Jetzt anderer Standort in Oyten geplant

Firmen laufen Sturm gegen Biogaspläne

Oyten - (la) · „Wir befassen uns mit dem Gedanken, uns von Oyten hinwegzubewegen; eventuell sogar wieder nach Bremen zurückzukehren“. Und: „Mein Geschäftspartner und ich haben Probleme, die Gedankengänge unserer Politiker und der Gemeindeverwaltung auch nur ansatzweise nachzuvollziehen“.

Diese erbosten Sätze entstammen einer längeren Stellungnahme von Gerold Diessenbacher, dem Geschäftsführer der Oytener Firma MediTrade GmbH an der Rudolf Diesel-Straße 30.

Anlass der heftigen Reaktion: Pläne, an eben dieser Straße im alten Oytener Industriegebiet den Bau einer Biogasanlage zu ermöglichen.

Das Projekt wäre existenzbedrohend nicht nur für die „MediTrade“, sondern auch für die Schwesterfirma „Medi-King Medical Trading“, so Diessenbacher. Beide Firmen handeln mit medizinischen Geräten und Produkten.

n„Ware würde

nunverkäuflich“

Einen großen Teil machen laut Geschäftsführung sterile Einmalartikel in Papierverpackung aus, die an Rettungssanitätsdienste in ganz Deutschland geliefert werden. Meistens würden diese Artikel von Rettungs- und Krankenwagen direkt an der Diesel-Straße abgeholt und gleich im Fahrzeug verstaut.

Wenn nun die Biogasanlage gleich um die Ecke wegen eines Problems gerade „entlüftet“ werde, zögen die Gerüche mit Sicherheit auch ins „MediTrade“-Gebäude, verteilten sich auf die Sterilartikel und drängen in die Verpackung ein. „Wenn das Öffnen der Verpackung im Notarzt-/Krankenwagen stattfindet, kommt mit Sicherheit keine Freude auf“, sieht Diessenbacher voraus. Zudem ziehe der Gestank mit ins Fahrzeug, das dann komplett gereinigt und desinfiziert werden müsste. Umsatzeinbrüche der beiden Firmen zwischen 33 und 35 Prozent jährlich seien zu erwarten.

In der Firma Overhues & Schüssler, Rudolf-Diesel-Straße 34 bis 36, wird Jagd- und Freizeitbekleidung entworfen, hergestellt und vertrieben. „Größtenteils werden diese hochwertigen Bekleidungsstücke unverpackt vor Ort gelagert“, erläutert Geschäftsführer Petrat in seiner Stellungnahme an die Gemeinde. Auch er fürchtet von der Biogasanlage ausgehende Gerüche, weil Ware dadurch unverkäuflich werden beziehungsweise reklamiert werden könnte.

Auf die massiven Einwände hat die Gemeindeverwaltung inzwischen reagiert. Sie schlägt in Absprache mit den Biogas-Investoren vor, den Standort der Anlage „weiter nördlich zu verlagern“ – weg von der Rudolf Diesel-Straße. Am Mittwoch, 3. Februar, berät der Oytener Ausschuss für Umwelt und Gemeindeentwicklung über Flächennutzungsplanänderung und Bebauungsplanaufstellung für diesen Bereich.

Geschäftsführer Diessenbacher bezeichnete das Ganze gestern auf Nachfrage des Kreisblatt allerdings als „Witz-Verlegung“. Der neue Standort nur gut 100 Meter weiter bringe kaum Verbesserung in Sachen Geruchsbelastung. Seiner Kenntnis nach besitze einer der Biogas-Investoren aber Flächen in der Nähe des Oyten-Ottersberger Klärwerks. Dort passe doch die Biogasanlage sehr gut hin.

Oytener Politiker wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Heiko Oetjen geben zu bedenken, dass richtig betriebene Biogasanlagen kaum Gestank verbreiten. So laufe am Oytener Meyerdamm seit einiger Zeit eine solche Anlage, ohne dass es bisher irgendwelche Beschwerden von Anwohnern gegeben habe.

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