Stromproduktion mit Hindernissen: Stadtwerke-Chef Weiland berichtet dem Rat

Falsche Zeit für den Ausstieg

Verden - Heute würde Joachim Weiland die Beteiligung der Stadtwerke am Kraftwerkbau in Lünen nicht mehr vorschlagen. Dem Stadtrat erläuterte der Geschäftsführer des Verdener Versorgers, warum seine Initiative von vor sieben Jahren zumindest mittelfristig in ein finanzielles Fiasko führte. Einen Ausstieg aus dem Projekt konnte er allerdings nicht empfehlen. Bei der vorgesehenen Laufzeit von 40 Jahren sei zu erwarten, dass sich das Steinkohlekraftwerk noch als lukrativ erweist.

Nachdem das neu gebaute Kraftwerk vor ein paar Wochen im Versuchsbetrieb ans Netz ging, wurde schnell deutlich, dass es bei jeder produzierten Kilowattstunde Minus macht. „Grund ist, dass der erzeugte Strom teurer ist, als die aktuellen Preise am Energiemarkt“, erklärte Weiland. Die Gleichung sei die Folge aus dem Erneuerbaren Energien-Gesetz und dem Zertifkatehandel für den Strommarkt. Und der sei derzeit so, dass in Lünen im kommenden Jahr voraussichtlich ein Minus von insgesamt 100 Millionen Euro produziert werde. „Und positive Zahlen sind auch 2015 nicht zu erwarten.“

Die Sorge, dass dieses Defizit auch den Anteilseigner Stadtwerke belasten werde, hatte zunächst die FDP-Fraktion und dann auch die Grünen im Rat auf den Plan gerufen. Der Geschäftsführer möge die Zusammenhänge erklären und eine Perspektive, wenn nicht sogar ein Ausstiegsszenario vorlegen.

Für einen Ausstieg sei jetzt aber nicht der richtige Zeitpunkt, erklärte Weiland. Einerseits sei derzeit nicht unbedingt mit einem übermäßigen Interesse am Verdener Anteil von etwa einem Prozent am Kraftwerk zu rechnen. Andererseits entbinde das die Stadtwerke nicht von der Verpflichtung, 20 Jahre lang den Stromanteil der Stadtwerke abzunehmen.

Weiland zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Zeit des Lünener Kraftwerks noch kommen werde. Vor dem Hintergrund der Energiewende werde konventionelle Kraftwerksleistung noch lange benötigt. Immer dann, wenn Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint: Solange in der „Dunkelflaute“ keine leistungsfähigen Speicherkapazitäten zur Verfügung stehen.

In diesem Fall und wenn Bedarfsspitzen so genannte Regelenergie benötigen, könne sich die Verlustproduktion noch begrenzen. Denn dann liege der Preis um zehn Prozent höher.

Beim zweiten Kraftwerkprojekt setzen die Stadtwerke gleich auf Windkraft. Ganz reibungslos sei es auch nicht verlaufen, aber Weiland geht davon aus, dass die 40 Windräder des Offshore-Kraftwerks vor Borkum im kommenden Frühjahr ans Netz gehen werden.

Eigentlich sollte der 900-Millionen-Euro-Windpark schon viel weiter sein, aber das für den Bereich zuständige Netzanschlussunternehmen Tennet habe seine Aufgaben nicht fristgerecht erledigen können. Mit einem Darlehen hätten fast alle 40 Gesellschafter die Verzögerung abgefangen. Weiland rechnet immer noch mit einer Rendite aus der Stadtwerke-Beteiligung von fünf Prozent.

Wie es mit der Stromproduktion bei den Stadtwerken weitergehen soll, war dann nicht mehr Sache der Ratsmitglieder. „Darüber wird der Aufsichtsrat sprechen müssen“, stellte ihr Vorsitzender Horst-Heiner Pabst klar. · kle

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