Große Resonanz auf Trauma-Tagung des Paritätischen mit Gudrun Aepfler

Harte Kost für Pädagogen

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Die beiden Organisatorinnen vom Paritätischen, Marianne Tjarks und Gabriele Brockmann, mit Referentin Gudrun Aepfler und Dieter Haase (Geschäftsführer Paritätischer, v. l.).

Verden - Ein Trauma begleitet einen Menschen oft sein ganzes Leben. Im pädagogischen Alltag treffen die Fachkräfte zunehmend auf traumatisierte Kinder und Jugendliche. Aktuell gewinnt dieses Thema durch die steigende Zahl der Flüchtlinge zusätzlich an Bedeutung. Die Arbeit mit traumabelasteten Menschen bringt Helfende nicht selten an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Rat, wie eine Therapie gerade von Kindern aussehen kann, hatte gestern Traumapädagogin Gudrun Aepfler in einer Fachfortbildung.

Die unerwartet große Resonanz auf die Veranstaltung gab dem Veranstalter Recht. Der Paritätische, Kreisverband Verden, konnte viele Fachleute im gut besetzten Kreistagssaal begrüßen.

„Das Thema ist harte Kost“, machte Aepfler ihren Zuhörern unmissverständlich klar. Auslöser eines Traumas sei ein unvorhersehbares Erlebnis, eine Bedrohung, die ein Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein hervorruft. „Das kann einmalig, aber auch ein wiederkehrendes Erlebnis sein.“ Dabei würden große Mengen Stresshormone ausgeschüttet.

Unfälle, sexueller Missbrauch, Krieg, Naturkatastrophen, Trennung oder Versagensängste in der Schule können solche Traumata auslösen. Ist Kampf oder Flucht nicht möglich, sei ein Erstarren, das „Freeze“, die Folge. Die Reizüberflutung führe zur völligen Blockade der Gefühle. Zu unterschiedlichen Zeiten können die Erinnerungen dann wieder ins Bewusstsein gelangen und zu Beeinträchtigungen führen. „Ein Erlebnis, das nach etwa sechs Wochen nicht verarbeitet sei und körperliche Reaktionen auslöst, sollte psychologisch-psychotherapeutisch aufgearbeitet werden“, rät die Pädagogin.

Eine posttraumatische Belastungsstörung äußere sich unterschiedlich. Bei Kleinkindern könne ein Trauma sogar zur geistigen Behinderung führen. Aber nicht jedes sich auffällig verhaltende Kind habe eine posttraumatische Belastungsstörung. „Beobachten sie, machen sie Biographierecherchen“, riet Aepfler.

Folgen einer Traumatisierung könnten auch Vermeidung einhergehend mit Lustlosigkeit oder das Wiedererleben der auslösenden Ereignisse sein. Hier helfe Bindung und Resilienz: „Sicher gebundene Kinder reagieren in Stresssituationen mit größerer Widerstandskraft.“ Resilienz sei die Fähigkeit, Möglichkeiten zu ergreifen, wo sie sich bieten, die Fähigkeit, aus einem schlimmen Ereignis gestärkt herauszugehen.“ Um Resilienz und Bindung zu fördern, müsse man Risikofaktoren suchen und resiliente Anteile, sowie den Menschen als Ganzes wahrnehmen. Zur Persönlichkeitsbildung trügen positive Rückmeldungen bei. Wichtig sei, das Kind mitbestimmen zu lassen und Veränderungen zu besprechen.

Aber auch die behandelnden Therapeuten können durch Sekundärtraumatisierung betroffen werden. „Wir arbeiten empathisch, das macht uns anfällig.“ Aepfler empfahl ihren Zuhörern Entspannung, Sport und kreative Hobbys. „Es ist wichtig, sich seinen eigenen Verarbeitungsstil bewusst zu machen. Dazu sollte man das Traumamaterial mit Kollegen und Supervisoren besprechen.

ahk

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