Kunstschüler des Domgymnasiums erarbeiteten Vorschläge für das Gelände am Johanniswall

Ort der Erinnerung an Synagoge

Antonia von Behr, Eilert Obernolte und Sebastian Horwege (r.) bauten ihre Vorschläge für die Insel der Erinnerung an die Verdener Synagoge im Foyer des Rathauses auf.

Verden - (kle) · Auf dem Gelände des ehemaligen Fahrzeughauses Leonhard und Rennecke soll ein Komplex mit Wohn- und Einkaufangeboten entstehen. Die Planer machen sich darüber schon emsig Gedanken. Zugleich erinnern andere daran, dass an dieser Stelle einst die Verdener Synagoge stand, bis sie 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. FDP-Ratsherr Jürgen Weidemann etwa fordert , dass die Erinnerung an diesen Teil der Verdener Geschichte einen Ort erhalten müsse. Wie das aussehen könnte, überlegten sich Schülerinnen und Schüler eines Kunstkurses im 13. Jahrgang des Domgymnasiums.

Eine Insel der Erinnerung hatte Kursleiter Eilert Obernolte seinen Schülern aufgetragen. Die Objekte sollten sich in das Neue integrieren, aber auch an das Vergangene erinnern. Und die vage Möglichkeit, dass ihr Entwurf einst als Insel der Erinnerung an diesem markanten Punkt in der Innenstadt aufgestellt werden könnte, sei eine enorme Motivation gewesen, berichtete Schülerin Antonia von Behr.

Nicht zu groß soll diese Insel werden. „Höchstens fünfmal fünf Meter“, hatte Obernolte seinen Schülern vorgegeben. Und was dann in den Unterrichtsstunden erarbeitet wurde, war ebenso vielfältig wie unterschiedlich. Von einer angedeuteten Thora-Rolle mit Inschrift bis zu einer abgewandelten Laterna Magica, in der Licht die 38 Stelen der Jahreszahl an die Außenwand projiziert. Auch ein überdimensioniertes Buch aus Metall ist dabei. In die aufgeschlagene Seite sollte das Gedicht eines KZ-Häftlings geätzt werden.

Sebastian Horwege erarbeitete eine Art Skulptur, die für einen Schaukasten bestimmt ist. Oberhalb einer Trennebene aus Plexiglas hatte er einen düsteren Block in Quaderform angeordnet, der sich unterhalb der Ebene als umgestürztes Modell des Synagogengebäudes fortsetzt. „Die Erinnerung“, erklärte der Schüler.

Gestern machte er sich mit seinem Lehrer und Mitschülerin Antonia von Behr daran, die 14 Entwürfe, Modelle und Skizzen des Kunstkurses für eine kleine Ausstellung im Foyer vor dem großen Saal des Rathauses aufzubauen. Ihren Vorschlag hatte sie gleich in doppelter Ausführung dabei. Ein erster Entwurf aus einem Gasbetonstein zeigt eine angedeutete Hand, die eine Plexiglasscheibe in Form eines umgekehrten gotischen Spitzbogens hält. Auch dessen Einteilung mit weißen Linien erinnert an Fenster in christlichen Sakralbauten, wird aber von einem Davidsstern gebrochen. Das Ganze kann sie sich deutlich größer vorstellen, vielleicht drei Meter hoch. „Es soll imposant wirken“, teilte sie mit.

Eben dieser Stern, der in der nationalsozialistischen Judenverfolgung eine tragische Rolle spielt, taucht häufig in den Arbeiten der Schüler auf. In einer dieser Erinnerungsinselmodelle etwa schwebt das Symbol aus Verbindungsfäden zwischen sechs von innen beleuchteten Säulen in einem kleinen platzartigen Rund.

Bis 27. April kann sich jeder Besucher des Rathauses mit den Ideen der Schüler vertraut machen. So lange werden sie dort ausgestellt.

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