Flüchtlinge im Kreis: Christina Jantz kehrt mit Hausaufgaben nach Berlin zurück

Integration hakt an den bürokratischen Hürden

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Tomma Ahlers und Christina Jantz (v.l.) tauschten sich mit Teilnehmern eines Flüchtlingskurses aus.

Verden - Von Ronald Klee. Eine „bemerkenswerte Willkommenskultur“ stellte Christina Jantz gestern im Landkreis Verden fest. Wie Flüchtlinge von engagierten Bürgern, aber auch von den Behörden aufgenommen werden, wertete die SPD-Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises als besonders. Ihr Besuch förderte aber auch Probleme mit dem Asylverfahren zutage: „Was der Bundestag jetzt beschlossen hat, reicht so noch nicht aus.“

„Wir wollen arbeiten, aber wir müssen warten.“ Beim Besuch im KVHS-Sprachkurs für Flüchtlinge sprach ein Teilnehmer eines der zentralen Probleme an. „Die Verfahren zur Anerkennung als Flüchtling dauern noch zu lange“, war auch Jantz‘ Fazit. Die 650 zusätzlichen Stellen im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die der Bundestag bewilligt habe, reichen nicht aus oder die Mitarbeiter arbeiten noch nicht mit der erhofften Effektivität.

Vor Ort bedeutet das, dass die Flüchtlinge nur Däumchen drehen können, wenn sie ihre Unterkünfte bezogen haben. Drei Monate sowieso, und wenn sich die Wahrscheinlichkeit einer Anerkennung abzeichnet, können sie nur beschränkt einen Job aufnehmen. Erst nach 15 Monaten stehen sie dann wirklich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. „Da muss man aufpassen, dass nicht zuviel Frust entsteht“, warnten Franz Riedel und Hans-Georg Thunert, die die Flüchtlinge dann für die ALV betreuen.

„Diese bürokratischen Hürden passen nicht zum Fachkräftemangel“, war auch Landrat Peter Bohlmann wenig zufrieden mit der Lage. Dass die Flüchtlinge erst die vom BAMF geförderten Flüchtlingskurse besuchen können, wenn das Asylverfahren es erlaubt, sei sehr spät. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis biete die KVHS deshalb zwischenzeitlich Integrationskurse an, in denen es vor allem um die Sprache und die Bewältigung von Alltagsituationen geht, berichtete Tomma Ahlers als Vertreterin der Erwachsenenbildungseinrichtung. Bislang seien 29 Kurse durchgeführt worden, und das obwohl die Flüchtlinge keinen Anspruch darauf hätten und zumindest einen Anteil selbst zahlen müssen.

Etwas entspannter kann Fachbereichsleiter Bernd Dannheisig die Unterbringung der neu eintreffenden Flüchtlinge angehen. Zur Zeit kämen doch weniger Menschen an, als zu Jahresbeginn erwartet. 120 Wohnungen seien bislang angemietet, in denen 700 Asylbewerber untergebracht seien. Ausgestattet werden sie vom Möbellager der ALV und betreut von der Kreisbau.

Wenig Hoffnung konnte Jantz dem Landrat machen, dass mehr Geld aus Berlin kommt. Die Kommunen müssten eigentlich 10000 Euro pro Flüchtling bekommen, zitierte Bohlmann die Forderung des Städte- und Gemeindebunds. Vom Land komme aber eine Pauschale von 6200 Euro. Nach den Beschlüssen des Bundestags würden noch etwa 1300 Euro hinzukommen, wusste Jantz. Für mehr sah sie aber wenig Bereitschaft unter ihren Kollegen in Berlin.

Vor diesem Hintergrund wertete es ALV-Vertreter Riedel auch als unverständlich, dass die Bundesmittel für die Eingliederung von Arbeitnehmern immer weiter gekürzt werden. „Etwa zwölf Asylbewerber erhalten hier monatlich ihre Anerkennung“, erklärte er. Damit könnten sie eine Arbeit aufnehmen, erhalten bis dahin Sozialgeld und das Jobcenter sei zuständig, sie am Arbeitsmarkt unterzubringen.

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