Erste Bürgerinfo zur Lärmsanierung an der Bahnstrecke Bremen – Hannover

Lärmschutzwände, Lücken und Kosten von 5,5 Millionen

An der Waage werden schon lange keine Güterzüge mehr entladen. Aber man kann ja nie wissen... meint man bei der Bahn, will sich die Option offen halten und die Lärmschutzwand auf die Straßenseite abseits des Gleises versetzen.
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An der Waage werden schon lange keine Güterzüge mehr entladen. Aber man kann ja nie wissen... meint man bei der Bahn, will sich die Option offen halten und die Lärmschutzwand auf die Straßenseite abseits des Gleises versetzen.

Langwedel - „Nein, das sind heute nicht die Langwedeler Kulturtage“, scherzte Bürgermeister Andreas Brandt. Sondern: „Es geht um die Lärmsanierung entlang der Bahnschienen von Förth bis Daverden.“ Um die „vorgezogene Bürgerbeteiligung vor Einleitung des Planverfahrens“, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Was sich dahinter verbirgt, erklärte Diplom-Ingenieurin Cornelia Meuser von der DB-Netz AG, Abteilung Lärmsanierung, den rund 50 Besuchern, unter anderem Mitgliedern von Räten und Verwaltung sowie Betroffenen, in ihrem rund einstündigen Power-Point-Vortrag am Mittwochabend im Rathaus.

Der begann mit allgemeinen Infos: „Lärmschutz wird der Deutschen Bahn immer wichtiger. Ziel ist es, den Lärm bis 2020 zu halbieren.“ Dazu gebe es verschiedene Möglichkeiten, zu denen aktiver und passiver Lärmschutz gehören, also Lärmschutzwände entlang der Schienen und schalldichte Fenster. Zwei Projekte gibt es im Flecken. Das erste erstreckt sich auf Förth, Langwedel und Daverden, das zweite folgt ein Jahr später für Cluvenhagen bis Etelsen.

Für Langwedel und Daverden heißt das: Es sind zwei Lärmschutzwände an der Strecke Bremen-Hannover geplant, die an der Hollenstraße beginnen sollen.

Die eine liegt auf der Seite des Bahnhofsgebäudes und ist 2,3 Kilometer lang, reicht also bis zur Straße Am Holdorf. 265 Wohneinheiten profitieren davon, 84 haben zusätzlich die Möglichkeit, Schallschutzfenster eingebaut zu bekommen. Die Wand soll drei Meter hoch werden – gemessen wird „ab Schienenoberkante“.

„Es gibt Lücken in der Wand“, sagte Meuser. Die erste gleich am Anfang: an der Unterführung zu den Bahnsteigen. „Dort können wir aus technischen Gründen keine Wand bauen, denn es liegen Kabel im Boden, so dass wir kein ausreichend tiefes Fundament legen können“, führte die Ingenieurin aus und erklärte: „Der Lärm entsteht durch die Reibung der Räder an den Schienen. Deshalb ist es am effektivsten, wenn die Wände möglichst dicht an den Gleisen gebaut werden.“ 3,80 Meter von der Mitte der Gleise aus gemessen.

Lärm, der an der folgenden Lücke – an der Ladestation An der Waage – entsteht, soll mit einer Wand auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgefangen werden. Was Anwohner stutzig machte. „Dort werden keine Züge mehr beladen“, warfen sie ein. Meuser erklärte: „Die Bahn fordert, dass die Möglichkeit bestehen bleibt, dort Züge zu beladen.“

Die Bahn baut auf eigenem Grund und Boden, kündigte Meuser an. Dennoch könne es im weiteren Verlauf der Wand dazu kommen, dass das Unternehmen etwas Grund von einigen Anrainern kaufen müsse. „Das ist maximal ein Meter“, sagte die Referentin. Und: „Der Bahnübergang Am Holdorf bleibt bestehen.“

Die 1,3 Kilometer lange Wand auf der Bürgerpark-Seite beginnt ebenfalls an der Hollenstraße, endet vor dem Rückhaltebecken und soll 196 Wohneinheiten vor Lärm schützen.

„Die Kosten für die Wände betragen 5,5 Millionen Euro und werden komplett vom Bund bezahlt“, informierte Meuser.

Wie geht es weiter? Anfang kommenden Jahres soll die Plangenehmigung beim Eisenbahnbundesamt eingereicht werden. Geht alles klar, stehen im Sommer die öffentlichen Ausschreibungen an, und 2017 soll mit dem Bau begonnen werden.

In Förth wird keine Lärmschutzwand gebaut. „660 Meter Wand für fünf Häuser rechnen sich nicht“, sagte die Ingenieurin. Stattdessen setzt die Bahn auf Schallschutzfenster. Heißt: Eigentümer von Häusern, die vor 1974 gebaut wurden, werden angeschrieben. Frühestens Ende 2017, eher 2018, schätzt Meuser, wenn die Wände stehen. Dann will die Bahn ein Ingenieurbüro damit beauftragen, sich um den passiven Lärmschutz zu kümmern. Drei Viertel der Kosten für die Fenster zahlt der Bund, ein Viertel die Eigentümer.

Nach dem Vortrag war Zeit für Fragen. Betroffene sahen sich die Situation vor ihrer Haustür nochmal genau auf den Plänen an, andere befürchten Graffiti-Schmierereien an den Lärmschutzwänden, diskutierten und verwarfen Lösungsmöglichkeiten.

Weitere waren froh darüber, endlich vor dem Schienenlärm geschützt zu werden. Nachdenklich machte die abschließende Frage eines Besuchers: „Ist es wirklich unser Wunsch, dass Langwedel von einer drei Meter hohen Wand geteilt wird?“

is

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