Otto-Werner Marquardts Abschied von der Masterrind

Großer Bahnhof für den Vordenker

Festredner Minister Hans-Heinrich Ehlen hatte ein Pferd für den Rinderzucht-Spezialisten Otto-Werner Marquardt mitgebracht.Fotos (2): Klee

Verden - (kle) · „Ich bin ein glücklicher Mensch.“ Dieser Satz von Otto-Werner Marquardt war nicht als Fazit all der Lobhymnen gemeint, die ihm gestern auf dem Empfang zum Abschied von der Masterrind gesungen wurden. Der scheidende Sprecher der Geschäftsführung der Rinderzuchtorganisation hatte zuvor seine Frau Dorothee vom Pult aus schon informiert, dass vieles davon nicht wahr sei. Und so mag denn das Bekenntnis nach der langen Rednerliste auch ein Stoßseufzer gewesen sein.

Allein das Defilée der 300 Gratulanten im Niedersachsenhof hatte den angehenden Ruheständler eine geschlagene Stunde mit geschüttelten Händen und Glückwünschen gekostet. Würdenträger von Verbänden, Organisationen, Kommunen und andere Weggefährten aus 32 Jahren, in denen Marquardt an der Spitze der Verdener Zuchtorganisation gestanden hatte, waren der Einladung gefolgt.

„Das ist ein Zeichen der Wertschätzung“, stellte denn auch der Vorsitzende des Masterrind-Verwaltungsrates, Otto Lattwesen, als erster Redner fest. Er versuchte die enorme Entwicklung zu skizzieren, die die Zuchtrinder-Erzeugergemeinschaft (ZEH), als die die Organisation beim Antritt Marquardts noch firmierte, unter seiner Führung genommen hat. 1978 seien 25 000 Tiere für umgerechnet 30 Millionen Euro vermarktet worden. Bis heute seien die Zahlen auf 75 000 Tiere für 63 Millionen Euro geklettert. Dabei, so ergänzte Lattwesen, halte sich das Gerücht, dass Marquardt noch kein Rind selbst verkauft habe.

Der eigentliche Festredner dieses Vormittags war Niedersachsens Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen, der auf seine lange Bekanntschaft mit Marquardt zurückblickte. Aufgewachsen auf einem Hof in Uelzen, habe der spätere Zuchtleiter zunächst eine Landwirtschaftslehre und die Ingenieursschule absolviert. Nach einem Zwischenspiel als Leiter des elterlichen Hofes habe Marquardt in Göttingen ein Landwirtschaftsstudium aufgenommen. Die zuweilen respektlos wirkende, ebenso engagierte wie kommunikative Art des Studenten habe schnell die Aufmerksamkeit seines Dozenten, Professor Dr. Peter Glodek, erregt.

Der Agrarwissenschaftler, der später auch Marquardts Doktorvater wurde, war nicht nur einer derjenigen, denen er große Anteile an seinem Werdegang zugestand. Wie Dr. Rappen im Landwirtschaftsministerium sei Glodek, der sich gestern selbst zu Wort meldete, ein Mentor und Förderer geworden. Und schließlich hatte die Wahl des Promotionsthemas, die neu aus den USA importierte Populationsgenetik, dazu geführt, dass der frischgebackene Dr. Marquardt mit 34 Jahren als jüngster Zuchtleiter im Bundesgebiet die Geschäftsführung der ZEH übernehmen konnte. Als markante und engagierte Persönlichkeit würdigten Helmut Knell, der Präsident des Deutschen Holstein Verbandes, und Hellmuth Riestock, der Aufsichtsratsvorsitzende der Nord-Ost-Genetic, den scheidenden Mitstreiter. Ausdruck der Arbeit in Verbänden und Organisationen auch auf internationaler Ebene war der Beitrag des Präsidenten der Moskauer Besamungsstation Moscowskoye, der an 15 Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit erinnerte. Für die Kommunen machte Landrat Peter Bohlmann auf die gemeinsamen Projekte aufmerksam. Das letzte in der Ära Marquardt sei die Planung für die Modernisierung der Niedersachsenhalle gewesen. Immerhin ein Neun-Millionen-Euro-Projekt.

Der Vorsitzende des Ausschusses Tierhaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Norbert Meyer, hatte eine Abschiedsurkunde für den Landwirtschaftsdirektor Otto-Werner Marquardt mitgebracht, den er nun als Fachmann verliere. Die Verwaltungskarriere hatte der Zuchtspezialist begonnen, als er im Landwirtschaftsministerium ein Referendariat absolviert hatte.

Einen Eindruck vom engagierten, zielorientierten Umgang mit den Mitarbeitern vermittelten schließlich der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Böckmann und der designierte Nachfolger, Geschäftsführer Ralf Strassemeyer. Er kürte den Jungpensionär noch zum „Vordenker in der deutschen Rinderzucht“, bevor der dann mit seiner Gästeschar endlich das Glas heben konnte.

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