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FSJ in Verden: Chance für den Reifeprozess

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Auf den Seminaren sollen die jungen Erwachsenen etwas für ihr Leben lernen. Persönlichkeitsentwicklung sei sehr wichtig.
Auf den Seminaren sollen die jungen Erwachsenen etwas für ihr Leben lernen. Persönlichkeitsentwicklung sei sehr wichtig. © VPK

Das Ende des Schülerlebens in Sicht, aber noch keinen Plan, wie es danach weitergehen soll? Ein Freiwilligendienst kann die Lösung sein. Um einen Eindruck vom Berufsleben zu bekommen, Pläne für die Zukunft zu schmieden und manchmal auch, um Wartesemester zu sammeln, bis ein Studium beginnt.

Verden – „Ich habe hier viel zu tun, das ist genau richtig. Mit so viel Verantwortung hätte ich nicht gerechnet“, freut sich FÖJ-ler Joshua Barek Schafi von „kleVer“, der Klimaschutz- und Energieagentur des Landkreises. Der 19-Jährige startete nach seinem Abitur im vergangenen Jahr. Ab diesem Sommer können Schulabgänger ebenfalls mit einem Freiwilligen Soziales Jahr (FSJ) oder auch einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) beginnen. Für Interessierte gibt es in Verden und umzu vielerlei Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren und dabei Erfahrungen zu sammeln. Einrichtungen und Freiwillige berichten über „positive Effekte“.

Viele Freiwillige, die zur Überbrückung ein FSJ bei der Lebenshilfe in Verden absolvieren, bleiben dem sozialen Bereich erhalten. „Nach dem Jahr wollen einige, die vorher nicht wussten, was sie später machen möchten, bei uns bleiben und haben im Laufe des FSJ diesen Berufswunsch entwickelt“, sagt Diana Heise von der Lebenshilfe Verden. Insgesamt gebe es um die 50 Plätze zu vergeben, Freiwillige können in der Likedeeler Schule oder in Kitas mithelfen, sie arbeiten hier mit behinderten und beeinträchtigten Kindern. Dabei würden sie pflegerische, hauswirtschaftliche und erzieherische Aufgaben übernehmen, aber auch Ausflüge und Klassenfahrten begleiten.

„Manche brauchen nach der Schule Zeit, um sich zu überlegen, was sie beruflich machen möchten. Deswegen kommen sie zu uns“, weiß Heise. Andere hätten keinen Ausbildungsplatz oder würden warten, bis sie ihr Studium aufnehmen können. Die Zeit in einem Freiwilligendienst kann als Wartesemester angerechnet werden.

Die berufliche Orientierung sei ein Vorteil, außerdem fördere das FSJ bei der Lebenshilfe den persönlichen Umgang mit anderen Menschen. Persönlich könnten sich Freiwillige auch weiterentwickeln, so jedenfalls der Tenor aller Befragten, die sich mit einem FSJ auseinandersetzen.

Wer sich engagieren möchte, es gibt noch freie Plätze ab Sommer. Erwachsene über 27 Jahre können auch einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) bei der Lebenshilfe machen. „Viele denken sich, sie wollen der Gesellschaft was Gutes tun, wenn sie bei uns tätig werden möchten“, so Heise.

Joshua Barek Schafi fühlt sich wohl bei „kleVer“, weil er große Verantwortung aufgetragen bekommt. „Ich habe gedacht, ich poste vielleicht hin und wieder mal was bei Facebook“, schmunzelt der Rotenburger. Stattdessen erstelle er unter anderem Konzepte für Kampagnen wie jetzt zum Thema Heizen. „Viele meiner Vorschläge wurden auch umgesetzt“, freut sich Joshua. Er organisiert Referenten, vermittelt Interessierte an Energieberater und nimmt Anmeldungen für Sprechstunden und Vorträge entgegen, zählt Joshua auf.

Engagiert und mit Spaß bei der Arbeit: Joshua Barek Schafi, FÖJ-ler bei „kleVer“.
Engagiert und mit Spaß bei der Arbeit: Joshua Barek Schafi, FÖJ-ler bei „kleVer“. © Böse

„Zwischen der Schule und dem Studium wollte ich mir ein Jahr nehmen, um mich für die Umwelt zu engagieren. Sonst habe ich kaum Zeit dafür gehabt“, sagt Joshua über seine Beweggründe. Beruflich soll es in eine ähnliche Richtung gehen. „Öffentlichkeitsarbeit für Umweltthemen, vielleicht bei einer Nichtregierungsorganisation, das würde ich gerne machen. Die Arbeit hier macht mir Spaß“, schwärmt er.

