Im Vorfeld der Bürgerbefragung: Geplante Wasserski-Anlage am Oyter See erregt erneut Gemüter

„Etwas mehr Richtung Rummelplatz“

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Unberührte Natur? Auch im Winter wirkt der Oyter See idyllisch. 

Oyten - Von Lisa Duncan. Veränderungen am Erholungsgebiet Oyter See schüren bei manchen Bürgern der Gemeinde offenbar immer noch Ängste: Wenn die von Investor Jan Brünjes vorgeschlagene Wasserski-Anlage erstmal gebaut sei, gehe es dort „etwas mehr Richtung Rummelplatz“, sagte ein Redner in der Einwohnerversammlung zur Bürgerbefragung am Mittwochabend.

Vornehmliches Ziel der Veranstaltung sei es, die Anwohner zu informieren, betonte Bürgermeister Manfred Cordes. Letztlich nahm die Diskussion über das Vorhaben des Familienunternehmens „Blue Bay Freizeit- & Wasserskianlagen“ aus Heede/Ems aber ebenfalls großen Raum ein.

Wieder waren zwei Lager erkennbar: Kritiker, die Umweltzerstörung und touristischen Ausverkauf befürchten und Befürworter, die die steigende Attraktivität der Gemeinde gerade für Jugendliche begrüßen.

Als Reaktion auf die anhaltende Kritik hatte Brünjes bereits im Sommer seine Pläne für die Wasserski-Anlage in abgespeckt (wir berichteten). Demnach bliebe der vordere Bereich für Angler, Schwimmer und Tretbootfahrer nutzbar. Erst in der Seemitte, hinter der DRK-Wasserwacht, würde „Blue Bay“ zwei Fünf-Mast-Wasserskilifte bauen, dazwischen an der schmalsten Stelle des Gewässers eine Steg-Anlage von Ufer zu Ufer und parallel quer über den See einen zweimastigen Anfänger-Wasserskilift. Am Ufer sollen neben einem gastronomischen Angebot auch öffentliche Toiletten und Duschen entstehen. Als sportliche Strandangebote sind ein Beachvolleyballfeld, eine Trampolinanlage sowie ein künstlicher Kletterfelsen vorgesehen.

Seine Ausführungen ergänzte Brünjes durch Zahlen, die den wirtschaftlichen Nutzen und den Gewinn an Lebensqualität für Oyten belegen sollten. Er selbst rechne mittlerweile mit 1,7 Millionen Euro Investitionskosten. Durch den Betrieb sollten Arbeitsplätze entstehen: vier Vollzeit- und 40 Teilzeitstellen, sowie ein Ausbildungsplatz. Einer Studie der Hochschule Bremen zufolge würde das Freizeitangebot rund 30 Prozent auswärtige Gäste aus Bremen, Rotenburg, Verden und Nienburg anziehen. Bei geschätzten 22 000 Gästen, die pro Tag durchschnittlich 20 Euro ausgeben, ergebe das eine Wertschöpfung von 440 000 Euro für lokalen Handel und Gewerbe, trug Brünjes vor.

„Wie soll diese Summe in Oyten landen?“, fragte ein Zuhörer. Wer über den Autobahnanschluss Sebaldsbrück fahre, passiere den Ortskern doch gar nicht. Andere kritisierten zu erwartende Parkplatz- und Verkehrsprobleme durch den Besucherstrom. Auch Lohndumping wurde dem Investor vorgeworfen. Ein Bürger mahnte an, dass das Geschehen am Oyter See sich nicht auf den Wassersport beschränken werde: „Wir werden viele Partys erleben“, sagte er und präsentierte Fotos, die den See als Natur-Idylle zeigten.

„An Zynismus nicht zu überbieten“, nannte eine Rednerin aus Delmenhorst die Diskussion. Sie fahre jedes Jahr an einen der Seen, wo „Blue Bay“ bereits eine Wasserski-Anlage betreibe. „Ein wunderschöner See, wo sich Jung und Alt treffen“, betonte sie. „Euch fehlen die Argumente“, meinte ein Redner, der erklärte, er sei beruflich in der Oytener Jugendarbeit tätig gewesen. „Wir haben doch hier nichts, was die Jugend in Oyten hält“.

Unberührt ist die Natur rund um den See schon lange nicht mehr: Vor 50 Jahren sei der Oyter See zum Landschaftsschutzgebiet erklärt worden, wie Michael Rath vom Bauamt der Gemeinde ausführte. Dem folgte ein Bebauungsplan aus dem Jahr 1975, der den Bau eines Campingplatzes zuließ.

Um den Weg für die Wasserski-Anlage frei zu machen, müsste der Landkreis Verden den Status als Landschaftsschutzgebiet aufheben. Die Krux: Nach heutigen Standards würde der Oyter See nicht mehr als Landschaftsschutzgebiet durchgehen. „Die Erholungsnutzung ist nicht mehr mit den Zielen eines Landschaftsschutzgebietes kompatibel“, sagte Silke Brünn, Sprecherin der Naturschutzbehörde des Landkreises. Auch wenn der Landkreis den Schutz-Status aufhebe, sei die Nutzung des Sees „erstmal Ergebnis offen“, so Brünn. Zunächst müsse eine Bauleitplanung erfolgen, in die auch naturschutzrechtliche Aspekte einbezogen würden.

Wer an der Bürgerbefragung teilnehmen möchte, muss älter als 16 Jahre alt und EU-Bürger sein, sowie seit mindestens drei Jahren in Oyten wohnen. Die Wahl selbst soll am 20. Januar, parallel zur Landtagswahl, über die Bühne gehen. Statt einer Briefwahl besteht ab 17. Dezember die Möglichkeit, die Stimme im Rathaus abzugeben.

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