Windanlagen und gefährdeter Rotmilan

Grüne gegen Weser-Ausbau

Landkreis - Von Manfred BrodtWährend sie hoch über dem Strom auf den „Weserterrassen am Badener Berg“ saßen, sprachen sich die Grünen des Kreises am Mittwochabend gegen den weiteren Ausbau der Mittelweser aus.

Erich von Hofe hatte berichtet, dass sich Bremen aus der Finanzierung zurückgezogen hatte, der Bund die Wasserstraße Weser herunterstufen wolle und die immensen Kosten für die Begradigung von Flusskurven umstritten seien. Den Befürwortern geht es darum, dass die 110 Meter langen europäischen Großgüterschiffe sich zukünftig in 40 Prozent statt 20 Prozent der Flusskurven begegnen können. Nur um das gleichzeitige Passieren von zwei dieser Megaschiffe in mehr Kurven gehe es bei dieser Naturzerstörung. Dabei könnte doch auch das Global Positioning System (GPS) dieses Problem für die Kapitäne lösen.

Die Grünen sehen darüber hinaus keine große wirtschaftliche Bedeutung für den Gütertransport auf der Weser, der angesichts der eingesetzten Kähne auch alles andere als umweltfreundlich sei.

Schwerpunktthema Nr.2 der Mitgliederversammlung war die Windkraft, die den Grünen im Kreis zu zaghaft ausgebaut wird. Zwei Argumente machen ihnen dabei besonders zu schaffen:

Der Rotmilan, ein eleganter, vom Aussterben bedrohter Greifvogel, dessen Leben in vielen Fällen an Windkraftanlagen endet. Ein Grüner sprach gar von einem „suizidalen Verhalten“ dieses Vogels und manche redeten über ihn wie früher Befürworter von Großtechnologien und großer Bauprojekte über den Wachtelkönig.

Den Vogel der Windkraft zu opfern, würde aber grüner Ideologie widersprechen.

Ähnlich steht es mit dem Ausschlusskriterium für neue Windkraftanlagen „unbelastete Landschaft“. Die Grünen kritisieren, dass dieses Ko-Kriterium nur für Windanlagen gelte, aber nicht für riesige Mastställe mit immensem Lasterverkehr. Wilhelm Haase (Luttum) schlug vor, für die Übergangszeit der Energiewende Windkraftanlagen auch in unbelasteten Landschaften zuzulassen.

Mit elf von 105 Mitgliedern waren die von der Satzung verlangten zehn Prozent der Mitglieder gerade erreicht. Sie beschlossen ihren Finanzplan, der in fünf Jahren Ausgaben von rund 32 000 Euro überwiegend für die Wahlkämpfe vorsieht und seine Einnahmen stark aus Abführungen der Mandatsträger bezieht.

Am Wochenende 8./9. Juni soll in bundesweiten Mitgliederversammlungen über die zehn Topp-Punkte des Wahlprogramms der Grünen zur Bundestagswahl abgestimmt werden.

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