Die Folgen der Nutzungssatzung

Erst nackt und dann mausetot

Kreiszeitung Syke
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Verden - Von Volkmar KoySo sind wir eben. Auch jede noch so kleine Gebührenordnung muss per Satzung geregelt werden. Schriftlich und natürlich in dreifacher Ausfertigung. Sonst ist der deutsche Beamte nicht zufrieden.

Und damit alles seine Richtigkeit hat, lässt er sich das Geschreibsel vom Stadtrat absegnen. Wenn’s dann auch mehrheitsfähig ist, hat er die nötige Rückendeckung, um die Bürger, die Kaufleute und jeden Besucher der Stadt zu quälen. Und fertig ist die Sondernutzungssatzung. Zugegeben, ein wenig übertrieben ist die Darstellung schon. Aber auch nicht ganz falsch. Verden soll bunt sein. Das möchte der Bürgermeister. Warum aber wird das in der Fußgängerzone nicht zugelassen? Muss alles in Reih und Glied stehen? Wie bei der Bundeswehr. Kann sich die Lebendigkeit einer Stadt nicht auch in der Form der Auslagen dokumentieren? Das lieben wir in südlichen Breiten. In Norddeutschland aber ist das verboten. Lutz Brockmann ist gegen eine „nackte Fußgängerzone“. Gut so. Warum dann solch eine Satzung? Die meisten Geschäfte befinden sich im Normalzustand. Maßlos daneben liegen nur einige wenige. Wenn zum Beispiel aus der Verdener Fußgängerzone eine lütsche Chinatown gemacht wird, ist das sicherlich übertrieben. Oder wenn vor einem Geschäft mehr Fahrräder draußen als drinnen zu besichtigen sind, kann schon mal die Brille des Ordnungsamtsleiters zum Zweirad werden. Das sind aber die Ausnahmen. Traurig, aber beseitigungsfähig. Da kiekste, staunste, wunderst dir, sagt der Berliner Volksmund. Warum soll das denn nicht auch für Verdens gute Stube gelten? Aber nein. Stattdessen muss alles, aber auch alles geregelt werden. Es würde doch reichen, wenn die Barrierefreiheit und die Feuerwehrzufahrt gewährleistet ist. Den Rest regelt der Markt. Bloß nicht in Verden. Da wird die Regelungswut derart übertrieben, dass so genannte Kundenstopper vor der Tourist-Info verschwinden sollen. Es wird lediglich über interessante Veranstaltungen in Verden informiert. Offenbar zu viel des Guten. Oder der Mini-Aufsteller vor dem Hause der Verdener Aller-Zeitung, der lediglich auf den Vorverkauf für ein Konzert hinweist. Im übrigen an einer Stelle, wo der Fußweg die Breite von drei Metern locker übertrifft. Das zum Thema Barrierefreiheit. Zusammengefasst: Wer Satzungen dieser Güteklasse beschließt, muss auch Ausnahmen zulassen. Alles andere treibt die Kunden weiter auf die grüne Wiese. Die können es in Sachen Werbung sowieso besser. Die Gefahr dieser reiterstädtischen Gratwanderung: Irgendwann ist die Fußgängerzone nicht nur nackt, sondern auch mausetot.

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