als im Jemen. Das war mit die größte Umstellung.“

Wieder im Haus schaltet sie arabische Musik ein. „Ich liebe Musik und tanze gern. Jeden zweiten Montag gehe ich zum Bauchtanz“, erzählt Hanan glücklich. Hier findet sie Anschluss, wenn auch nur langsam, aber wenigstens kommt sie unter Leute und schnappt nebenbei ein bis zwei deutsche Wörter auf.

Falls der Model-Traum sich für Hanan nicht erfüllen sollte, möchte sie als Friseurin arbeiten. „Ich habe bereits mit 16 Jahren in meiner alten Heimat diesen Beruf ausgeübt, das hat mir Spaß gemacht.“

„Ich würde euch jetzt gerne das Haus zeigen, wenn ihr mögt,“ sagt sie, geht ins erste Obergeschoss vor und zeigt ihr Zimmer: „Das teile ich mir mit meinem kleinen Bruder.“ Es gibt noch zwei weitere Zimmer auf der Etage und ein großes Badezimmer. „Das Haus gefällt mir und wir leben hier gerne.“

wll

Das könnte Sie auch interessieren

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

Herbstmarkt in der Syker Innenstadt

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Meistgelesene Artikel

Flüchtling mischt bei der Achimer Feuerwehr mit - doch Abschiebung droht

Flüchtling mischt bei der Achimer Feuerwehr mit - doch Abschiebung droht

Individuell gefertigte Medaille als Lohn für die Anstrengung

Individuell gefertigte Medaille als Lohn für die Anstrengung

Erstes Oldtimer-Pflügen in Hülsen mit 14 alten Schätzchen

Erstes Oldtimer-Pflügen in Hülsen mit 14 alten Schätzchen

Fahrerin verliert Kontrolle: Überholvorgang endet am Baum

Fahrerin verliert Kontrolle: Überholvorgang endet am Baum

Kommentare