CaFée mit Herz: Fahrradtourteilnehmer am Hoppenkamp empfangen

Erfolgreich aufgerafft

Empfang in Verden: Das Bürgertreff-Team und Bürgermeister Lutz Brockmann begrüßten die Hamburger Radler. ·

Verden - Großer Bahnhof am Bürgertreff Hoppenkamp in Verden, als die Teilnehmer der Fahrradtour „Armut und Obdachlosigkeit fließt durch ganz Deutschland“ eintrafen. Der größte Teil der 1300 Kilometer weiten Mammutstrecke lag da bereits hinter der Gruppe aus Hamburg, die von Erichskirch am Bodensee über Erbach, Donauwörth, Rothenburg o.d.T, Tauberbischofsheim, Gemünden, Fulda, Bad Hersfeld, Kassel, Beverungen, Hameln und Minden in die Allerstadt geradelt ist.

Viele Radfahrer machen in Verden Station, wenn sie auf Aller- und Weserradweg unterwegs sind. In diesem Fall waren es jedoch nicht Touristen, die später im Totalisatorgebäude am Lüneburger Weg ihr Nachtquartier bezogen haben: Sie alle sind nämlich Klienten des Hamburger Vereins „CaFée mit Herz“, die gemeinsam mit Geschäftsführerin Margot Glunz für Verständnis und Toleranz in die Pedale treten.

„Wir sind nicht auf Mitleidstour, wir wollen Wertschätzung und Respekt“, erklärt Glunz die Botschaft der Aktion. Unterwegs haben die Radler viel Zuspruch erfahren. Verden war die zwölfte Etappe, wo sie von Bürgermeister Lutz Brockmann und dem Bürgertreff-Team empfangen und bewirtet wurden: Mitarbeiter, Stadtteilbewohner und Vereinsmitglieder von Kista hatten einen netten Grill- und Gesprächsabend initiiert.

Dabei wurde deutlich, dass Leistung und Ausdauer keine Kennzeichen nur von Menschen mit einer geregelten Beschäftigung sind. Für die Hamburger, die alle bereits die 50 überschritten haben, ist das CaFée mit Herz eine wichtige Anlauf-stelle, wo sie täglich Hilfe und Hoffnung in schwierigen Lebenslagen finden. Und schwere Zeiten haben alle hinter sich. Glunz: „Fünf Mitreisende haben wieder eine eigene Wohnung, zwei sind derzeit obdachlos.“ Die Gründe dafür seien so vielfältig wie das Leben selbst.

Seit einem halben Jahr hat die Geschäftsführerin mit „ihren“ Männern für die Radtour trainiert und dabei durchaus auch die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit erreicht. Doch schlapp gemacht hat bislang niemand. Dabei waren bislang acht Tourtage völlig verregnet. „Es geht dabei nicht vordergründig

„Wieder

aufgestanden“

um die körperliche Leistungsfähigkeit“, sagt Glunz.

Einige Mitfahrer bezögen nicht einmal Hartz IV und dennoch hätten diese Männer sich aufgerafft und für die Tourteilnahme trainiert. „Sie zeigen, dass sie im Dreck gelegen und doch wieder aufgestanden sind. Und dass sie in einer Gesellschaft, in der sich alles über Leistung definiert, Leistung zeigen.“

Die Bereitschaft dazu mussten sie bereits in der Vorbereitungszeit aufbringen, weil sie ihren Alltag neu strukturieren mussten. „Wer abends zu tief ins Glas schaut, kann morgens nicht fit sein und das Trainingspensum radeln“, gibt Glunz ein Beispiel. „Alle mussten diszipliniert, pünktlich und zuverlässig sein.“

Der Wille zur Leistung sei da. Deshalb hat sie zum Tourabschluss am Freitag in Hamburg nicht nur örtliche Politiker und Freunde der Einrichtung eingeladen, sondern auch potentielle Arbeitgeber, in der Hoffnung, dass die den Arbeits- und Obdachlosen „mit Biss“ eine Chance geben.

Seit zehn Jahren gibt es das CaFée mit Herz im Stadtteil St. Pauli. Es ist eine Anlaufstelle für arme und obdachlose Menschen. Die Einrichtung finanziert sich komplett aus Spenden. Das Budget beläuft sich monatlich auf etwa 12 000 bis 14 000 Euro. Neben persönlicher Beratung werden auch Kleider sowie Frühstück und Mittagessen angeboten. 80 000 Mahlzeiten im Jahr werden dort ausgegeben. · nie

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