Durchbruch in Oyten nach Verhandlungspause / Zwischen Einheitsbrei und Eigenbrötelei

Fusion auf des Messers Schneide

Landkreis - Von Manfred BrodtDer Zusammenschluss zwischen Bassen und Oyten mit allen schon vorher eingemeindeten Ortsteilen stand am 5. Juni 1972 auf des Messers Schneide. Die Gemeinderäte von Oyten und Bassen tagten im Gasthaus Pape unter Leitung des Kreisrates Rainer Mawick, später Oberkreisdirektor, und zerstritten sich am Paragrafen 6 „Entscheidungsbefugnis der Ortsräte“ und 14 kommunalen Maßnahmen in Bassen.

Ratsherr Hegewald-Oyten hatte Bedenken angemeldet, dass die Ortsräte auch über die Zuschüsse für örtliche Vereine sowie über die Förderung, Ausgestaltung und Benutzung von Einrichtungen wie Sportanlagen, Kindergärten und Friedhöfen entscheiden sollten. „Die großen Projekte sollte man in der Hand des künftigen Gemeinderates belassen. Ich glaube, dass auch Bassen dabei nicht zu kurz kommt“, meinte er.

Bassens Bürgermeister Albert Duhn verteidigte dagegen die weitreichenden Entscheidungsbefugnisse der Ortsräte. Bei den zahlreichen Einrichtungen und Vereinen in Bassen wolle man ein Wort mitreden. „Wir legen großen Wert auf diese Dinge.“

Die Situation eskalierte dann, als Albert Duhn einen weiteren Zusatzantrag zum Paragrafen 15 stellte, der kommunale Maßnahmen in Bassen regelte. Neben Lehrschwimmbecken, Kindergarten und zweiter Sportplatz wollte er auch noch eine Friedhofserweiterung sichergestellt wissen. Verhandlungsleiter Mawick unterbrach die Sitzung für zehn Minuten.

Das Achimer Kreisblatt berichtete: „Die frische Luft, die durch die geöffneten Türen und Fenster in den Saal strömte, tat den von Tabakqualm umnebelten Köpfen gut. Duhn zog seinen Zusatzantrag zurück, andere Ratsherren verzichteten ebenfalls auf Änderungsanträge, und schließlich stimmten alle Gemeinderäte der Ehe zu.“

Ratsherr Dr. Schulz aus Oyten bekräftigte, mit der neuen Großgemeinde strebe man keinen Einheitsbrei, aber auch keine Eigenbrötelei an, und fügte hinzu: „Ein Vertrag ist so gut wie er praktiziert wird.

Und auch Albert Duhn wurde nach der „Pokerpartie“ ganz milde: „Wir sind von den Oytenern immer anständig und tolerant behandelt worden.“

Die Ortsräte sind inzwischen längst Geschichte, von der Gemeinde abgeschafft worden, die Rivalität zwischen Bassen und Oyten ist geblieben.

In der nächsten Folge:

Zur Hochzeit schwarze Krawatten.

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