Führung zum jüdischen Friedhof / Treffpunkt Schützenhaus Kreuzbuchen in Ottersberg

Gang zum Haus der Ewigkeit

Der jüdische Friedhof in Ottersberg wurde 2000 wieder instand gesetzt. Fotos (2): Keppler

Ottersberg - (kr) · Wer den Weg zum jüdischen Friedhof in Ottersberg, einem der ältesten Kulturgüter des Fleckens, nicht kennt, muss suchen, sich einen Flyer im Rathaus besorgen oder sich einem der seltenen Rundgänge anschließen, die von den Gästeführern des Landkreises angeboten werden.

Am Sonntag, 28. Februar, um 14 Uhr, ist es nach längerer Zeit wieder soweit. Gästeführerin Gundula Dangschat startet mit den Teilnehmern am Schützenhaus Kreuzbuchen, um mit ihnen quer durch den Wald zum jüdischen Friedhof zu gehen. Zwar gibt es nach der Restauration der historischen Grabanlage, die im jüdischen Sprachgebrauch „Beth Olam – Haus der Ewigkeit“ genannt wird, eine schmale Zuwegung von der Hauptstraße zwischen Ottersberg und Otterstedt, benutzt wurde aber von jeher der Pfad durch den Wald.

Schon unterwegs wird Gundula Dangschat die Gäste in die Geschichte des Friedhofs einführen. Der jüdische Friedhof Ottersberg gehörte zum Einzugsgebiet von Sottrum, Fischerhude, Lilienthal, Grasberg, Wilstedt bis Kirchtimke. Jüdische Bürger gehörten zur jüdischen Synagogengemeinde, die 1777 mit der Ansiedlung von Alexander Jacob, einem Händler begründet wurde. 1818 wurde das Friedhofsgelände gekauft, und 1829 erfolgten die erste Bestattung sowie der Bau einer Synagoge mit 42 Sitzplätzen.

In ihrer Blütezeit gehörten zwölf Haushalte mit mehr als 83 Personen zur Synagogengemeinde in Ottersberg. Von 1852 bis 1899 gab es sogar eine jüdische Schule im Wümmeort.

Ab 1877 nahm die Zahl der Gemeindemitglieder ab. Die wirtschaftliche Randlage Ottersbergs sorgte für Fortzüge. Die letzten Kinder jüdischen Glaubens besuchten die christliche Volksschule. 1902 wurde die Synagoge versteigert, und nur noch sehr wenige Menschen jüdischen Glaubens lebten in Ottersberg.

Die letzte Bestattung auf dem jüdischen Friedhof erfolgte 1920, und die verbliebenen Gemeindemitglieder wurden der Synagogengemeinde Achim zugegliedert.

Die kleine Grabanlage geriet mehr und mehr in Vergessenheit. 1999 wurde der Friedhof geschändet. Grabsteine wurden aus ihrer Verankerung gerissen und beschädigt.

Die Instandsetzung und die Restauration der übrigen Grabsteine, die teilweise in den Boden eingesunken und stark verwittert waren, wurde von großem Interesse in der Bevölkerung begleitet.

Es entstand eine Arbeitsgruppe, die bis heute dafür sorgt, das die Chronik der jüdischen Gemeinde in Ottersberg als Kulturgut angesehen wird, das eine Zeit lang mit dem Alltag in Ottersberg fest verbunden war. Ein neues Tor, ein reparierter Lattenzaun und eine Informationstafel prägen nun den Zugang zum Haus der Ewigkeit.

Die Toten auf jüdischen Friedhöfen ruhen bis zum Ende der Zeit in der Erde, und so sind dort Vergangenheit und Zukunft in einem Augenblick präsent. Der lebendige, gedenkende Besucher tritt als Gegenwart dazwischen. Eine jüdische Grabanlage kann nie neu belegt werden. Blumen, als Symbol für Werden und Vergehen, trägt man nicht zu einem jüdischen Friedhof. Angehörige der Begrabenen legen Steine zum Zeichen ihres Gedenkens auf die Grabstelle. Sie sind ein Zeichen der Unvergänglichkeit. Für Besucher gelten beim Betreten eines jüdischen Friedhofs feste Regeln. Es gehört sich, dass männliche Besucher ab einem Alter von 13 Jahren eine Kopfbedeckung tragen und dass keine Tiere mitgenommen werden.

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