Wanderausstellung zur außergerichtlichen Streitbeilegung ist bis 24. Februar im Landgericht Verden zu sehen

Oft geht es auch ohne einen Prozess

Die vier Richterinnen Angela Skwirblies, Heidi Bischoff, Gisela Buschmann-Fricke und Katharina Krützfeld (v. l) sind am Landgericht Verden auch als Mediatorinnen tätig.Fotos (2): Haubrock-Kriedel

Verden - (ahk) · Gibt es ernsthaften Streit mit Vermietern, Nachbarn oder Geschäftspartnern, scheint der Gang zum Gericht oft die einzige Lösung zu sein. Nicht selten verhärten sich die Fronten dann erst recht, eine Kommunikation findet nur noch über die Anwälte statt, und ehemals gute geschäftliche oder private Beziehungen werden unwiderruflich zerstört.

Dass es auch anders geht, zeigt eine Wanderausstellung des Niedersächsischen Justizministeriums, die bis zum 24. Februar im Verdener Landgericht zu sehen ist. Aus diesem Anlass hatte der Präsident des Landgerichtes Verden, Dr. Rüdiger Lengtat zu einer Vernissage eingeladen. Hier wurde in ernster und heiterer Weise in die Thematik der außergerichtlichen Konfliktlösung eingeführt.

„Mediation“ ist der in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte Fachbegriff für die außergerichtliche Streitbeilegung. Dieses habe aber nichts, wie oft fälschlich vermutet, mit meditieren bei Teelichtern und Duftkerzen zu tun, erläuterte Katharina Krützfeld, eine der Richtermediatoren am Landgericht Verden.

Vielmehr solle in Gesprächen versucht werden, den Kern des Konflikts und damit eine Lösung zu finden. So könnten aufwändige Prozesse vermieden werden, die oft nur die Spitze des Eisbergs seien und weitere kostspielige Gerichtsverfahren nach sich ziehen könnten.

Den Erfolg der Mediation, die seit 2006 voll in Verden etabliert ist, belegte Heidi Bischoff, die ebenfalls Richtermediatorin ist, mit eindrucksvollen Zahlen. In den vergangenen drei Jahren habe es durchschnittlich 240 Mediationen gegeben. Gelungen seien davon 190, was immerhin einem Satz von rund 77 Prozent entspreche. Etwa zehn Prozent aller Streitigkeiten gingen inzwischen zuerst in die Mediation, die somit ein fester Bestandteil des Gerichtsalltags sei.

Richtermediatorin Gisela Buschmann-Fricke erklärte, wie eine Mediation abläuft. Seien beide Parteien einverstanden, fänden sie sich mit ihren Anwälten und dem Mediator an einem Tisch wieder. Durch diese zwanglosere Atmosphäre entstehe oft eine neue Gesprächsbereitschaft zwischen den zerstrittenen Parteien, die Interessen würden hinterfragt, und oft würden von den Beteiligten auch selbst Lösungsvorschläge entwickelt.

Bevor die Gäste sich dann der Ausstellung zuwandten, schlüpfte der Vorsitzende Richter am Landgericht Verden, Jürgen Seifert, in die Rolle eines Landmannes, um auf humorvolle Weise einen fiktiven Mediationsfall darzustellen.

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