Hobby-Genealogin Marie Renken erarbeitet Ortsfamilienbuch für Posthausen

Ein ganzes Dorf mit 3978 Familien „sortiert“

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Marie Renken (59), Familienforscherin aus Leidenschaft, hat das Ortsfamilienbuch für das Kirchspiel Posthausen im Internet veröffentlicht. Wer seinen Ahnen auf die Spur kommen möchte, ist herzlich eingeladen online zu schmökern. ·

Posthausen/ Achim - Von Petra Holthusen · Auf selbstgestrickte Socken von Marie Renken muss die Familie schon lange verzichten. 1990 war es, als die Realschullehrerin die Passion wechselte: vom Handarbeiten zur Genealogie. So gut wie jede freie Minute investiert Marie Renken (59) seitdem in die Familiengeschichtsforschung.

Was mit eigenen pommerschen Ahnen begann, mündete dieses Jahr in ihr bisher umfassendstes Projekt: das Ortsfamilienbuch Posthausen, das 15 000 Menschen aus 3978 Familien mit Geburts-, Heirats- und Sterbedaten, mit Hofstellen und Berufen, systematisch erfasst.

Veröffentlicht hat Marie Renken ihre Forschungsarbeit für jedermann einsehbar im Internet auf der Plattform der Gesellschaft für Familienforschung „Die Maus“ in Bremen – nur einer der Genealogen-Verbände, in denen sie engagiertes Mitglied ist. Unter http://www.die-maus-bremen.de finden Interessierte zahlreiche Datenbanken, darunter nun auch Renkens Ortsfamilienbuch des 1852 gegründeten Kirchspiels Posthausen.

Außer dass sie als Lehrerin an der Ottersberger Wümmeschule seit 1978 auch Kinder aus Posthausen unterrichtet, hat Marie Renken keine persönliche Verbindung zu den Moordörfern. Aber irgendwann komme jeder leidenschaftliche Familienforscher an den Punkt: „Ja, ein Ortsfamilienbuch möchte ich auch mal machen.“ Und dieses ehrgeizige Ziel, „ein ganzes Dorf zu sortieren“ und die Familienstränge über lange Zeiträume nachzuzeichnen, führte Marie Renken ins Kirchspiel Posthausen.

Weil die selbstständige Kirchengemeinde mit den Dörfern Posthausen, Rothlake, Mitteldorf, Stellenfelde, Hintzendorf, Allerdorf, Grasdorf, Giersdorf und Schanzendorf, allesamt 1792/93 als Moorkolonien im Hellweger Moor gegründet, erst seit 1852 existiert, „gibt es nicht so viele Meter Kirchenbücher wie in älteren Gemeinden“, schmunzelt Marie Renken, „denn ich wollte ja auch damit fertig werden können.“

Dennoch dauerte es rund fünf Jahre, die nach Tauf-, Hochzeits- und Sterbedaten geführten Kirchenbücher abzuschreiben, Zusammenhänge zu erfassen und am Computer in ein spezielles Genealogie-Programm einzugeben, das die Verknüpfungen speichert und daraus ein Ortsfamilienbuch erzeugt.

Das Gefühl, „Glied

einer Kette zu sein“

Die Familien aus dem Kirchspiel sind alphabetisch nach dem Familiennamen des Mannes und chronologisch nach Heiratsdaten sortiert. Zugeordnete Familiennummern verweisen auf die Herkunftsfamilien und auf die, in die Kinder hineingeheiratet haben. Am Computer lässt sich so problemlos hin- und herspringen und ein Familienzweig über viele Jahre verfolgen.

Um die Geschichte der Moorbewohner seit der ersten Besiedlung zu erfassen, hat Marie Renken die Angaben aus den Kirchenbüchern von Posthausen ergänzt mit älteren Daten aus den Kirchenbüchern von Ahausen, Daverden und Achim aus der Zeit vor 1852. Auch die Standesamtsdaten flossen 2010 ein – unter Beachtung der Sperrfristen zur Veröffentlichung (Geburten müssen länger als 110 Jahre her sein, Heiraten länger als 80 Jahre und Sterbefälle länger als 30 Jahre). Die Generationenfolgen glich Marie Renken zusätzlich mit dem Hofnachfolge-Verzeichnis von Martha Müller im Heimatkalender des Kreises ab.

15 000 Menschen im Kirchspiel Posthausen hat die Hobby-Genealogin erfasst, fertig aber ist das Werk nicht. Immer wieder füllen sich durch neue Hinweise Lücken, ergeben sich neue Zusammenhänge – ein Grund, warum die Familienforscherin kein gedrucktes Werk vorlegte, sondern im Internet publiziert: „Da sind jederzeit Aktualisierungen möglich.“ Außerdem machen die Datenbanken im World Wide Web viele Recherchen und Kontakte erst möglich – weltumspannend. Marie Renken hofft, dass viele Posthausener online in ihrem Ortsfamilienbuch stöbern, Spaß daran finden und zwecks Fragen, Austausch oder Ergänzungen mit ihr in Kontakt treten (unter Telefon 04202- 7640620 oder per E-Mail: marie.renken@t-online.de).

Dass die frühere Ottersbergerin und heutige Achimerin 1990 ihre Leidenschaft für die Familienforschung entdeckte, hatte mehrere Gründe: Ihre 1983 und 1985 geborenen Kinder gaben ihr das Gefühl, „Glied einer Kette zu sein“, und der 70. Geburtstag einer Tante weckte den Wunsch, mehr über die eigene Familie zu erfahren, die 1953, als Marie Renken vier Monate alt war, aus dem ostdeutschen Mecklenburg in den Westen geflüchtet war. Forschungen über die aus dem Teufelsmoor stammende Familie ihres Mannes schlossen sich an.

70 000 Datensätze in

der eigenen Datenbank

Familienforschung hat Suchtpotenzial, sagt die 59-Jährige. Wer Familienforschung betreibt, taucht intensiv in die Geschichte ein: „Sie wird real und greifbar, wenn man ihre Einflüsse auf das Leben der eigenen Vorfahren sieht.“ Neben den 15 000 Posthausenern hat Marie Renken inzwischen 70 000 Datensätze in ihrer eigenen genealogischen Datenbank. Ein Graus der Gedanke, dass die ihr irgendwie abhanden kommen könnten: „Ich glaube, dann“, platzt es aus ihr heraus, „fange ich wieder an, Socken zu stricken...“.

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