Mir fällt es jetzt leichter, mit fremden Menschen zu reden.

Joshua Barek Schafi 

Und sie bringt ihn auch persönlich weiter. „Mir fällt es jetzt leichter, mit fremden Menschen zu reden“, sagt er. Außerdem habe er gelernt, sich die Arbeit selbstständig einzuteilen, in der Schule sei dies noch vorgegeben worden.

Ein FSJ oder FÖJ würde er auch anderen empfehlen. „Vor der Ausbildung oder dem Studium ist das eine gute Sache. Dabei ist es egal, ob FSJ oder FÖJ. Der Alltag ist ganz anders“, so der künftige Student.

Der VPK Niedersachsen mit Sitz in Verden ist ein Verband mit Mitgliedseinrichtungen im Bereich Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe. Auch Kindertagesstätten und Schulen sind Partner. Ab Sommer bieten einige dieser gemeinnützigen Einrichtungen Freiwilligendienste an. Der Fokus liegt hier auf Hilfe und Erziehung benachteiligter Kinder. Rund 30 Plätze werden in diesem Jahr vergeben, unter anderem in Langwedel, Dörverden und in Weyhe.

Wie Diana Heise von der Lebenshilfe sieht auch Sandy Decke, Zuständige vom VPK, das FSJ als Möglichkeit, jungen Erwachsenen Zeit zu geben, einen Plan für das Leben nach der Schule zu entwickeln. „Zudem können sie ohne Druck das Berufsleben kennenlernen, es gibt keine Schulnoten oder Erwartungen nach besonderen Leistungen“, ergänzt sie. Darüber hinaus lernten die Freiwilligen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

„Die persönliche Weiterentwicklung der Freiwilligen ist uns sehr wichtig. Dafür bieten wir ergänzend zur Arbeit Seminare, in denen wir uns mit Themen beschäftigen, die ihnen im späteren Leben weiterhelfen werden oder auch neue Perspektiven ermöglichen“, erklärt Sandy Decke. Beispielsweise erhielten die FSJ-ler Tipps, wie sie richtig kommunizieren und Konflikte lösen können. „Nicht nur für das Berufs-, sondern auch für das Privatleben ist das hilfreich. Viele fragen sich nämlich oft, wie sie bestimmte Dinge ansprechen können. Bei uns kann das erlernt werden“, verspricht die Bildungsreferentin. Generell beobachte sie, dass viele reifer und entwickelter wirkten, wenn sie nach einem Jahr ihr FSJ beendet haben, so Decke.

Wenn‘s doch nicht passt, ist der Ausstieg möglich

Wenn jemand im Laufe seines Dienstes merkt, dass dieser Job für ihn nicht der Richtige sei, könne er auch aussteigen. Dazu sagt die VPK-Bildungsreferentin: „Geht es nicht mehr, dann erhält der Freiwillige auch in so einem Fall unsere Unterstützung.“

Für die Einrichtungen sei der Einsatz der Menschen auch von Vorteil, denn so erhielten sie wertvolle Mithilfe, auch durch die individuellen Fähigkeiten und Talente, die jeder mitbringe.

Es könne sich jeder bei der VPK bewerben, der zwischen 17 und 26 Jahre alt ist. Auch wer kein Interesse an einem Beruf im sozialen Bereich habe, könne sich bewerben. Wichtig sei die grundsätzliche Bereitschaft, sich zu engagieren.

Für Bewerber und gemeinnützig orientierte Einrichtungen, die auch Partner werden wollen, ist der VPK unter der E-Mail-Adresse fsj@vpk-nds.de zu erreichen.

Bis zum 30. April können zudem Bewerbungen für ein FÖJ bei „kleVer“ an die E-Mail-Adresse machmit@klever-klima.de geschickt werden, der Schwerpunkt liegt bei „Klimabildung an Schulen“. Bewerbungen für ein FSJ oder einen BFD bei der Lebenshilfe können an bewerbung@lebenshilfe-verden.de gesendet werden.

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