Symposium befasste sich mit Zwangsehen / Vernetzung der kommunalen Angebote

Fast immer mit Gewalt

Verden - (nie) · Häusliche Gewalt kann in allen Familien stattfinden, in Migrantenfamilien ist dieses Problem jedoch in besonderer Weise anzutreffen. Hier kommen Gewaltformen vor, die sich ansonsten in der deutschen Gesellschaft nicht mehr zeigen, wie zum Beispiel die Zwangsverheiratung und der so genannte Ehrenmord.

VIP, das Verdener Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern, hat das Thema aufgegriffen und dazu die Informationsveranstaltung „Häusliche Gewalt in Migrantenfamilien – spezifische Beratungs- und Unterstützungsangebote“ organisiert. Zielgruppen der gut besuchten Veranstaltung im Haus der Kreisvolkshochschule Verden waren alle Institutionen, die mit den Problemen von Häuslicher Gewalt befasst sind, insbesondere Beratungs- und Hilfeeinrichtungen für Frauen und Familien, Zivilgerichte, Polizei, Ärzteschaft, aber auch Schulen und Kindergärten.

Wie viele Zwangsehen oder arrangierte Ehen es bundesweit gibt, ist unklar. Die Dunkelziffer sei groß, und fast immer sei auch Gewalt im Spiel, wie Helmut Trentmann, Leitender Oberstaatsanwalt und Sprecher von VIP, unterstrich. Von Zwangsverheiratung betroffen seien vor allem Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund, aber auch junge Männer. Zwangsverheiratungen, so Trentmann, verstießen gegen die Grundrechte und stellten den Strafbestand einer schweren Nötigung dar. Er sagte weiter, dass die Bundesregierung im Rahmen eines neuen Integrationsgesetzes stärker gegen Zwangsheirat und Scheinehen vorgehen und einen eigenen Straftatbestand Zwangsheirat schaffen wolle.

Die Dipl.-Sozialpädagogin Yildiz Demirer von der Beratungsstelle Kargah e.V. in Hannover, die ein Krisentelefon für von Zwangsverheiratung bedrohte Menschen und für in Zwangsehen lebende Frauen betreibt, gab einen umfassenden Einblick in die komplexe Problematik sowie in die Arbeit des Vereins. Sie trug außerdem landesweit gesammelten Daten und Fakten vor, reflektierte zurückliegende Aktivitäten und wies Handlungs- sowie Vernetzungsmöglichkeiten für und zwischen Beratungsstellen, Frauenhäusern, Lehrkräften, Polizei und Justiz auf.

Einen weiteren Programmpunkt der von Ulla Schobert vorbereiteten Fachveranstaltung bildete der reich bebilderte Vortrag von Sabine Osmers, Fachanwältin für Familienrecht und Mediatorin, und Gudrun Dehmel von der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS). In den Jahren 2009 und 2010 haben sie verschiedene Unterstützungseinrichtungen für die von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen in der Türkei besucht, worüber sie im Veranstaltungsverlauf berichteten. Im fachlichen Austausch ging es auch um die Vernetzung aller infrage kommenden Angebote.

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