Von der Stätte der früheren Synagoge zu den Stolpersteinen vor den Häusern angesehener Juden

Gymnasiasten gedachten der Nazi-Opfer

Geschichtliche Erinnerung an der wieder beschmierten Achimer Gedenkstätte.

Achim - Von Manfred Brodt· Am gestrigen Holocaust-Gedenktag, 65 Jahre nach der Befreiung im Konzentrationslager Auschwitz, erinnerten sich auch Schüler und Lehrer des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums an die dunkelsten Jahre deutscher Geschichte, legten Kurse der Zwölf Blumen an der Gedenktafel und dem Gedenkstein der von den Nazis ermordeten Widerstandskämpferin Cato Bontjes van Beek nieder und gedachten zwei Geschichts-Leistungskurse der 13 der vertriebenen, verschleppten und ermordeten Achimer Juden.

Die Gymnasiasten versammelten sich zunächst an der Gedenkstätte an der Anspacher Straße, wo früher im Haus der Familie Alexander die Achimer Synagoge war, die in der so genannten Reichskristallnacht zerstört worden war.

1933 hatten noch 47 Juden in Achim gelebt, von denen 20 rechtzeitig emigrieren konnten nach England, Südamerika, in die USA oder zu anderen Zielen. Die anderen wurden fast ausnahmslos deportiert, oft zum Judenhaus in Bremen und dann meist nach Minsk oder Theresienstadt.

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Wie in Verden auch überlebte in Achim nur ein Jude die Schreckensherrschaft der selbst ernannten Herrenmenschen.

Die Gymnasiasten putzten gestern von den 18 Stolpersteinen vor den ehemaligen Wohn- und Geschäftshäusern der Juden die nicht mit Schnee und Eis bedeckten Stolpersteine in Achims Innenstadt blank, die sonst meist verdreckt und unkenntlich sind, und legten eine rote Rose dazu. Sie kamen so zu den Stolpersteinen und Häusern zum Beispiel der Anspachers, Alexanders oder Seligmanns, die wie andere Juden auch in demokratischen Zeiten angesehene Bürger, Viehhändler, Schlachter oder Kaufleute waren. Vor der physischen Vernichtung hatte es schon früh den Geschäftsboykott gegeben, zu dem auch der Landwirtschaftliche Verein Achim-Thedinghausen aufgerufen hatte, und die Progromnacht im November 1938 mit Verwüstungen jüdischer Häuser und der Synagoge inklusive Bereicherung an Wertgegenständen der Juden. Im November 1941 waren von Bremen 570 Juden wie Vieh in Güterzügen nach Minsk zur Vergasung gebracht worden, darunter auch die Anspachers aus Achim. Die Tochter der Anspachers war 17 Jahre alt, hatte lange blonde Haare und blaue Augen.

Ihrer wird gedacht mit einem Stolperstein vor der Achimer Marktpassage.

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