Anmeldezahlen sehr unterschiedlich / Debatte um Achimer Schulangebote tobt

Gymnasien und IGS gefragt, Hauptschule kaum noch

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Die Hauptschule (links) und die Realschule (rechts), die räumlich lediglich durch eine Sporthalle (Mitte) voneinander getrennt sind, könnten eine Oberschule bilden. ·

Achim - Von Michael MixLediglich 14 Anmeldungen für den fünften Jahrgang an der Achimer Hauptschule liegen für das im September beginnende neue Schuljahr vor. Das reiche ja kaum für die Bildung nur einer einzigen Klasse aus, zeigte sich der Schulausschuss des Stadtrats am Montag bestürzt. Und sogleich entbrannte eine Debatte um die Zukunft der Schullandschaft vor Ort.

„So wenig Anmeldungen für die Hauptschule gab es noch nie“, stellte Dominik Lerdon, Lehrer dort und Vertreter der Achimer Pädagogen im Ausschuss, entsetzt fest. Noch im Februar hatten nach einer Auflistung der Stadtverwaltung doppelt so viele Eltern ihren Nachwuchs auf diese weiterführende Schule schicken wollen.

Demnach ist auch das Interesse am Besuch der Realschule abgebröckelt. Sollten nach dorthin laut Liste im Februar noch 111 Kinder von den Grundschulen überwechseln, so weisen die vorläufigen Anmeldezahlen mit Stand vorige Woche nur 83 potenzielle neue Fünftklässler an der Realschule aus. „In den letzten Tagen sind kleckerweise noch einige dazu gekommen“, ließ Rektorin Christa Watermann den von Anne Quillfeldt (SPD) geleiteten Ausschuss wissen.

Dafür verzeichnen die Achimer Gymnasien mehr Anmeldungen im Vergleich mit dem im Winter von der Stadt abgefragten Elternwunsch. Beim Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium lauten die Daten 90:75, beim Gymnasium am Markt 63:54.

Den relativ meisten Zulauf hat danach allerdings die mit Beginn des neuen Schuljahres ihren Betrieb aufnehmende Integrierte Gesamtschule (IGS) Oyten. Innerhalb von vier Monaten sind hier die Zahlen von 15 auf 39 Achimer Schülerinnen und Schüler hoch geschnellt.

Die IGS Oyten werde mit sechs Klassen an den Start gehen, sagte Rainer Ditzfeld (CDU) kopfschüttelnd. Dabei habe das Land ursprünglich doch nur eine Fünfzügigkeit genehmigt gehabt.

„Ein Glück“, entgegnete Bernd Junker (SPD), „so können auch Kinder aus Achim die IGS besuchen“. Angesichts des Runs dorthin sei zu befürchten, dass die Gemeinden Oyten und Ottersberg im nächsten Jahr einen Schulbezirk bildeten und damit die Achimer Pennäler außen vor blieben.

Rüdiger Dürr (CDU) machte einen regelrechten „Hype“ um die IGS aus. Viele Eltern glaubten wohl, dass ihr Kind dort das Abitur schaffe. Aber das wird sich nach Meinung von Dürr bald legen. „Die IGS kocht auch nur mit Wasser.“

Mit Junker war sich der Christdemokrat einig, dass die Achimer Schullandschaft zügig entwickelt werden müsse. Er hege immer noch die Hoffnung, dass sich die Realschule und die Hauptschule zu einer Oberschule zusammenschließen.

Beides seien „gut funktionierende Schulen“, erwiderte Lehrervertreter Lerdon. Die Kommunalpolitiker, fügte Lerdon an, hätten genug Informationen aus den Lehrkörpern erhalten, um jetzt Entscheidungen treffen zu können.

Dürr sah das anders. Aus den Schulen müssten „klare Signale“ für den Stadtrat kommen, wohin die Reise gehen solle. In der mit Vertretern aus den Fraktionen, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Repräsentanten der Schulen, auch Eltern, besetzten Arbeitsgemeinschaft (AG) zur Entwicklung der Schullandschaft sei leider nicht genug Sachverstand versammelt, erklärte der CDU-Vorsitzende, der selbst in leitender Position Lehrer an einer Bremer Schule ist, in der AG jedoch nicht mitwirkt.

Für dieses Statement erntete Dürr heftigen Widerspruch von Gabriele Sommer. Man müsse keineswegs an einer Schule tätig sein, um in dieser Frage Position beziehen zu können, sagte die Bündnisgrüne.

Die Diskussion in der AG laufe auf die Gründung einer eigenen IGS in Achim hinaus, berichtete Tanja Tarnowsky-Hoppmann (SPD). Allerdings würde die Einrichtung solch einer neuen Schule ja mindestens zwei Jahre dauern.

„Was wird in der Zwischenzeit aus der Hauptschule?“, warf Sommer mit Blick auf die geringen Anmeldezahlen ein.

Angesichts der ungeklärten Zukunft des Schulangebots in Achim seien Mütter und Väter „verwirrt“, gab Verena Weber, Elternvertreterin im Ausschuss, zu bedenken. Viele wünschten eine IGS mit langen Betreuungszeiten. „Die müssten dann aber auch von der Stadt bezahlt werden.“

Warum kreise die Debatte eigentlich fast nur um die Haupt- und die Realschule?, fragte Ute Niedzielski. Die Elternsprecherin an der Realschule forderte: „Die Gymnasien müssen einbezogen werden.“

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